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Sommerende auf der Salza

Tom schlägt mich breit zu Kajakfahren. Ich fahr gern Kajak, aber die letzten Wochen sind vergangen wie im Flug. Und den ganzen Flug war ich todmüde. Eigentlich komisch. Die ganze Weltreise war viel erschöpfender als die Arbeit und die Nächte hier. Trotzdem bin ich meistens mit sechs Stunden Schlaf ausgekommen. Wieder hier könnte ich jeden Tag 10 Stunden schlafen. Und wenn ich’s tu, reichts trotzdem nicht.

Wir fahren an die Salza nach Wildalpen. Nach drei Stunden Autobahn und über 100 km kurvigem Landstraßen-Geheize kommen wir nach Einbruch der Dunkelheit auf dem Naturfreunde-Campingplatz in Wildalpen an. Das Wasser der Salza rauscht auf Niedrigstand im Flussbett. Die Campfeuer rauchen, und die Luft ist kalt zum Ende des viel zu kurzen Sommers.

Tom hat zwei Schlafsäcke dabei, hat höllische Angst vor kalten Nächten. So kalt wird es gar nicht. Aber der Sommer ist vorbei. Gernot von www.kanurafting.at ist unser Guide. Seine Kajaks sind selbstgebaut, die Tour gemütlich und hilfreich geführt. Die ersten Wellen sind mild und trotzdem ausreichend für einige erfolgreiche Kenterversuche. Eskimorollen sind überflüssig, das Wasser der Salza ist zu niedrig.

Nervig sind alleine die zahlreichen Steine, die aus dem Wasser ragen. Es gibt immer zwei Möglichkeiten, die da lauten: Links oder rechts. Meist wähle ich die goldene Mitte, welche wiederum häufig direkt ins kühle Nass führt.

Die erste Tagestour dauert fast sechs Stunden. Am Abend sind meine Arme beidseits 4,5cm länger. Größtenteils vom Wasser-aus-dem Kajak-kippen. Die Schluchten waren tief, die Bäume grün, das Wasser türkis und der Himmel blau. Ich werde alt. Abends fall ich nur noch ins Bett, während die Jungens noch den Sieg Österreichs über Frankreich in der WM-Qualifikation bejubeln.

An Tag zwei geht es gleich 10km mit dem Bus die Salza runter. Hier kommen die heftigen Stellen. Sogar einige Rafts kentern schneller als erwartet. Fast jeder wird nass – bis auf Tom. Ich stelle den Tagesrekord auf. Drei mit Unerfahrung verdiente Wasserungen nebst einer aus Dummheit und einer vollkommen überflüssigen Einstiegs-Kenterrolle sind der Topscore.

Die Salza fließt durch eine enge Klamm. Rafter steigen aus und springen von hohen Felsen. Die Sonne ist weg. Der Sommer ist vorbei. Ich falle abends wieder nur noch ins Bett.

Meine lange Reise ist vorbei. Und irgendwie trotzdem noch nicht. Ich bin fast ständig müde. Nicht weil ich mehr mache, ich mache weniger. Aber ich erlebe mit den gleichen Anstrengungen weniger. Die fehlenden großen Erlebnisse machen mich müde.

Schnitt. Ein Abend beim Heurigen. Die ehemals rechte Hand Bushs ist da. Schaut so lieb aus und redet so lieb. Auf den Bildern aus den 60 er Jahren neben dem Eingang lacht die rechte Hand. Ich schau mir seine Hand genau an. Will wissen wie Hände ausschauen, die Welten zerdrücken können.



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