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Provence

Der Tourismusverband von Sommières ruft mich in die Provence zum erstellen einer neuen Homepage. Im Morgengrauen vor der ersten Autobahntankstelle begeht ein Fuchs Harakiri an meiner Stoßstange. Als Dank für die erbrachte Härte meinerseits nimmt er einen Nebelscheinwerfer mit ins Nirvana und leuchtet jetzt den Igeln den Weg heim.

Die Fahrt ist Kilometerfressen, in einem Rausch durch bis Avignon. Nach 11 Stunden kommen wir in der Abenddämmerung an. Der Papstpalast ist dunkel und die Brücke bereits geschlossen. Im kühlen Oktober streunen wir durch die fast ausgestorbene Altstadt.

Avignon kenn ich als die Stadt der Lichter, der Tausend Restaurants und Hundert Nougats. Alle drei machen gerade Urlaub. Wir suchen ewig ein Restaurant. Als wir endlich eines finden, das Tartines offeriert, setzen wir uns dankbar an eine Tisch und ordern Cidre. Tartines sind überbackene Käsebrote. Zwar 7 Euro das Stück, aber wenigstens schön klein. Wissen wir jetzt, hungrig einschlafend.

Am nächsten Morgen fahren wir weiter nach Sommières, einer kleinen alten Gemeinde im Pays du Gard. www.sommieres-reisen.eu erstelle ich binnen der nächsten drei Tage, abendlich unterbrochen von Wanderungen in Weinbergen, Olivenhainen, über Hügel, Burgen und Schlösser. Unsere Unterkunft ist ein Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert. www.hotel.delorange.free.fr Neben dem offenen Kamin steht ein Klavier, nichts ist jünger als 100 Jahre. Der Hausherr ist ein echter Herr. Er kocht Orangenmarmelade und serviert im Salon selbstgebackenen Früchtekuchen.

Am Samstag Abend machen wir uns auf die Heimreise. Wir wollen noch eine Nacht im Beauduc am Mittelmeer bei den wilden Schimmeln und den Flamingos campen. Die Windvorhersage war schon vor einer Woche gut. Jetzt ist sie zu gut. Am Strand fliegt der Sand über die Ebene. Wenige Kiter sind bei voll ablandigen und bockigen 25 Knoten draußen. Wir begnügen uns mit einem Lenkdrachen. Schon der reißt mich mit.

Wir grillen und schüren eine Sack Holz durch. Es ist nicht kalt, aber der Wind wird jede Stunde stärker. Die Hering sind mit dicken Steinen befestigt, aber auch das hilft nix. In der Nacht wird der Wind zum Sturm. Das Zelt knattert. Kein Schlaf. Morgens um sechs bauen wir ab, aber es ist zu spät: Nach 20 Jahren brechen die Stangen meines Zeltes im Sturm. 20km Schotterpiste durch die Salinen der Camargue zurück zum Festland. Sogar die Flamingos hat’s weggeblasen. Wenig später messe ich an der Rhône-Mündung 37,7 Knoten Wind.

Ein letzter Stopp in Zürich. Kuhfell-Latschen zu 720 SFr bewundern, für unendlich Kohle praktisch nichts essen und sich wichtige Fragen stellen. Woher kommt der Spruch „Leben wie Gott in Frankreich“? Essen in Frankreich ist fein. Nicht immer besser als in Deutschland, aber garantiert immer wenigstens ein Drittel teurer. Warum streiken die Franzosen gegen spätere Rente und nicht für günstigeres Essen? Und als die Götter pleite warn, da san sie in den Himmel gfahrn…



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