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Gletschersterben in Neuseeland

In den deutschen Nachrichten hört man immer nur, dass die Neuseeländischen Gletscher einige der weltweit wenigen noch wachsenden Gletscher sind. Generell ist das richtig, aber eben nur selten. Spät abends kommen wir in Franz Josef an und checken im YHA ein. Für den nächsten Tag haben wir einen ganztägigen Trip auf dem Fox Glacier gebucht.

Am frühen Morgen geht es mit dem Bus an den Gletscherbruch. Man sieht den Fox Glacier nicht. Binnen einem Jahr hat sich der Gletscherbruch um ganze 400 Meter um’s Eck zurückgezogen. Wieviel es seit meinem letzten Besuch vor fünf Jahren war, traue ich mich nicht fragen. Der Guide witzelt als erstes darüber, dass er bald einen neuen Job braucht.

Damals führte der einzige Weg auf den Gletscher über einen steilen Anstieg auf den flankierenden Klippen. Auch heute steigen wir wieder über diesen Pfad. Zuerst rauf, und dann wieder genauso weit runter. Erst jetzt sehen wir die Reste des Fox Glacier. Das untere Ende ist noch einen guten Steinwurf breit. Die Oberkante liegt 50 m tiefer. Auf dem wenigen Resteis liegen massig von den Flanken herabgefallene Felsen, bis hinauf zum einstmals hoch am Gletscher gelegenen Eisfall.

Die vielen Wanderer drängen sich auf immer weniger Eis. Spikes sind vor lauter Fels kaum noch nötig. Immer wieder warten wir in langen Schlangen. Das große weisse und blaue kommt noch vor dem Eisfall, aber nur wenige Minuten der insgesamt vier Stunden am Gletscher. Das war das erste wirklich sauber in den Sand gesetzte Geld für einen Trip, 165$ für Resteis und die Erkenntnis, dass wohl doch nur gute Nachrichten gute Nachrichten sind.

Den Fox Glacier traf es noch nicht ganz so hart wie den Franz Josef Glacier. Dort ist der einstmals recht weit oben gelegene Eisfall jetzt der Gletscherbruch ganz unten. Da man seine fast senkrechten Flanken nicht besteigen kann, können die Guides am Franz Josef Glacier nur noch Gletschertouren mit dem Helikopter anbieten, zu Preisen ab 300 $ – was den Absatz verständlicherweise deutlich einbrechen liess.

Mit einem flauen Gefühl reisen wir tags darauf aus den Neuseeländischen Alpen ab. Auch am schönsten Ende der Welt ist die Welt bedroht. Der Weg führt uns über 370 km Landstraße bis an den nördlichsten Punkt der Westküste in Karamea. Mein Rücken jodelt bei jedem Schlagloch. Beim Kiten auf Lake Wanaka hab ich offensichtlich das Brett bei einem Sprung deutlich zu fesch Richtung Kamera gedreht – und mir dabei sehr böse einen Nerv eingeklemmt.

Erst am späten Nachmittag kommen wir am unendlich weiten weissen Sandstrand von Karamea an. Schilder warnen vor starken Strömungen, mein Rücken ist genauso hinüber wie der Wind. Wir schlafen heute auf einem sehr abgelegenen Bauernhof. Der Farmer ist genauso nett wie die Betten Hängematten. Das und die 320 km zum Abel Tasman National Park am nächsten Tag basteln erst mal eine Zwangspause.



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