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Tulum & Cobá

Meine Panamericana-Reise neigt sich dem Ende zu. Mit Sicilia-Roomie Carmela geht es von Belize aus 10 Stunden weiter nach Tulum. Die Mexikanische Südgrenze ist wenigstens so ehrfurchtgebietend wie die der USA. Yucatan ist das Mallorca Mexicos: die zweispurigen Highways haben keine Schlaglöcher. Trucks und Supermarktketten sind Amerikanisch. Zu Ostern gibt es hier mehr Touristen als Einwohner.

Die Vermarktung der Mayakultur übersteigt bei weitem die Verbullhornung von Volksmusik im Musikantenstadel. Alles ist hier Maya: Bier, Shops, Touren, Hotels, sogar Kondome. Nach der Conquista packte die Mayas anscheinend das Reisefieber. Sie wanderten in aller Herren Länder aus. Daher kommt heute Maya-Kleidung aus Bangladesch, Maya-Steingut aus Indien und Maya-Hängematten aus China.

Tulum ist extrem zweigeteilt: im Zentrum sind die günstigen Unterkünfte, Bars und Restaurants. An der vier Kilometer entfernten Strandpromenade verkehrt der internationale Jetset. Mit der besten Wikingerin Cecilia gönnen wir uns ein paar Luxus-Treats und hauen dort im Casa Banana mal schnell jeder 70 € für göttliche Steaks und gute Drinks auf den Kopf.

Das benachbarte Gitano fungiert als Zentrale der reichen mittelamerikanischen Schönheiten. Zu leisen Sounds internationaler DJs langweilen sie sich müde wippend zu Tode. Ich wache bei meinen zwei Besuchen dort dreimal auf: 12 € für Cola-Rum als billigster Mixdrink sind ein guter Wecker.

Im Zentrum Tulums spielen in der Semana Santa an jedem Tag gute Bands in einer der Bars auf. Wir geben noch ein letztes Mal ordentlich Gas, aber die Luft ist ziemlich raus. Ich habe auf keiner Reise jemals derart viel, lang, oft und heftig gefeiert. Allerdings auch nie zuvor so viele goldene Menschen kennenlernen dürfen, und dafür bin ich euch allen sehr dankbar!

Der Wind ist eine ganze Woche lang recht müde in Tulum. Einmal gehe ich eine gute halbe Stunde bei 15 Knoten durch nette Wellen vor dem Papaya Playa Project raus. Aber ständiges Höhekurbeln vor leeseitig teils felsiger Küstenlinie in sideon-Brisen ist einfach nicht mein Ding.

Wir geben uns stattdessen etwas Kultur und Natur. Yucatans Untergrund besteht vielerorts aus Karstgestein. Das kristallklare Wasser der dortigen Cenotes lädt zum tauchen, schnorcheln und schwimmen nebst deutlicher monetärer Erleichterung ein.

Die Mayasiedlung am Strand von Tulum enttäuscht uns eher. Daher reisen wir noch eine Stunde nach Cobá, einem der wichtigsten Zentren der Mayas zwischen dem ersten und dem 14. Jahrhundert. Bis zu 55.000 Mayas schufen über Jahrhunderte eines der bedeutendsten kulturellen Zentren Mittelamerikas. Gerade mal fünf Prozent der einstmals bis zu 80 km² großen Stadt sind heute freigelegt. Der Rest schläft im Dschungel unter der besteigbaren höchsten Pyramide Mittelamerikas.

Voller guter Bilder machen wir uns auf den Heimweg. Der bereits bezahlte ADO Bus kommt nicht, aber Autostop geht mit Frauen immer einfacher als ohne. Ein Mexikanische Familie nimmt uns in einer Klapperkiste mit nach Tulum.

An unserem letzten gemeinsamen Tag schrecke ich einmal mitten in der Nacht kurz auf: „Hey, wir wollten doch heute auf die größte Osterparty Tulums schauen!“. Ich bin müde, die Party ruft, aber mein Tinnitus ist stärker. Carmela hat wohl einfach recht: „The Parties are over.“. We’ll meet again, my friends, don’t know where, don’t know when…



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