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Florenz am Morgen

Im Nachtzug nach Florenz stehen Weltreisende aller Nationen auf dem Gang. Sie unterhalten sich über wichtige Dinge. Alles ist wichtig. Ich fühl mich noch älter als ich eh schon auf meiner Reise war. Mir ist ziemlich viel egal, seitdem ich wieder da bin. Einige wenige Dinge sind dafür richtig wichtig. Ich versuche zu schlafen.

Den ganzen Brenner bergab kreischen die Räder in jeder Kurve. Erst lang nach Mitternacht schlafe ich kurz ein und wache dann schon vor Florenz auf. Der Zug fährt aus einem langen Tunnel. Die Sonne geht über Florenz auf. Ich beschließe spontan meinen Zug nach Livorno sausen zu lassen und mir stattdessen Florenz im Morgengrauen anzusehen.

Das Licht ist Gold. Die Hügel dampfen. Die Stadt ist vollkommen leer um sechs Uhr morgen. Ohne irgendeinen Plan marschiere ich los. Ich such mal wieder nichts und finde es. Stille mitten in der Stadt. Alte Mauern und der seit frühester Kindheit bekannte Duft Italiens: Pisse. Selbst das hat seinen Charme. Die ganze Stadt wird jeden morgen komplett feucht gereinigt, es gibt nur Waschautos und mich.

Die Museen machen alle erst in einigen Stunden auf, der Dom genauso. Die Geschäfte haben geschlossen und die Ristorantes fangen gerade erst an aufzubauen. Ich setz mich vor den Dom, esse eine Münchner Leberkaassemmel und freu mich wie ein Wiener Schnitzel in Florenz.

Überall hängen Plakate: Wer Kopien kauft wird mit 500 bis 10.000 Euro bestraft. Trat die Piratenpartei auch in Italien an, oder arbeiten mehr als 20% aller Italiener in Nobelboutiquen? Gegen acht Uhr füllen sich die Straßen und das Licht wird greller. Ein Waschauto überfährt mich beinahe vor den Uffizien. Kleine Lemming-Japaner machen erste „Hampelmann war auch schon hier“ Fotos. Ab in den Zug nach Livorno!

Im Zug nach Livorno verschlafe ich beinahe den Ausstieg. War zum Glück Endstation. In Livorno darf ich trotz einer Busfahrt noch locker drei Kilometer mit ca. 25 kg Gepäck laufen. Zusammen mit den 15km in München gestern komme ich recht fertig am Fährhafen an.

Corsica Ferries sponsort den ohnehin schon recht populären Autodiebstahl auf Korsika. Mit Auto zahlt man 23 € für die Überfahrt, ohne 46 €. Der Check-in-Maat fragt nach meinem Auto. „Kaputt. Unfall in Livorno.“, sag ich. Glaubt er mir zum Glück.

Dave holt mich in Bastia ab. Shoppen, ab ins Camp und sofort raus mit meinem 19m² Weisser Riese Kite aufs Wasser. Abendessen, ein Bier, ein Lagerfeuer und das Feuerwerk zum Corsischen Nationalfeiertag.



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