Der Hatsch @ Routeburn Track

0102
2013
Fr
23:18
Tag
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Was den Muslimen der Hadsch nach Mekka ist, ist den Wandervögeln der Hatsch auf einem der zehn Great Walks Neuseelands. Die Begeisterung mancher Reisender nimmt teilweise religiöse Züge an: leuchtende Augen, katatonisches Sabbern oder Sex mit fünf Tagen lang getragenen Wandersocken.

Heute sind wir auf dem Routeburn Track unterwegs, einem der Zehn Great Walks Neuseelands. Der Routeburn Track ist nur 32 km lang, überwindet aber einen sehr langen Gebirgszug. Mit dem Auto fährt man vom einen an das andere Ende des Routeburn Tracks über 350 km. Der Bus kostet knapp 200 $, das Stoppen dauert wenigstens eineinhalb Tage, und doppelt hatschen wollen wir auch nicht.

Wir entscheiden uns daher für einen Mega-Hatsch auf dem Routeburn Track, so einen Hatsch, nach dessen Absolvierung man garantiert zumindest in den Beinen religiöse Gefühle entwickelt. In den letzten drei Wochen war ich an den vermutlich fünf schönsten möglichen Kitespots der Welt, aber Wind gab es nirgends. Das frustet schwer, wenn einem Tricks nichts, aber Panoramakiten alles bedeutet. Ich werde mich auf den Routeburn-Hatsch begeben, um die Windgötter milde zu stimmen.

Wir beginnen den Routeburn Track ab Glenorchy, der letzten kleinen Siedlung vor der Wildnis, am nördlichen Ende des türkis in der Sonne leuchtenden Lake Wakatipu gelegen. Nach 20 km Schotterpiste kommen wir eine lange Staubwolke hinter uns herziehend am Einstieg an. Der Routeburn Track führt zunächst leicht bergauf durch dichten Wald. Dabei kreuzen einige Hängebrücken türkises Wildwasser bis auf die erste Hochebene. Die erste DOC Hütte lassen wir liegen.

Der Pfad wird steiler und geht an einigen senkrechten Felswänden entlang weitere gute zwei Stunden hinauf bis zu den Routeburn Falls Hut des DOC. 48 Plätze im Matratzenlager zu je stolzen 54 $ pro Nacht finanzieren dem DOC die Hälfte dessen jährlichen Kriegskosten gegen die Opossums und Dydimo. Wir dampfen den weiteren Weg in die hochalpinen Regionen mit guter Geschwindigkeit ein, und erklimmen das letzte Hochtal. Schwarze Bergriesen, Tussockgras, Wasserfälle und Wind. Hier oben werden wenigstens 75% aller Wanderer vom Regen eingenässt. Für uns scheint seit Tagen nur die Sonne.

Die Baumgrenze in den Neuseeländschen Alpen liegt aufgrund des rauhen Klimas bei gerade mal 1.000 Metern. Wir wandern weiter bis auf den höchsten Punkt des Routeburn Tracks. Mein rechter Oberschenkel haucht ein leises „Halleluja“. Der Harris Saddle liegt auf 1.400 m über dem gleichnamigen See, in dem sich die schneebedeckten Berggipfel spiegeln. Wir steigen noch runter auf die andere Seite zur Harris Shelter Hut, und sehen den Eingang zum Fjordland. Mit dem Auto hätte dieser Ausblick leicht sechs Stunden gedauert. Kein Tagestrip auf dem Routeburn Track geht weiter. Die meisten Wanderer machen schon drei Stunden weiter unten in der Routeburn Falls Hut den ersten Tagesstopp.

Der Rückweg geht anfangs noch leicht von statten. Ab dem letzten Hochtal zieht er sich jedoch ins Unendliche. Unsere Beine werden Gebete stammelnde Kaugummis. Der Plan mit der Religiosität geht auf jeden Fall auf. Unten angekommen haben wir nach guten neun Stunden Wanderzeit 25 km und 1.500 Höhenmeter geschafft. Das sind mehr als dreiviertel des gesamten Routeburn Tracks, offiziell mit drei bis vier Tagen ausgeschrieben. Windgötter! Bei Fuss! Hatsch 276. Mein Teil ist erfüllt.

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Ein Kommentar

  • mom schreibt am Samstag, 2.2.2013 um 18:37 Uhr:

    Spitzen Fotos. Wünsch Dir Wind zum kiten, mom

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