Km 4.376: Los Piratas de Roatan!

2103
2015
Sa
21:15
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Der Einschlag auf der alten Pirateninsel Roatan ist mehr als heftig – und vermutlich genau so, wie ihn jeder Pirat seit hunderten von Jahren erlebte: eine kleine verschworene Gemeinschaft jenseits jeglichen Gesetzes gegen den Rest der Welt, und dazu ne Buddel Rum! Die Welt kommt heute freiwillig auf die Pirateninsel Roatan. Sie schnallt nur leider recht wenig, wieviel mehr sie jetzt Pirat denn Opfer ist. Einst nutzten die Englischen Piraten Roatan als Basis für ihre Überfälle auf die 50 km südlich gelegene Spanische Kronkolonie. Wir nutzen es heute als den letzten wilden Westen vor dem Sonnenaufgang. Die Hauptstadt Roatans lautet auf den Namen des B-Klasse-Piraten Coxen. Das „Hole“ dahinter ist die letzte Bastion gegen den Immobilienwahn. Blackbeard greift zu Gilette und räubert, was die Gringo-Gier auf einen Teil des Piraten-Paradieses nur so hergibt.

Ich habe Glück, lande mal wieder an einem guten Platz und gehe umgehend in Piraten-Ausbildung beim vielgereisten multilingualen Honduraner Jose. Er gibt mir viele heftige Geschichten und tiefe Einblicke in eine gespaltene Insel.

Die Piraten kamen sicher auch früher nicht an Land um einfach  einzuschlafen. Also breche ich mit den Freibeutern meines Hostels nach 16 Stunden on the road und einer schnellen Dusche umgehend in eine lange erste Nacht auf. Direkt darauf folgen zwei weitere. Anfangs leuchten die Nächte hell, später sehe ich Sterne am hellichten Tag.

In unserem Piraten-Hostel an der Sandy Bay kochen wir jeden Tag letzte Abendmahle und teilen gerecht die Schätze unserer Beutezüge durch ausschweifende Nächte. Die Goonies wären stolz auf uns gewesen. Außer am Wochenende schließen die Bars um 22:00 Uhr. Zu dieser Zeit brechen wir normalerweise gerade mal auf. Es gibt eine Woche lang nichts, was wir bis zum Morgengrauen vermissen, aber echte Piraten-Geschichten darf man nicht bloggen. Nur soviel: Wir schwingen uns von den Mästen gekaperter Yachten ins Wasser. Verlieren hier und da mal den Schlüssel zur eigenen Schatztruhe. Tauchen mit Haien und Mantas. Sogar die Polizei hält stets den korrekten Sicherheitsabstand zu unseren Strandfeuern ein.

Der Wind auf Roatan ist zunächst fünf Tage offline. Der einzige Kitespot liegt in der Camp Bay, 35 km über derbe Schotterpisten nach Westen. Es gibt keine Busse dorthin, das Taxi würde 60$ kosten. Hotels in Camp Bay kosten mindestens 75$. Beides keine Option für Piraten. Mit Jose fahre ich in die nahe Bricks Bay. Dort weht eine laue Brise über ein breites und sehr scharfes aus der Ebbe schauendes Saumriff. Keine Chance, auch nur ein einziges erstes mal seit Wochen zu kiten.

Ich lege mir eine Honduranische SIMcard zu und arbeite einige Tage soviel wie ich kann. Dann geht auch das WWW offline. Das Blog-schreiben hinkt dem Erlebten hinterher. Das hier ist Eintrag Nummer 600. Happy Birthday, Blog! Dank Googles repsonsive-Webdesign-Offensive stapeln sich Aufträge für mehrere Wochen. Selbst Vollzeit arbeitend könnte ich sie nicht zeitnah erledigen und verschiebe alles auf einen Monat nach hinten, nach Deutschland. Das schlimmste ist jedoch das Reisen: Ich sehe nichts mehr. Als wäre ich überall schon gewesen. Meine Neugier ist auf einem Dreimaster segelnd gestorben. Ich stelle traurig fest, dass ich ein ziemlich reisemüder einäugiger Pirat bin, der reichlich vom rechten Weg abgekommen ist. Reisetiefpunkt.

Die nächste Reise wird garantiert ein 5* All-Inclusive-Urlaub. Drei Wochen Stillstand auf 18 Quadratmetern. Und jeden Tag soviel Wind, dass mich keine noch so langweilig erzählte Terrouristen-Story jemals auch nur einmal zum gähnen bringen könnte.

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