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Santa Maria!

Im Morgengrauen über den nie fertiggebauten armen Häusern von Santa Maria kriecht ein toter Hund mit eingezogenem Schwanz vor mir über die gepflasterte Straße. Irgendwo spielt Ennio Morricone. Ein im Staub wehender Präriebusch ist das einzige, was zum perfekten Tombstone-Feeling fehlte.

Sal ist anfang Oktober eine Geisterstadt. Die Windstatistik gibt für Oktober 68% Gleitwind, aber der erreicht leider erst mal eine ganze Woche lang kein einziges Mal die für meine Gewichtsklasse benötigten wenigsten 15 Knoten. Die am Stadtrand gelegenen Luxushotels sind nur ein Viertel belegt. Am Strand trainieren Einheimische in den ersten Sonnenstrahlen. Ich versteh die vielen blonden Euro-Weibchen mit ihren Schokostückchen. Fischer sitzen halb schlafend am Kai.

Ich arbeite Unmengen. Abends schlendere ich durch die im Stromausfall oft dunklen Gassen und amüsiere mich köstlich über die geführten Terrouristengruppen, die sich aus den nahen Luxusresorts noch nicht mal hierher alleine trauen.

Ja, es gibt gefährliche Flecken und Raubüberfälle auf den Kapverden. Aber nicht hier. Im Überholen ruf ich dem Gruppenletzten ein gar nicht so aggressives „Oi!“ zu. Er springt tatsächlich etwas zur Seite. Mission accomplished.

Mein Vater machte mich auf der Weltreise mal ziemlich zur Sau ob meiner verklärten Reise-Sichtweisen: „Diese Menschen haben sich ihren Urlaub redlich verdient! Du hast kein Recht, sie ob ihres Verhaltens dermassen durch den Schmutz zu ziehen!“

Nach meiner Weltreise lud ich ihn für alle Sachen, die er während meiner Abwesenheit für mich geregelt hatte nach Ägypten ein. Dicke Terrortouris tanzten zu übel lautem Eurotechno Mojito-schaukelnd Macarena im türkisblauen roten Meer. Ich weiss echt nicht mehr genau, was er damals dazu sagte. Aber es beeindruckte mich schwer. Wäre sicher der bissigste Blogbeitrag seit der Erfindung der Maultrommel geworden.

Sal ist klein und staubig. Hier wächst rein gar nichts, alles wird importiert. Manch einer mag es trostlos nennen. Selbst mir fällt es oft schwer, seine Schönheit zu erkennen.

Wenn ich nicht grade mal seiner Wellen-Heiligkeit Mitu Monteiro am Strand begegne, ist normalerweise ein Betrunkener, der gegenüber zu einer stark verstimmten Gitarre traurigen Fado singt, das Highlight meines Tages zum frühen Einschlafen. Es sei denn, die verrückte Holländische Oma vom Zimmer gegenüber versucht mir wieder eine der ansatzweise legendären Konversation über die Unmöglichkeit reinzudrücken, ihre Reizwäsche zur Reinigung zu geben. Das toppt dann in der Regel den betrunkenen Sänger. Vor allem dann, wenn sie mir mal wieder versichert, dass sie nie, aber auch wirklich NIE auf einem ihrer Meskalin- oder LSD-Trips in den Höhlen Gran Canarias hängengeblieben wäre. Santa Maria!



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