Rockin Rotorua

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Rotorua ist das vulkanische Zentrum Neuseelands. Es liegt mitten in der Spalte, die sich von White Island im Norden bis hin zu Mount Taranaki im Osten der Nordinsel erstreckt. Wir spazieren durch eine Maori-Siedlung direkt am See. Heizung oder Herd braucht hier keiner. In den Vorgärten dampfen kleine Geysire.

Geysire, Schlammpools und heisse Schwefelquellen locken seit über 150 Jahren Reisende aus der ganzen Welt an. Auch heute schleudern Dampf und allgegenwärtiger Schwefelgeruch Rotorua neben Auckland und Queenstown direkt auf den dritten Platz der beliebtesten Reiseziele. Greepeace verleiht Ehrenmedaillien für’s Furzen, denn das verbessert den Geruch lokal begrenzt mehr oder weniger stark spürbar.

Wir checken im Crank Backpackers ein. Das Hostel ist fast eine kleine Fabrik, aber sauber, weiträumig, mitten im Zentrum und es bietet im Haus eine 12m hohe Indoor Kletterwand. Wir schaffen es in unseren vier Tagen hier trotz einigem Regen nicht nach oben. Es gibt zuviele andere wunderbar bescheuerte Sachen auszuprobieren, und keine Reise ist je lang genug.

Die lokalen Badeanstalten sind alt und schön, genauso wie die Maoridörfer in den Thermalgebieten am Stadtrand. In den Wäldern südlich Rotoruas wurden im 19. Jahrhundert Bäume aus aller Welt angepflanzt, um deren Verträglichkeit mit dem Neuseeländischen Klima zu testen. Heute geht es den großen Redwoods dort sehr gut. Moutainbiker heizen durch die Berge, wir auf einem Pferdetrail zu Fuss auf den höchsten Gipfel. Von oben fällt wieder Regen, unter uns dampfen die Geysire. Farne waschen die Hosen. Neuseeländer reden erst von Regen, wenn sie ihre Hand nicht mehr sehen können. Wir passen uns allmählich an, verlängern dann aber doch um eine Nacht im Hostel, statt mal wieder zu campen.

Wenn schon nass, dann gleich richtig. In einem großen wasserbefüllten Plastikball einen Berg runterrollen ist ganz nett. Aber die Besteigung unseres zweiten Vulkans Rainbow Mountain 20km südlich Rotorua kickt besser. Türkises Kraterwasser, grüner Regenwald, gelber Ginster, blutrote Felsen über gelber, brauner und weisser Erde, ein ganzer vor Bienen summender Berg. Der Feuerwächter auf dem Gipfelturm erklärt uns die Dampfquellen am Horizont.

Direkt am Fuss des Rainbow Mountain liegt der Kerosene Creek. Er stinkt zwar tierisch nach faulen Eiern, aber ist nette 35 Grad warm, uns das Thermalbad das einzig kostenlose in weitem Umkreis. Unter einem Wasserfall presse ich mir den Schwefel bis ins Kleinhirn. Auf der Heimfahrt liefern wir uns einen olfaktorischen Krieg mit unseren Wanderschuhen. Sie gewinnen.

Ich gewinne das Pokerturnier im Hostel gegen 16 junge Reisende, die zwar trinken und spielen können, aber eben nicht beides zusammen. Erster Preis: ein Raft für 90$ über den höchsten kommerziell befahrbaren Wasserfall der Welt, die Kaituna Falls. Ich bin dort schon auf der letzten Reise 7m in die Tiefe gestürzt. Ausserdem hatten wir schon einen Rafting-Trip gebucht, also wird der Wasserfall noch etwas warten müssen.

Der Wairoa River 50km im Norden kann wegen eines Damms nur an 25 Tagen im Jahr befahren werden. Zwei Tage nach dem Pokerturnier ist so ein Tag. Mächtige Felsen werden von gut drei Meter hohen Drops der Kategorie 5 überspült. Wir schlucken alle ordentlich Wasser. Ich schaue auf einigen Bildern ordentlich verschreckt, Uli grinst permanent. In einer großen Stromschnelle überfahren mit dem Raft den begleitenden Fotografen im Kajak. Er bleibt aber im Sattel. Kommentar des Captains: „Shit, I hoped he would swim.“.

Ein Schild neben der Straße zurück sagt „100: it’s not a target“. Man muss also nicht 100km/h fahren. Auch wenn Kiwis einen angenehm derben Sinn für Humor haben, so wage ich doch die angebliche Striktheit ihrer Waffengesetze zu bezweifeln. Das Schild ist vollkommen durchsiebt von Schrotflinten-Einschüssen.

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