Autowäsche, Northland & Surferparty

1312
2012
Do
21:28
Tag
2015
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Ich bin oft offroad gefahren. Gerade in Neuseeland mit seinen ca. 40 % Schotterpisten-Anteil ist es oft unumgänglich. Auch auf Sand ist man laut Mietwagenvertrag nicht versichert. Kitelehrer Leslie meinte am Vortag noch, die Gezeiten würden ein Befahren des 90 Mile Beach zwischen 8 und 18 Uhr erlauben. Wir packen unser Camp ein und fahren um 10 Uhr los.

Die Flut steht recht hoch, der Strand ist nur noch 20 m breit. Dass diese 20 m auch schon komplett mit Wasser vollgesaugt sind, merke ich leider erst, als wir feststecken. Wir steigen aus und erkennen gleich an den 20 cm tief im sehr matschigen Sand eingesunkenen Reifen, dass da erst mal nicht an Weiterkommen zu denken ist. Heute gelernt: Trau niemals einem Kitelehrer mit den Gezeiten!

Ich bin auch in extremen Situation meist recht nüchtern und ruhig. Als uns jedoch direkt nach dem Aussteigen die erste Welle der wilden Tasman-See 30 cm hoch um die Füsse spült und ins offene Auto spritzt, muss ich einen relativ drastischen Containance-Verlust verzeichnen. Ich fang einfach an zu schreien. Panisch laden wir unser Auto aus. Jede weitere Welle gräbt die Räder tiefer ein.

Steigt die Flut noch? Ist unser Nissan Pulsar auch als Amphibien-Fahrzeug zugelassen? Hat es einen Freischwimmer-Schein absolviert oder wenigstens salzwasserresistente Inneneinrichtung? Fragen über Fragen. Die höchste Flutlinie ist deutlich sichtbar, einen knappen Meter über unserem Auto. Mein Handy hat keinen Empfang, mit Ulis setze ich einen panischen Notruf an Leslies Mailbox ab. Dann setzte auch noch Regen ein, daher gibt’s von den besten Wellen keine Bilder. Alles was wir tun können, ist ruhig auf unserem unter der Zeltplane eingewickeltem Gepäck sitzen und beten: „The tide is high but I’m holding on…“

Es hilft. Wir haben wirklich den Hochpunkt der Flut überstanden! Nach einer guten Stunde kommt ein Kiwi mit Jeep vorbei. Auto ausgraben und zu fünft anschieben reicht für die letzten Meter auf trockenen Grund. Nach einem zweiten Früchstück und etlichen Tassen beruhigendem Tee haben wir erst mal genug vom Abenteuer. Die restlichen 45 km nach Cape Reinga im Norden werden wir doch nicht am Strand fahren. Auf dem Weg zur nächsten Abfahrt vom 90 Mile Beach graben wir uns noch einige Male ein und aus, schieben und hoffen. Danach erscheint und die Zivilisation und ganz besonders asphaltierte Straßen gar nicht mehr so sinnlos.

Das Lenkrad vibriert sehr stark. Eine Autowäsche – diesmal mit konventionellem Süsswasser – entfernt einige Kilo Sand aus jedem Rad. Danach können wir wieder geradeaus nach Norden weiterfahren. Die letzten Kilometer nach Cape Reinga sind jetzt asphaltiert. Fein. An den gigantischen Sanddünen von Te Puki hackt der Wind. Nochmal ein Sandboard mieten wäre super, aber der fette vermietende Maori faselt was von einer „no share policy“, also sparen wir uns den Gegenwert von zwei Tagen Mietwagen für ein paar Minuten auf drei Plastikbrettern.

Der Wind hat auf Ost gedreht. Also checken wir auf der Rückfahrt noch schnell die Ostseite von Far North in Hendersons Bay. Wieder: unendliche Weiten, große Wellen, starker Wind. Doch leider auch nicht mehr genug Zeit für eine zweite Kite-Session. Leslie hat uns auf seine Surferparty in Ahipari eingeladen. Wir laufen ein und sind sofort mitten drin: Surfer aus der ganzen Welt, massig Alkohol und ein waschechter Pizza-Holzofen. Leslie zaubert daraus die beste Pizza, die ich je gegessen habe.

Schweizer beschweren sich darüber, dass das Essen selbst im Supermarkt deutlich teurer sei als daheim. Dänen ergänzen die Analyse um den Punkt Alkohol. Nur ein paar deutsche Siemensianer mit Toyota Hilux schütten sich weiter munter lärmend zu. Die Party wird lang und laut. Ich wundere mich über die Toleranz der Nachbarn. Diese Feiern finden hier jede Woche statt. Leslies Antwort auf meine Frage: „We feed them.“ Mit seinem Haus-Oppossum im Baum neben unserem Campingplatz geht er weniger zimperlich um. Einzig der Alkoholkonsum des Schützen rettete es am Vortag vor der Harpune.

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