Eine Woche Flaute

1305
2011
Fr
21:21
Tag
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Für Kiter ist nichts schlimmer als Flaute. Alle werden miesmutig, manche kriegen Krätze. Eine zu bemitleidende radikale Splittergruppe schlägt Wellenreitern die Schädel ein. Ich bastel Pläne, in die Sahara zu fahren. 750km oneway, Autos gibt’s grad nur von lokalen Vermietern und teuer. Nach einer abgebrochenen Kofferraumklappe bei meinem letzten Aufenthalt vor 15 Jahren ist mein Vertrauen allerdings etwas angekratzt.

Ich fühl mich wie in einem Buch von Garcia Marquez. Welches genau hab ich vergessen. Es ist heiss und schwül. Bei den allabendlichen Gelagen in der Piratenhöhle beschlagen meine Brillengläser, wenn’s draußen regnet. Mein sechser-Hamsterkäfig wurde umgebaut zur Käfighaltung, bin jetzt alleine drin. Ich warte arbeitend auf den hoffentlich in sechs Tagen ankommenden Höllenwind.

Die Reisenden sind bunt und schnell. Kaum einer bleibt länger als zwei Tage an diesem Ort. Und die, die doch eine Woche überleben, tun das nur ob oder trotz exzessivem Alkoholkonsum. Verzeihlich ab der ungefähr 253. Wiederholung eines schlechten Bob Marley Songs am Tag. Der einzig wirklich krasse Reisende war ein vermeintlich schwuler Musiker aus Californien – mit seinen blauen Brillengläsern ist er nachgewiesenerweise der erste Musiker seit 235 n Chr, der hier nüchtern Musik geschrieben hat.

Die Schnitzer schnitzen in der Schnitzergasse. Die Kordeldreher drehen Kordeln in der Kordeldrehergasse. Die Bäcker backen, Schneider schneidern, Schuhmacher hämmern. Die Gewürze duften und die Kloake stinkt. Am Strand messe ich 5,5 Knoten. Ich wusste bisher noch nicht mal, dass mein Windmesser auch Nachkommastellen beherrscht.

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