Walk on the wild side

3108
2008
So
12:12
Tag
450
2770 views

Nach fast vier Wochen in Wien fällt mir auf einmal auf, dass ich eigentlich noch überhaupt keinen ganzen Tag mal einfach frei gemacht hab. Ich hab jeden Tag gearbeitet, die meisten komplett. Wird heute abgestellt. Die Windvorhersage passt, wir fahren zum Neusiedler See. Wegen einer Regatta ist der Nord-Nord Strand gesperrt. Zum Starten ist das Strandbad eh viel besser.

Nach fast zwei Monaten permanenter Flaute in Deutschland, Italien, Kroatien, Slowenien und Österreich kommt mein neuer XBow endlich zum Einsatz. Wunderbar. Der Kite wird lange viel Spaß machen. Schöne Depower, etwas hohe Haltekräfte, aber auch massig Zug nach oben. Auf dem See stehen 150 Kiter dicht an dicht, 14 Knoten reichen aus um den neuen 1,5h zu testen. (mehr …)

P1010039
P1000476

Sri Thai Imbiss Wien

2708
2008
Mi
10:54
Tag
446
5205 views

Es gibt Orte, die machen Geschichte, und es gibt Orte, die sind Geschichte. Der Sri Thai Imbiss Wien gehört zum letzteren. Der Ruf des Sri Thai Imbiss Wien ist legendär, angeblich ist es der beste Thai Imbiss Wiens. Zahlreiche Zeitungen haben berichtet, etliches Lob wurde verschüttet. Das Essen hat auch sicher Lob verdient. Der Rest drum herum nicht im geringsten.

Sabine warnt mich vor: Der Sri Thai Imbiss Wien sei etwas ganz besonderes. Es kursieren Gerüchte über Lachverbote, das Klo im nachbarschaftlichen Keller sowie leicht gesteigerte Wartezeiten beim Esssen. Mit dem Sri Thai Imbiss Wien ist es wie mit jeder Berühmtheit weltweit: ohne Macken spricht niemand mehr drüber. Nun, ich bin da. Ich habe zu sprechen. (mehr …)

imbiss wien
sri thai

Triglav

2208
2008
Fr
21:07
Tag
441
4590 views

Über 400km Landstraßen fahren wir den ganzen Tag von Losinj über Triest nach Norden. Im Sonnenuntergang dampft die Soca ins Tal. Wir dampfen neben ihr über den steilen Vrsic-Pass nach oben. Auf der Nordseite glühen die Berge. Unser Ziel ist die Aljazev-Hütte am Ende des Vrata-Tals im Triglav-Nationalpark. Das letzte Tageslicht. Ehrfürchtige Blicke nach oben, dort wo der Triglav in den Wolken verschwindet. Wir sehen nur seine untere Hälfte, und schon die schaut unbezwingbar aus.

Das Abendessen auf der Hütte ist einfach und deftig. Wir reduzieren unser Gepäck vor dem morgigen Aufstieg auf das allernötigste. Vor uns steht eine zweitägige Klettertour auf den mit knapp 2900m höchsten Berg Sloweniens. Ich falle ins Bett und schlafe wie ein Stein. (mehr …)

9
4

Die 24 Stunden von Cres

1908
2008
Di
23:12
Tag
438
3025 views

Wir fahren weiter nach Süden. Vor 10.000 Jahren war die Insel Cres noch Festland. Dann schmolz etwas zuviel Eis, und Cres lag im Meer. Der letzte Hostelchef meinte, nur mit dem Rad überzusetzen wäre keine gute Idee. Recht hat er. Direkt nach der Fähre schnalle ich, warum. Die einzige Straße geht vom Meer praktisch senkrecht 500m nach oben.

Fehlstudiengangbegängerin Sabine will unbedingt die Lämmergeier von Cres sehen. In Beli halten wir am Geiercenter. Eine langweilige Ausstellung sagt einiges für den guten Zweck. Wir sehen einen vergifteten Lämmergeier mit Hirnschaden im Gehege. In echt und freier Wildbahn bleiben sie aus. Der lokale Steinstrand beeindruckt ausschließlich durch die Höhe der Parkgebühren. Wir fliegen weiter gen Süden. (mehr …)

P1000270
P1000285

No Hula a Pula

1808
2008
Mo
23:48
Tag
437
2610 views

Es geht weiter nach Süden. Nächster Stop: Pula, über 2000 Jahre Geschichte. Ein Amphitheater von der halben Größe des Collosseums in Rom. Wir fahren mit dem Rad durch die Gegend. Nirgends schöne Strände. Alles voll. Am Abend eine Tour durch die Altstadt. Das Essen ist fettig, schlecht und teuer. An allen Ecken toben Gaukler. Wir finden keine einzige echte Bar. No Hula a Pula.

Medulin ist das Mekka der Windjunkies Kroatiens. Also, das heisst, natürlich nur solange ich nicht da bin. Windfinder gibt eine Woche Flaute und behält damit auch recht. Wir braten am überfüllten Strand im Dreck. Auf dem Wasser schwimmt Sonnencreme, die Steine beissen in die Füße. Nirgends kommt man ans Wasser, und da wo man hinkommt mutiert man zur Ölsardine. (mehr …)

P1000240
P1000185

Burgstädte in Istrien

1608
2008
Sa
23:26
Tag
435
2871 views

Istrien erhielt seinen heutigen Namen 1994, als der Schweizer Pierre Rosan feststellte, dass im Yugoslawischen Post-Kommunismus Geld überhaupt keinen Wert besitzt: „L’argent, c’est rien ici!“ schrie er an der Marina von Umag aufs mehr hinaus. Einige Deutsche schnappten den Spruch auf, ließen das Geld weg (Geiz ist geil!) und deutschten den Namen ein. Istrien war geboren.

Anreise. An der Grenze zu Slowenien stellen wir erst mal erfreut fest, dass mein europäisches Navi-Kartenmaterial anscheinend noch aus der Zeit stammt, als Slowenien noch nicht zu Europa gehörte. Die letzten 200km gen Istrien fahren wir nach Kompass. Ab Koper geht die Welt unter: es toben schwere Gewitter, die Sicht beträgt 50m, auf den Straßen könnte man auch Boot fahren. (mehr …)

P1000104
P1000089

Wienerisch für Anfänger

1008
2008
So
21:56
Tag
429
3059 views

Wien ist groß, bunt schräg, alt und neu. Das eynzig störende ist, dass Wien voller Wiener ist. Die Sonne kann scheynen wie hell sie mag, sobald eyner hinter dir den Füllzustandes seynes Glases bemangelt, fühlt man sich eynfach verpflichtet, mitzuleyden. In all dem Spass ist das Leben unendlich träge, lang und leydig.

Ich feyer meynen Geburtstag in Wien. Tom und Christiane fahren dafür 400km. Sabine bringt ein paar Biologen. Auf der Dachterrasse der biologischen Fakultät versucht uns Wien seyne Stimmung aufzudrücken: Zum ersten Mal seyt Wochen regnet es, und zwar richtig und fast die ganze Nacht. Nebenan läuft eyne Hawaii-Party. Drinnen. Wir drücken uns an die Wand unter einem kleynen Dachvorsprung und verweygern dem Leyd den Gehorsam. (mehr …)

CIMG0464
CIMG0505

Stuttgart-Reinlichingen

2007
2008
So
22:33
Tag
408
2808 views

Kais Party ist schön, aber ich werde von Pfadfinderliedern immer sehr schnell müde. Nach dem dritten Bier falle ich in die dem Regen fast widerstehende Jurte. Im Morgengrauen zieht Nebel durch den Wald. Ich packe meine Sachen fahre ab. Tanja in Stuttgart war wohl etwas zu heftig weg, erreiche sie nicht.

Auf den Straßen Stuttgarts zeigt sich der wahre Schwäbische Ordnungswahn. Es gibt mehr Schilder als Autos. Einige hab ich noch nie gesehen (Umweltzone?). Auf jedes Schild kommen zwei Radarfallen. Keiner fährt auch nur einen km schneller als erlaubt. Die Straßen sind leer und sauber, die Parks groß und grün. Auf die Wiesen darf man sich nicht legen, es sei denn da steht ein Schild. Das hört sich dann so an, als müsste man sich hinlegen. (mehr …)

CIMG0355
CIMG0321

Stilleben aus Nagold

1807
2008
Fr
17:25
Tag
406
2649 views

Ein Tourist im eigenen Land besucht den Schwarzwald: Nagold, Kleinstadt zwischen dunklen steilen Wäldern. Kein Parkplatz im Zentrum ist umsonst, somit der Wald drumherum was ganz anderes. Vor dem CDU-Ortsverband mit seinen 70er-Jahre Siff-Vorhängen weist ein Schild auf das Parkverbot hin. Ich stelle mein Auto ab. Nagold ist still, dunkel, leer an diesem Abend. Meine Stadttour dauert 15 Minuten.

Hobbingen: Die Häuser haben zwar kein Gras auf den Dächern, aber dafür viel Holz in den Wänden. Die Fenster sind klein. Die Bewohner verstecken sich dahinter. Die Straßen sind so sauber, dass die Dorfalkoholiker noch dreckiger wirken. Zwei Hilfs-Hip-Hopper im weißen Gangsta-Outfit watscheln mit Bierflaschen zum nächsten HotSpot. (mehr …)

CIMG0281
CIMG0297

Konstanz

1607
2008
Mi
23:12
Tag
404
2923 views

Ich bin in Konstanz. Einen Import-Australierin in Spe kann Hilfe bei der Architektur-Abschlussarbeit brauchen. Ich hatte ihr in Melbourne angeboten, beim Modellbau zu helfen. Immer tun, was man sagt fällt gerade sehr schwer. Sie zeichnet die Pläne fertig, während ich das Modell ihrer Bibliothek baue. Jeden Tag 10-12 Stunden. Essen gehen. Nachts ein paar Stunden mein Beruf: Webdesign.

Mein Plan war irgendwas zwischen sechs und acht Stunden am Tag. Etwas weiter reisen und Deutschland neu kennenlernen. Aber selbst die 10 Stunden täglich sind bei weitem nicht genug. Sieben Tage vor Abgabe gibts noch nichts vom Modell, nicht mal Material und Werkzeug. Ich tu was ich kann, aber es kann nicht genug sein, und vor allem fühlt es sich an, als würde ich mich verschwenden. (mehr …)

CIMG0269
CIMG0280

Weg aus Wien

0707
2008
Mo
23:24
Tag
395
2701 views

Der letzte Tag in Wien. Brunchen gehen mit Sabine und Georg. Rauf auf die Baumgartner Höhe. Otto Wagner hat hier 1907 das Sanatorium Steinhof gebaut. Die Anlage ist so schön, dass man sich fast überlegen könnte, drogenabhängig zu werden – nur um in den Genuss eines Entzuges innerhalb der alten Mauern zu kommen. Eine alte Oma fragt nach dem Weg zu ihrem Zimmer.

Auf dem Kahlenberg herrscht Hochbetrieb. Ganz Wien will von oben über die Grinzinger Weinberge auf seine Stadt hinabblicken. Abends geht’s noch über den Prater. Das Schweizerhaus kocht gut auf, das Bier ist abgestanden wie versprochen und die Preise genauso gesalzen wie die Kruste der Schweinshaxe. Im Kettenkarussell wird mir schlecht. Kann nur noch mit Leinen. Riesenrad geht grad noch so. (mehr …)

CIMG0207
z

Gewitter-Kiten am Neusiedler See

0607
2008
So
3:18
Tag
394
4258 views

Mittags fahren wir zum Neusiedler See. Vom dritten Bezirk dauert das gerade mal 45 Minuten. Die Österreichischen Ferien haben genau heute begonnen. Die Autobahn ist voll. Massig Windräder drehen sich im starken Wind. Der erste Blick auf den Neusiedler See lässt mich jubeln: Da sind bestimmt 100 Kiter draußen. Mein erster Ritt binnen zwei Monaten, höchste Zeit.

Der Neusiedler See ist riesig. Aber es gibt nur einen einzigen kleinen legalen Startplatz zum Kiten. Für den nehmen die netten Podersdorfer satte 5,50 € Eintritt. Nicht nur für Kiter, sondern auch für Sabine, die als Zuschauer mitgekommen ist. Der Platz ist gut 30m breit und ca 200m Lang. Auf der Wiese liegen mehr als 100 Kites. Auf dem Wasser sind nochmal genauso viele. (mehr …)

CIMG0148
CIMG0170

Vienna Calling

0507
2008
Sa
1:33
Tag
393
2760 views

Ich bin jetzt seit sechs Tagen in Wien und hab außer ein paar guten Kneipen und der Fanzone noch nix gesehen. Vienna calling. Arbeit macht heute Pause, ich gehe in die Stadt. Also. Wien. Moment, das is die Schublade unten rechts in meiner Kommode: Wiener sind reich, laut, leidig-grantig und arrogant. Sonst noch was? Ah ja, auf dem Kennzeichen des Alphas steht natürlich „iener“ nach dem W.

So hab ich bisher Wiener kennengelernt. Das war meistens beim Snowboarden oder Kiten. Zum Glück sind die Wiener daheim nicht so. Wien ist ganz bunt. Vom Vielvölkerstaat zur Multikulti-Metropole. Stadtpark. Erste Bank: Penner. Zweite Bank: Banker. Dritte Bank: Plemplem. Vierte Bank: Rasta. Sehr lustig. (mehr …)

CIMG0115
CIMG0104

Vom gestrigen Heurigen

0407
2008
Fr
0:50
Tag
392
3040 views

Ich lerne Österreichisch. Georg klärt mich auf: Heurigen ist nicht der Wein, Heurigen ist die Buschen-Schänke, die ihn ausschenkt. Heurigen ist also nicht die Fortsetzung der ewig Gestrigen und politisch eher anzusiedeln in der gemäßigten Mitte. Gestern waren wir auf jeden Fall außerhalb Wiens auf einem Heurigen. Das war fast genauso ungesund wie spassig.

Es ist ganz komisch, ganz nahe an der eigenen Heimat in der gleichen Sprache und einem ähnlichen Dialekt ständig was Neues zu lernen. Ich lern binnen fünf Tagen in Wien mehr neue Wörter als binnen drei Monaten in Neuseeland. Was sicher nicht dazu beträgt, das ich mir irgendwas besser merken kann. Nur eines: Aus’gsteckt is des Online-Lamperl vom Heurigen. (mehr …)

CIMG0033
CIMG0037

EM-Finale in Wien

3006
2008
Mo
19:45
Tag
388
2917 views

Also fahr ich nach Wien. Weiterreisen. Alte und neue Freunde besuchen. Drei Kelheimer Burschen schließen sich via Mitfahrgelegenheit.de an. Senkt den Adrenalinspiegel beim Tanken. Nach vier Stunden sind wir da, der große Stau zum Endspiel bleibt aus. Zum ersten Mal freu ich mich richtig über mein Navi. Quer durch Wien zu Sabine. Drei Jahre nicht gesehen.

Es tut gut, Menschen zu treffen, die lange aus der Sicht waren. Das eigene Reisen erscheint dadurch langsamer. Meine Kamera lass ich noch auf dem Weg zum ersten Biergarten fallen. Kaputt. Heute gibt’s nur Handybilder. Weiter zum Karlsplatz, Extrem-Schrammeln, Schifferl basteln und Leibjodler anhören. Zuletzt noch ins Schickaneder. Eine Kneipe wie Faust aufs Auge. Und rauchen. Drinnen! (mehr …)

DSC00066
DSC00068

Wir fahren nach Wien!

2606
2008
Do
2:55
Tag
384
3290 views

Wie waren nie Pabst. Aber wir fahren am Sonntag nach Wien zum Finale! Das Halbfinale der EM haben wir verdient gewonnen. Im Viertelfinale bekamen wir das 3:1 geschenkt, aber heute hat uns der Schiri nen Elfmeter geklaut. Verdient mit 3:2 gewonnen! Der Auto-Korso formiert sich in Regensburg, die Drinks werden gedrunken, das Gemetzel bleibt aus und wir dürfen auch weiterhin grinsend teure Gammelfleisch-Döner fressen.

Wir? Deutschland! Ich bin nicht Deutschland. Ich bin immer noch reisender. Ich betrachte die Spiele aus einem eigenartigen Winkel. Wie Rugby in Fiji. Ich hab meinen Favoriten. Aber es ist nicht „meiner“. Ich freue mich für Deutschland. Gute Freunde sagen: „Dein Land, hier!“, und ich freue mich sehr darüber. Aber es ist wie Brandung an felsige Küste. Wasser gegen Stein. (mehr …)

CIMG7546
CIMG7576

München

2406
2008
Di
22:01
Tag
382
3546 views

München ist genau wie immer: Alle fahren wie die Deppen, das Bier ist teuer und niemand spricht Bayerisch. Ich besuche David. Wir ziehen einen Sonntag von Schweinebraten über die Isarauen und Biergarten zu Gyros. Ich war hier schon mal. Alles ist eigenartig vertraut und weit weg. Am Abend läuft ein weiteres EM-Viertelfinale. Ich verschlafe es zur Hälfte.

Geschäftstermine treiben mich bei über 30 Grad mit dem Rad durch München. Ich möchte hier nicht leben, bin froh nur zwei Tage hier zu sein. Alles löst sich etwas auf, sogar Kunden. In diesem Fall positiv, ab sofort gibt’s zwei getrennte HPs zu betreuen. Ich steh nicht still, aber bewege mich auch nicht. Schaue raus auf die Straße. Ein Sommergewitter streut seine Hagelkörner über München. (mehr …)

CIMG7528
CIMG7516