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Rastafari-Schlumpfhausen: Bocas del toro

Wir verlassen die Panamericana für einige hundert Kilometer Richtung Karibik. Der Weg führt gut 200 Kilometer über die bis zu 2.200 m hohen nebelverhangenen Regenwald-Berge der Reserva forestal de fortuna hinunter zu den Bocas del toro. Mit dem Boot geht es einige Kilometer weiter auf die Insel Colon. Jeder Backpacker zwischen Alaska und Feuerand macht hier Halt.

Zum Sonnenuntergang erreichen wir das Schlumpfhausen der Rastafaris. Es riecht nach Geld, Gras und Hibiskus. Die Holzhäuser sind unendlich bunt, teils kaputt, teils nobelst renoviert und bilden ein wunderbar einheitliches Ganzes. Bukowski hätte unser Hotelzimmer geliebt: dunkel, muffig-siffig, aber unschlagbar günstig und in der Mitte von dutzenden Bars.

Hamburg geht nach der achstündigen Anreise hierher gleich in der ersten und für die ganze Nacht verloren. Ich schlafe mit dem Laptop auf den Knien über dem Blogschreiben ein.

Am Morgen darauf versuche ich einen Beach Cruiser in sein natürliches Habitat zu entführen. Beim ersten Chinesen-Rad reisst zum Glück schon nach 300 m die Kette. Beim zweiten springt selbige leider erst nach fünf Kilometern Asphalt auf grober Korallen-Sandpiste alle 200 m vom Ritzel, was ganz hervorragend von der Tatsache ablenkt, dass mein Hintern gefühlte 10 cm unter dem Tretlager über den Boden schleift. Ich erreiche wunderbar einsame Strände, aber bei der Rückkehr nach Bocas City kurz vor Mittag schaue ich nach 20 km schlimmer auch als eine in zuviel Öf frittierte Kochbanane.

Hamburg erwacht. Wir ziehen auf die Nordseite der Insel. Die Strände sind Robinson Crusoe mit Seestern. Palmen wiegen im leichten Wind über spiegelglattem blauen Wasser.

Eine Nacht muss gefeiert werden. Die Menschen bleiben bunt von Sonnenuntergang bis Morgengrauen. Livemusik an amerikanischen Expat-Alkis in der ersten Bar, Mega-Jenga mit Seattlern in der zweiten. Die Bar dahinter ist Holz mit Bücherregalen vor Tischtennisplatte. Auf dem Tisch unter dem Vordach stehen Aschenbecher. Wir rauchen gerade, als ein aus dem Nichts aufgetauchtes Einsatzkommando der Policia Nacional genau deswegen 500 $ vom Besitzer erräubert – sofort und in Cash.

Panamenos sind die reinsten Raucher-Nazis. Für Hamburgs Tabak-Erstausstattung wanderte ich kilometerweit durch gigantische Einkaufszentren in Panama City. Ausserhalb der Hauptstadt kann man nur alle zwei- bis dreihundert Kilometer Tabak kaufen. Das Rauchen desselbigen gestaltet sich nochmals deutlich schwerer: vor öffentlichen Gebäuden und in jedem Hotel, Restaurant oder Bar inclusive Freisitz ist es generell verboten. Auf öffentlichen Straßen wiederum ist der Alkoholkonsum untersagt. Spastisch zwischen Getränken und Kippen von Bordstein zu Veranda hin- und herhüpfend begreifen wir, dass Kiffen hier nicht als Drogenkonsum erachtet wird, sondern als probate Methode, dem Wahnsinn einer amerikanisiserten Anti-Raucher-Gesetzgebung zu entkommen.

Zum dritten mal treffe ich ohne Absprache lustige Reisenden aus Vancouver. Wir widmen uns architektonischen Wunschträumen kurz vor dem Weltrekord, philosophieren über Shortbus und teilen mit bunten Menschen an blauen Orten. Spät nachts haut mich vor der Disco ein rotzedichter Exkommunizierter an: “Want coke?”. Fünf Meter weiter winkt mich ein Paramilitär mit schusssicherer Weste und Schlagstock durch den Eingang. Schlaubi-Schlumpf wurde wohl schon vor Jahren in Alkohol ertränkt. Der böse Schlumpf hat sich irgendwie mit Gargamel arrangiert. Schlumpfine lässt die Puppen tanzen. Papa Schlumpf muss nicht alles begreifen. Aber darüber schreiben zu dürfen ist ihm eine Ehre.



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