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Panamericana, km 532: Boquete

Die Panamericana ist der Monstertruck unter den Strassen der Welt. Die Dünne des von Alaska bis Feuerland reichenden Fadens macht sie zur altehrwürdigen Grande Dame unter den Roadtrip-Grundlagen. Ewan McGregor ritt sie mit dem Motorbike gen Süden. Wir mit unseren Kites nach Norden.

Am ersten Morgen der Reise war die über den Panama-Kanal spannende Puente de las Americas mein erstes Ziel. Heute ist es Boquete am Fuss des 3.500 m hohen Vulkans Barú im Norden von Panama. Km 532. Zehn Stunden, vier Busse und einen netten Panameño nord-westlich von Punta Chame bin ich erst mal ziemlich erschlagen von unendlichen Weiten. Die Panamericana hat erstmals zugebissen.

Die ersten 170 km ab Chame bis Santiago sind ein gemütlicher Einstieg, 2h SUP im übervollen Salsa-Balla-Bus. Für die folgenden knapp 200 km bis David braucht der nächste noch engere Bus durch eine einzige gigantische Baustelle satte fünf Stunden. Die Grande Dame Panamericana wird auf zwei Spuren verbreitert, und offensichtlich auch deutlich tiefergelegt. Die Telefonleitungsmasten seitlich der mit lästig viel Asphalt duchsetzten Perma-Schlagloch-Piste stehen auf fünf Meter hohen grotesken Erdblock-Zähnen.

Jede noch so kleine Siedlung hat eine fesche aber anscheinend recht ungenutzte Fußgängerbrücke über die Panamericana. Ein dicker Friedhof folgt meist schon kurz darauf – makabererweise stets mit Panamericana-Panoramablick. Auf dem Sitz vor mir ergötzt sich ein Panameño an blutigen Bildern der neuesten Verkehrsmassaker in der Zeitung.

Durch endlose Zuckerrohr-Meere ziehen wir vorbei an gelben Caterpillar-Armeen. Griechenland mag 25% Beamtenquote einen tollen Grund schimpfen, Deutschland zu seinem  Diktator zu küren. Panama nennt 50% aller Arbeiter im Straßenbau (incl. massigen 10% menschliche Ampeln) einfach Fortschritt.  Ein extrem befähigter Baggerfahrer schaffte es, sein 25 km/h schnelles Gefährt 15 m tiefer neben einer ohnehin schon fünf Meter tiefergelegten Panamericana in einen Fluss zu versenken. Da werden selbst die Panamesischen Fraggles zu Lemmingen: jeder geiert.

In David verlassen wir die Panamericana. Nach 45 km landen wir in einer ganz anderen Welt. Einstieg 32°/85% Luftfeuchte, Ausstieg 20°/60%. Steile Vulkanhänge, Pinien und Nieselregeln lassen Hamburg erzittern. Der Bayer fühlt sich in Boardshorts pudelwohl unter wie Zulus auf Sommerferien in Alaska gekleideten Panameños.

Das Hostal ist fein, das Steak gut, und die tief an den Hängen des Vulkan Barú hängenden Wolken hören sich exakt an wie die Hidden Cameras, Skin and leather.

In Boquete regiert schon seit Tagen das Jazz-und-Blues-Festival. Es schmeckt wie Leberkas-Rosenkohl-Auflauf an Senfgurken auf Estragon-Mangoparfait: wunderbar bunt spielen 9 Musiker aus wenigsten 12 Ländern Bluegrass- Salsa-Jazz im Santana Style vor der internationalen Gästeschar. Ich fühle mich, als wäre mein Wortpinsel in ein Fass dezent angeschmolzener Skittles gefallen, und ein Bild fordere mich auf, ihm etwas feines zu kochen.

Am Morgen wandere ich acht Kilometer den Vulkan nach oben bis auf ca. 1.800 m. der Boden ist so fruchtbar, dass sogar Steine blühen. Kaffee, Hibiskus und Engelstrompeten säumen den Weg durch den Regenwald. Der Eintritt für einen kleinen Wasserfall am Ende des Weges im Dschungel ist ungefähr so angemessen wie Natriumchlorid-Genussscheine auf einer Atlantikdurchschwimmung. Sprich: der Weg war das Ziel.



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