Eastcoast, baby!

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2013
Mo
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Tag
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Ab Wellington fahren wir jeden Tag mehrere hundert Kilometer. Auch Landstraßen sind in Neuseelands etwas anders: wenn dich keine Kurve bremst, hebst du garantiert an der nächsten Bodenwelle ab. Teil eins des Trips geht bis ins Art Deco von Napier. Nach fünf Stunden Fahrt bläst der Wind noch etwas über derben Shorebreak, daher muss die Architektur warten.

Am Abend spielt der Rest der Bee Gees im nahgelegenen Stadion – vermutlich auch „Staying alive“. Um Mitternacht schwanken jedenfalls die greisen Fans besoffen in den Dorm. Eine Oma schüttet erst Wein über mich, dann schnarcht sie die ganze Nacht unterbrochen von besorgniserregend langen Atemaussetzern. Die letzten zwei Dormbetten Napiers bringen uns auch kaum Schlaf.

Am nächsten Tag fahren wir weitere 350 km Landstraße nach Norden. Das East Cape ist das Armenhaus Neuseelands. Die Hälfte aller Shops in Gisborne steht zum Verkauf. Bei den Häusern ist es etwa ein Viertel. Sogar der Wind ist einsam. Kaum hab ich den Kite am Stadtstrand aufgebaut, verlassen ihn alle drei Kiter mangels Stärke.

Wir fahren weiter bis in die abgelegene Anaura Bay und campen direkt am Meer. Die Saison ist vorbei. Wir sind das zweite Zelt auf dem großen Platz. Das andere Zelt bewohnt ein lustiges Kiwi-Ehepaar aus der Bay of Plenty. Stu is Neuseeländischer Rum-Destillations-Meister. Nach einigen Kostproben glaube ich ihm das gerne, rate ihm aber seinen Heimatort aus Te Puke wegzuverlagern. Der bayerische Hausbrau-Champion stammt eben auch nicht aus Kotzhausen. Der Sonnenuntergang brennt die Bäume von den Satteln der Berge hinter dem Meer.

Tokamaru ist die erste Bucht nach der Abfahrt am nächsten Morgen. Der Wind passt, ich geh für einen kurzen Ritt raus. Ein einsamer Maori-Krieger schaut mit seiner Mutter vom Strand aus zu. Kurze Zeit später ist der Wind weg. In seinen 40 Jahren sei ich der erste Kiter hier gewesen. Und noch eine Jungfrau. „Hast Du fein gemacht“ meint die Meinige und gibt mir einen Kuss auf die Backe. Für die richtigen Dinge korrekt belohnt werden: unbezahlbar!

Der östlichste Leuchtturm der Welt ist nur Definitionsache. Die Schönheit des Weges ans East Cape keinesfalls. Schilder bitten um Anruf bei Sichtung freilaufender Pferde und Rinder. Wegen eingesperrten anzurufen wäre aber deutlich weniger Arbeit. Starke Böen hacken mit bis zu 70 km/h offshore über den letzten Zipfel Neuseelands. An Kiten ist nicht zu denken. Das nächste Rettungsboot ist 25 km weg, der nächste Handy-Empfang deutlich weiter.

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