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Coromandel

Der erste Stop auf Coromandel ist ein Reinfall. Eigentlich sollte die Tour durch die Waihi Goldmine gratis sein. Aber das Angebot wurde vor fünf Jahren eingestellt. Um jedoch zu hören, wie unschädlich Quecksilber für die lokalen Biotope ist, sind wir nicht bereit auf einmal doppelt 28 $ zu löhnen und fahren zur „historic gold mining site“ von Waitekauri.

Das Wort „historic“ ist in Neuseeland ca. dreieinhalb mal so trendy wie bei uns „bio“ anno 1992. Wenn hier ein Furz länger als zehn  Sekunden stinkt, nennt man ihn „historic“. Unsere Goldmine stammt doch glatt aus 1987, wie wir nach 20 km Anfahrt beeindruckt lesen. Die zwei verbleibenden Stahlbeton-Fundamente auf einer abgelegenen Kuhweide zählen wir definitiv zu den erleuchtenden historischen Highlights dieser Reise.

Unser Hostel in Opoutere dagegen ist wirklich „historic“. Es stand einmal an der „Lucky at last“ Goldmine ein paar Kilometer südlich am Berg. Der Name war anscheinend nicht so passend. Die Mine machte dicht, und Ochsen zogen das Haus in einem Stück den langen Weg bis nach Opoutere, wo es ab 1909 als Schule diente. Heute schlafen wir Backpacker darin. Nach einem „historic Scotch filet steak“ sehr tief, lang und gut.

Für den Hot Water Beach fahren wir extra 100 km nach Norden, nur um dann festzustellen, dass das Wasser trotz perfekt abgetimeter Tide bestenfalls lauwarm, aber auf jeden Fall Kloake ist. Versteht mich bitte nicht falsch: Die „alles muss desinfiziert werden“ Werbung von Sagrotan verdient einfach nur zwei Dicke Watschen links und rechts. Aber wenn 25 m² Strand am Tag von wenigstens 500 Touristen umgebuddelt und mit der Poritze besetzt werden, dann ist die Grenze des „mein Immunsystem braucht Aufgaben“ überschritten.

Unser letzter Tag in der Wildnis führt Tutukaka nochmal über satte 100 km Schotterpiste bis an die einsame nördliche Spitze der Coromandel Halbinsel. Die gestrige prophylaktische Innenraumsäuberung in Hoffnung einer durch den Vermieter zu erteilenden Absolution angesichts unserer rücksichtsvoll gewählten Wege wird damit erstmal vollkommen hinfällig. Wir sind wieder Dreck und Staub, aussen und innen, ein letztes Mal.

Die Jackson Bay empfängt uns mit für mich unkitebaren Sturmböen. Unser bescheidenes Zweiachser-Zelt bleibt nur Dank luvseitiger Abspannung der Apsiden nach oben gen Baum und Auto stehen. Das Meer kocht, manchmal fliegt es auch. Der Sand strahlt mit Mitte 30 Knoten bei Spitzen über 40 um die Beine. Auf dem Hügel am Ende der Bucht hebt Uli beinahe ab. Sogar der Wasserhahn am Barbecue lässt das Wasser nur schräg nach unten. Unsere riesigen Green Lip Mussels brauchen ewig, bis sie durch sind. Volle Weinbecher werden zum Sonnenuntergang vom Tisch geblasen.



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