Must Wash Hands! Everytime!

0612
2012
Do
21:30
Tag
2008
1833 views

Die alte asiatische Dame des Hauses hat im gesamten Anwesen Schilder aufgehängt. Am Eingang wird darauf hingewiesen, dass Kurzzeitgäste nicht mehr erwünscht sind. In der Küche hängt ein Putzbefehl mit Verweigerungskommentaren darunter. Das Highlight ist jedoch ein Schild mit der reizenden chinenglischen Aufschrift „Must wash your hands! Everytime!“.

Es hängt einfach überall: am Ofen, im Wohnzimmer, in der Dusche und am Klo. Ich füge mich und wasche meine Hände. Komisch. Hier hängt kein Schild. In eine fast schon Psycho-artige Starre gelullt drehe mich um – und schreie laut auf. Fixdreck! Da hängt’s doch wieder. Das erst Schild, vor dem ich erschrocken bin.

Die Schilder sind nicht das einzig gruselige hier. Die Bewohner schleichen in der Nacht hustend, keuchend und rotzend über die engen dunklen Gänge. Oder Sie schnarchen einfach durch die Wand. Uli kriegt ’ne heftige Allergie, ich Kopfweh. Hängt sicher nicht mit den schimmeligen Wänden zusammen.

Auch die Küche fügt sich nahtlos ins Gesamtbild ein. Sie ist das dreckigste Loch, das ich je gesehen habe. Uli meint noch, sie wäre schon in schlimmeren Hostels gewesen. Ich nicht. Kenn aber bisher auch nur ca. 250. Must wash your Hands? Vermutlich überlebensnotwendige Seuchenkontrolle, um den Dreck von Jahrzehnten nicht weiter zu verteilen. Auf Hostelworld gab’s hierfür 49% bei Sauberkeit. Ein definitiver Beweis dafür, dass ungefähr die Hälfte aller Backpacker ihren Stammbaum binnen wenigen Generationen bis auf die Wildsau zurückverfolgen kann. Hotelcheck-Schlampe Nina würde hier garantiert an Perma-Orgasmen sterben.

Genug gemotzt. Vor fünf Jahren war’s wunderschon hier. Eine alte viktorianische Villa am Hang des erloschenen Vulkans Mount Eden, hoch über Auckland. Jetzt ist’s nur noch Dreck. Vielleicht ein Wink mit dem Zaunpfahl. The best things in life are free, die dreckigen kosten immer mehr und Magie ist unwiederholbar. Wir werden alte Pfade verlassen und auf neuen reisen.

Schritt eins: Camping-Ausrüstung einkaufen. Der große Shop liegt in Otahuhu, einem Industrie-Suburb 20 km vor Auckland. Tausend China-Shops, Fish and Chips und Maori-Markt. Nach knapp einer Stunden mit einem einzigem gesichteten Bleichgesicht haben wir alles beisammen und brechen in die bunte Parallel-Glitzerwelt der Pakeha-Shopping-Malls im Zentrum auf. Christbaum, blitz und blank und Weihnachts-tüdelüt. Sim Card, dekadente Campingstühle und Schuhe. Das Freigepäck gab kein Gramm mehr he

Der Jetlag ist auch an Tag drei noch gigantisch. Am ersten Tag wachen wir nach einem kurzen Mittagsschlaf 10 Stunden später um vier Uhr morgens auf. Am Tag zwei halten wir uns mit Ausflügen auf Mount Eden bei 25 m Sicht und Mount Wellington bei genausoviel Knoten Wind wach. Am nächsten Morgen erfahren wir, dass es wohl doch etwas mehr war. Durch Auckland zog ein Tornado und hinterließ 11 Millionen NZ$ Schaden. Es stürmt und schifft zwei Tage lang. Ich habe alle Zeit der Welt. Mein Sturm kommt noch…

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