Totes Meer / Masada / Wadi David

1607
2017
So
20:00
Tag
3691
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Am frühen Morgen führt die Fahrt vom See Genezareth immer im anfangs grünen Jordan Tal entlang nach Süden. Nach 50 km überqueren wir die Grenze ins Westjordanland. Lang Zeit führt die Straße direkt an der Grenze zu Jordanien entlang. Nach zweieinhalb Stunden erreichen wir das erste Ziel. Die Bergfestung Masada liegt auf einem 400 m hohen Felsplateau am südlichen Ende des Toten Meeres.

Um 100 v. Chr. errichtet diente Masada zunächst dem unbeliebten König Herodes als Winterresidenz. Zum UNESCO Weltkulturerbe aber wurde Masada wegen dem großen Aufstand gegen die Römer ab dem Jahr 66. Die letzten 1000 Rebellen Judäas flohen nach der Zerstörung Jerusalems nach Masada. Die Römer belagerten die Bergfestung über mehrere Monate im Jahr 73.

Das Klima und die Umgebung machten das Leben auf der Bergfestung unendlich schwer. 40.000 m³ Zisternen wurden mit von Eseln heraufgebrachtem Wasser und über Kanäle mit Regenwasser befüllt. Es gab keinerlei Möglichkeiten für Landwirtschaft – alle Nahrung musste über große Entfernungen transportiert und  in großen Vorratskammern eingelagert werden.

Da die Festung aufgrund ihrer Lage über den steilen sich in Serpentinen windenden Fußpfad nicht einnehmbar war bauten die Römer eine gigantische Rampe auf der Westseite der Festung. Auf dieser errichteten sie einen 30m hohen Belagerungsturm mit Rammbock und brachen durch die Mauern. Sie fanden einen leere Festung vor. Bis auf drei Einwohner hatten sich alle lieber das Leben genommen, als unter Römischer Herrschaft weiterzuleben. Nach der Belagerung verfiel Masada in die Bedeutungslosigkeit.

Die Mauern, die man heute sieht sind zum größten Teil von der Archäologen wiederaufgebaut worden. Vermutlich versuchen sie damit die gesalzenen 20 € Eintritt zu rechtfertigen – heimischen Archäologen würden bei derartigen Rekonstruktionen sicher die Haare zu Berge stehen. Sonst gibt es noch ein paar Reste von Mosaiken, Wandmalereien, gute Aussicht und jede Menge geführte Terrouristen-Gruppen. Nicht mein Ding. Das interessanteste an Masada ist noch die Talstation der Gondel, die recht gelungen einige architektonische Elemente der Bergfestung neu interpretiert.

Mit dem guten Missionar Paul aus Südafrika fahren ich weiter nach Norden. Das Tote Meer inspiriert den Mietwagen zur Bekanntgabe kritischer Sicherheitsmängel über Warnleuchten. Kein guter Ort für solche Meldungen, die nächste Tanke ist locker 50 km weit weg. Israel ist sehr introvertiert. Gerade mal jedes vierte Restaurant in den Touristenhochburgen bietet eine Karte auf Englisch an. Auch die einzig auf hebräisch verfügbare Gebrauchsanweisung des Mietwagens bietet kolossalen Interpretationsspielraum. Ein alter Mann in einem Kibbuz gibt über sein Kehlkopfmikrophon Entwarnung: ist nur eine Reifen-Punktierung. Alle paar Stunden Luft nachfüllen sollte uns noch weit bringen.

Nächster Stop: Wadi David in der von Nähe von En Gedi am Toten Meer. Wie für jede noch so kleine natürlich Schönheit kassiert Israel auch hier wieder. Unter 7 € kann man praktisch keine als „schön“ geltende Wanderung unternehmen. Ein Bach läuft in einer engen Schlucht in den Ausläufern des Gebirges über zahlreiche Wasserfälle hinunter zum Toten Meer. Die Sonne knallt weiter bei guten 40° C. Vogelscharen zwitschern laut unter dem letzten großen Wasserfall. Der Frieden währt solange, bis eine große Gruppe junger Freiwilliger kommt. Die gibt es hier überall. Ihr Lebenszweck scheint darin zu bestehen, die schönsten Orte des Landes durch akustischen Terror freiwillig in die Knie zu zwingen. Zumindest bei mir geht die Rechnung jedes Mal auf.

Da auch das Tote Meer wohl als Wunder der Natur erachtet wird, verwundert es gar nicht, daß Israel wieder zuschlägt. 15 € für den Eintritt in ein Seebad sind uns zu viel. An den Ruinen eines alten Hotels aus den 30ern entlang schleichen wir uns ein paar Kilometer nach Norden und betreten das Tote Meer über einen Abhang umsonst. Manche Sachen erwartet man. Jeder weiss, dass man im Toten Meer schweben kann. Trotzdem ist das Gefühl überraschend: sogar wenn man Arm und Beine auf dem Rücken treibend anhebt, geht man nicht unter. Es ist vielmehr schwer, die Beine wieder auf den Boden zu bekommen.

30 % Salzgehalt im mit 1,2 kg pro Liter schwersten Wasser der Welt ätzen sofort alle kleinen Kratzer der letzten Wanderungen auf und brennen wie Feuer. Danach bluten sie, sind aber auch garantiert keimfrei. Der tiefste Punkt der Erde liegt 450 m unter dem Meeresspiegel. Der extreme Salzgehalt ist das Resultat eines Zuflusses ohne Abfluss in Kombination mit hoher Verdunstung und einem gegenüber dem Meeresspiegel um 5 % gesteigerten Luftdruck. Die gut 40° C fühlen sich schwer und feucht an wie 60° Sauna. Der Schweiß läuft. Ich schüttel die Hand trocken und wische einmal über die Augen. Schlechte Idee. Zumindest erschrecken meine Schreie bis zu Wasserflascher am Ufer keine Fische.

Auf dem Rückweg besuchen wir noch schnell das gleich ums Eck liegende Jericho. Ein großes Schild am Eingang warnt: „The Entrance For Israeli Citizens Is Forbidden, Dangerous To Your Lives And Is Against Israeli Law.“ Wir dürfen also rein? Die Straßen sind voller Müll. Autowracks und halb fertige Häuser stapeln sich daneben. In eine Bergwand oberhalb Jerichos krallt sich ein Orthodoxes Kloster. Die Palestinenser in Jericho empfangen uns super freundlich und helfen bei allen Bedürfnissen. Parkuhr? „2 Schekels an hour“. Zwei Falafel mit Brot und 6 Salaten, Joghurt und Trinken? „I show you, 50 Schekel“. Zigaretten und alles weitere sind genauso billig. Die Preise sind gegenüber dem gerade mal 80 km nördlich gelegenen Israel ein willkommener Witz zu einem Viertel der Kosten. Auf der Heimfahrt entpuppt sich ein vermeintlicher Tramper schlichtweg als hungrig. Missionar Paul gibt ihm all sein Essen, obwohl er selbst von der Hand im Mund lebt.

An der Grenze nach Israel stellt Mr. Supertramp fest, daß er sich für diese Reise vielleicht doch etwas zu wenig eingelesen hat. Das birgt Potential für Überraschungen. Ins Westjordanland und wieder raus erfordert einen Pass. Den hab ich in Tiberias liegengelassen. Dreimal wurden wir durchgewunken. Bei der letzten Einreise zurück nach Israel nicht. Ausweis und Führerschein, eine kurze Befragung („Where have you been? Are ou related? No, we’re brothers.“) und an den im Sonnenuntergang glühenden Bergflanken des Jordantals ab nach Hause. Langer geiler Tag…

Masada
Wadi David
Jericho
Schild an der Straße nach Jericho
Totes Meer
Wadi David
Wadi David
Wadi David
Masada
Masada


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Ein Kommentar

  • carin woelky schreibt am Dienstag, 18.7.2017 um 18:32 Uhr:

    Ich beneide Dich. Solche Erlebnisse sind einfach umwerfend. Allerdings wäre es mir zu heiß.
    Irre Fotos und eine Beschreibung, dass man meint, man ist dort.

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