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MTB-Tour auf den Schauinsland

Die Tage zwischen den Spielen vergehen. Es gibt viel zu tun. Dazwischen Vorbereitung auf die große MTB-Tour auf den Schauinsland. Freiburg muss man per Rad kennenlernen. Radfahrer sind dort wichtiger als Autos.

Eine typische Freiburger Straße geht so: 2,5m Rad & Auto-Weg – Straßenbahnstreifen begrünt – 2,5m Rad & Auto-Weg. Zone 20. Wer als Autofahrer überholen will, kann das nur auf Kosten eines Ritterturniers gegen einen Triebwagen.

Wir fahren durch Parks und den Zoo. Freiburg hasst Autos und liebt Tiere. Auch eingesperrte. Deswegen kostet der Zoo nix. Parkgebühren mit dem Auto sind fünf Euro, und echte Tierschützer können für jedes bestimmte Gehege was springen lassen. Zum Glück ist das nicht direkt verbunden mit Werbung wie beim Fußball. Sonst gäb's im Freiburger Zoo vermutlich sowas wie die Allianz-Arena, aber mit der Beschriftung "Haribo-Bärgehege".

In den Weinbergen vor dem Tuniberg verirren wir uns auf einer MTB-Tour zum Kasierstuhl. Freiburger Radfahrer können nur Radwegen folgen, daran sind sie gewohnt. Fehlen rote Streifen gehen sie verloren und fahren sich Löcher in die Reifen. Nach der dritten Walddurchquerung und gefahrenen 40km für eine Luftstrecke von vielleicht 10 kehren wir um. Am Berg gibt's einen Auffahrunfall. Freiburger Autofahrer bremsen auch außerhalb der Stadt für Radfahrer – zur Not auch stärker als der Hintermann.

Noch nie bin ich wirklich Moutain-Bike gefahren. Wenn man das mit dem Berg wörtlich nimmt. Große Hügel gab's viele, aber noch nie einen Berg. Wir fahren von Freiburg aus mit dem Mountainbike auf den Schauinsland. Die Tour beginnt praktisch mitten in Freiburg. Fünf Meter hinter Freiburg beginnt der Schwarzwald. Die Schotterpiste führt leicht steigend 8km von 255 auf ca. 800 Höhenmeter. Sobald der Weg abfällt, geht's links den Berghang senkrecht rauf bis zu einem Grat.

Ein Hütte steht in der Sonne. Darin eine leere Absolut Vodka-Flasche und ein paar alte Klamotten. Eine aus einem Baumstamm gesägte Liege flackt in der Wiese. Ein Läufer kommt vorbei. Der Trail geht jetzt mit vielen Wurzeln und kleinen Felsen flankiert von Brennnesseln und Brombeeren am Grat entlang bergauf.

Die Abfahrt ins Kleine Tal geht steil über Schotter. Am Ende des Hochtals befindet sich der Ausgang eines Bergbau-Stollens. Kühle Luft bläst heraus. Die letzten fünf Kilometer auf den Schauinsland sind hart. Nach 500 Höhenmeter motzen die Oberschenkel erstmals. Nach 800 jaulen sie. Die letzten 30 Höhenmeter nach 14km Non-Stop Anstieg wollen Sie nur noch gehen.

Wenn man erst mal 1000 Meter mit dem Moutain-Bike nach oben gefahren ist, zählt jeder Meter Downhill doppelt. Mindestens. Alles geht in Zeitlupe. Die Sonne und der Schatten wechseln sich ruhig durch die Tannen am Wiesenrand ab. Das Federbein dehnt und streckt sich. Die Stollen grollen auf grobem Kies.

Wir verfahren uns trotz guter Karten. Kommen noch weiter südlich raus, als geplant. Der Rückweg führt über Krumlinden, Münster und Stauffen zurück. Nach ca. 1200 Höhenmetern geht kaum noch was. die letzten 300 Höhenmeter über Bollschweil und Au zurück nach Freiburg ähneln einem Kreuzzug.

Auf der Straße liegt ein Müllsack mit dem Aufkleber "bitte sauber sortieren". Die Müllentsorgung ist ein großes Problem in Freiburg. Nirgends auf der Welt ist Müllentsorgung teurer. Daher übt man sich in Tonnenbeschränkung: In die Restmülltonne hängt man ein 20-Liter-Plastikschälchen, schwupps schon kostet die Tonne nur noch ein Fünftel. Die Einsparung geht dummerweise für die Sicherung der eigenen Tonne mit einem Sicherheitsschloss drauf. Wo man anderswo anderen eine Grube gräbt, schmeisst man in Freiburg einfach 20kg Giftmüll in die Tonne des Nachbarn.



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