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Der Sound der Kapverden

Die Flugzeugtür öffnet sich. Eine Böe heisser Wüstenwind stürmt herein. Die Palmen rascheln vor dem Terminal, der fast schon die Größe einer Tankstelle erreicht. Ein Wasserhahn tropft lange leise neben der Visumsvergabe. Der Beamte hat alle Zeit der Welt. Ein offener Pickup fährt mich quietschend über die holprigen Straßen nach Sal Rei. Der Fahrtwind schreit.
 
Sal Rei ist ein kleines Dorf mit 2000 Einwohnern. Meine Pension liegt mitten im Ort. Es sieht aus wie klein Hurghada: ein bisschen altes Zentrum, und drumherum massig leerstehende oder nicht zuende gebaute Appartment-Burgen. Alles andere als schön. Der einzige Arbeitgeber auf Boa Vista ist die Bauindustrie. Die boomt. Wer nicht am Bau arbeitet, sitzt in der Sonne.
 
Ich lege mich hin, schließe die Augen und höre dem Dorf beim leben zu. Der Sound ist schön. Fussballspielende Kinder auf den Straßen. Weit entfernt müht sich ein viel zu kleine Presslufthammer an einer viel zu dicken Betonplatte ab. Der Ventilator an der Decke klappert leise und wackelt bedrohlich über meinem Kopf. Die Menschen sprechen ein eigenartiges aber sehr schön klingendes Portugiesisch. Sie lachen laut und oft.
 
Abends suche ich ein Ristorante. Das ist schwer. Es gibt nur eine Handvoll, gut versteckt. Am Ende des Dorfes pfeift der Wind durch ein dahinrostendes Baggerskelett. Das Dorf lebt, ganz klein und mitten auf der Straße. Die Läden sind versteckt hinter kleine Haustüren. Neben der Pension ist ein Kindergarten und der lokale Capoeira-Club. Mein Ipod ist sowas von überflüssig, und irgendein Reiseführer meinte man solle doch Ohrstöpsel ob dem Lärm mitnehmen. So ein Schwachsinn. Zum Singen und Trommeln der Dorfkinder schlafe ich ein.


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