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Sturm über Fuerteventura

Einer der schwersten Stürme des Jahres zieht auf Fuerteventura zu. Am Flag Beach steht der Wind schon einen Tag vorher mit bis zu 35 Knoten voll offshore an. Das Rescue-Boat ist immernoch kaputt. Wir fahren nach Gran Tarajal in den Süden. Ein Gewitter samt Platzregen entläd sich über uns. Dann kommt der Wind zurück. Aber leider nicht genug, und dazu total bockig.

Dominik zieht ein paar Bahnen zwischen Überpower und Unterpower wechselnd. Ich versemmel seinen Kite in Windlöchern zwei mal ins Wasser, noch bevor ich auf’s Brett komme. Wir fahren wieder nach Corralejo. Dort hackt der Wind abends mit über 55 Knoten Spitze. Das Auto wackelt in jeder Böe. Der Sturm ist da.

Ich gehe Essen. Es schifft in Strömen. Im Einkaufszentrum steht ein einzelner Pfosten in der Mitte des großen Zeltdachs. Der wackelt so besorglich, dass ihn der Ober während meines ganzen Aufenthalts nicht aus den Augen lässt. Fast Food, neu definiert. Auf der Hauptstraße hat der Sturm zahlreiche Verkaufsständer umgeblasen. Bäume sind entwurzelt, Feuerwehr und Polizei im Dauereinsatz, alle Freisitze geschlossen.

Noch vor dem Morgengrauen fahren wir wieder runter nach Sotavento. Auf Fuerteventura gibt es normalerweise keine Flüsse. Nicht mal Bäche. Doch heute Nacht wurden alle Straßen im Abstand von wenigen hundert Metern überflutet. Sand, Felsen und große Äste liegen auf der Fahrbahn. Teils soviel, dass Bagger den Weg freiräumen müssen. Autos wurden von der Fahrbahn gespült, Straßen sind abgerutscht, manche unpassierbar. An Böschungen fehlen Meter von Stützwänden, das sonst türkise Meer um Fuerteventura ist rostbraun.

Wir kämpfen uns durch alle Hindernisse nach Süden. All das nur für den Wind. Um neun Uhr stehen wir als erste am Strand. Der Wind hackt im Sekundentakt wechselnd zwischen fünf und 40 Knoten. Für Nicht-Kiter: Doppelter Wind = Vierfache Kraft gegenüber dem Grundwind. Siebenfacher Wind = 50-fach Kraft. Einige Neunmalkluge („What are you still waiting for?“) wollen Ihre surreale Einschätzung der Bedingungen trotzdem praktisch beweisen. Bis Mittag gehen wenn’s hochkommt 10 Kiter auf’s Wasser. Sie werden fast ausnahmslos zerrissen und / oder gehen in den Windlöchern unter.

Ex-Rennrad-Profi Biane Ries kommt mit einer Gruppe von bestimmt 100 lernwilligen Schülern an. Alles wird groß gefilmt, eine Band spielt auf. Der Saxophonist bleibt diesen Tag definitiv derjenige Mensch, der den Luftdruck am besten nutzt. Ich lege mich unter eine Palme. Ein Nudist mit Penisring läuft vorbei. Ich hab endgültig genug gesehen, schließe die Augen und schlafe meinen Wind-Frust aus.



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