Di
23:37
Tag
1439
2273 views

Gorges du Dadès

Harter Tag, wieder eine weite Strecke. Erster Stopp: Agdz. Eine große Gruppe junger Marokkaner demonstriert lautstark gegen die Lebensmittelverteuerung. Nachdem die armen Amis keine Lust mehr haben, in Edelmetalle, Gold und Uran zu spekulieren, versauen sie jetzt auch noch den ärmsten der Armen das Leben mit ihrer Gier. Ich hoffe, es wird eines Tages zurückschlagen.

Auf dem Weg nach Ouarzazate gibt es einen Wasserfall. Das Schild zu den Cacades de Tizguin finde ich schnell, die Piste ist grober Schotter durch vulkanischen Fels. Dann geht es durch große Löcher und gröberen Schotter. Einige tiefe Überspülungen, mit 30% abfallende enge Serpentinen in ein enges Tal. Unten bin ich zum ersten Mal seit langem soweit, mir einzugestehen, daß das vielleicht zu viel war.

Das Wasser in Marokko ist wie der Wind. Wenn ich’s suche (Wasserfälle) ist es weg, wenn ich’s nicht brauche (Wüste) ist es da. Ich fahre die 10km lange Piste zurück. Meine Befürchtung war korrekt. Die steilste Stelle schaffe ich erst nach dreimaligem Anlauf, davor drehen die Reifen durch.

150 Kilometer weiter komme ich ins Tal des Dadés. Das gesamte untere Tal riecht auch 50 Kilometer pausenlos und sehr stark nach Rosen, die hier überall angebaut und destilliert werden. Das obere Tal ab Boumalne ist der Wahnsinn. Erst ein weites Tal mit großen Feldern und grünen Bäumen. Die Felsen sind roter als irgendwoanders, die Bäume grüner. Ein Traum für rotgrün-Blinde. Alte Kasbahs verfallen auf Felsspitzen oder wurden aufwändig in Hotels umgebaut. Alle 100 Meter ein Hotel, 30 Kilometer lang.

In der Mitte des Tals fließt der Dades. Bauern arbeiten auf den Feldern, Kinder spielen auf den Straßen. Bei jedem noch so kurzen Photo-Stop bin ich sofort von Scharen umgeben. Sie sind hier bescheidener. Normalerweise ist die Untergrenze beim Betteln in Marokko 10 Dirham, ungefähr ein Euro. Hier wollen sie Stifte, Bonbons und vereinzelt einen Dirham. Ich hab nix mehr herzugeben. Sie sind trotzdem freundlich und laufen winkend dem Auto nach. Die Menschen sind hier anders.

Das Tal ist das schönste, das ich je gesehen habe. Ich komme erst um vier Uhr in Boumalne an, und weiss noch nicht, wo ich schlafen werde. Die Gorges du Dadés sind ca. 70 Kilometer lang. Ich fahre bis zum Ende. Obstgärten. Getreide. Dorfschule. Storchennester auf den Minaretten der Moscheen. Glasklares Wasser, 400 Meter Hohe senkrechte Wände, dann wieder sonnige Hochtäler. Irre Felsformationen in Schichten und komischen Kugelformen. Schaut aus wie der Steinbeisser aus der unendlichen Geschichte. Die immernoch abwesende Sonne versaut die Farben, aber selbst das was noch durchkommt ist heftig.

Tiefe Schluchten, senkrechte Wände. Stromschnellen, überspülte Straßenteile. Felssturz, Radelfahrer, Seitental, Sonnenblumen. Brücke. Ende der geteerten Straße. Weitere 50 Kilometer oben im Tal findet alljährlich ein großer Heiratsmarkt statt, zu dem alle zu Fuss durch das Tal des Dades wandern. Wieder einmal viel zu wenig Zeit hier. Wandern müsste man. Für heute habe ich genug Schotterpisten. Ausserdem ist der Tank fast leer, die letzte Station war vor 60 Kilometern.

Ich kehre um und nehm das beste Zimmer im Hotel Tamlalte bei den lustigen Kugelfelsen. Der Portier gibt mir einen guten Preis und erklärt, dass niemand weiss, wie genau diese Formen entstanden. Aber es gibt sie weltweit nur einmal: hier. Die Sonne bricht kurz durch. Mein Zimmer hat Mords Panorama, talabwärts zu den jetzt rot im Sonnenuntergang glühenden runden Felsen. Das ganze Zimmer leuchtet rot. Der Arches National Park liegt heute in Marokko. Das Essen ist wie die Farben im Tal des Dadés: Der Geschmack leuchtet in den heftigsten Richtungen. Ich frage welche Gewürze drin sind. Salz, Pfeffer, roter Safran. Sonst nichts.



Bewerte diesen Beitrag auf blog.ff-webdesigner.de!

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne Bisher keine Bewertungen
Loading...

Du hast was zu sagen? Dann schreib!

DSCF4043
DSCF4048
DSCF4055
DSCF4062
DSCF4066
DSCF4083
DSCF4086
DSCF4093
DSCF4098
DSCF4103
DSCF4110