Armut & Reichtum in Cabarete

2910
2008
Mi
14:29
Tag
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Gerade eben habe ich mich noch über Unterschiede in Meinungen und Ansichten gefreut. Heute stößt mir ein Unterschied in der Dominikanische Republik schwer auf: Der zwischen Arm und Reich. Es ist nicht so, dass er etwas neues ist. Es gab immer Armut und Reichtum hier. Was mir jetzt so aufstößt, ist die dazwischen liegende und sich dramatisch vergrößernde Kluft.

Das durchschnittliche pro Kopf-Einkommen verdoppelte sich in den letzten 10 Jahren. 20% Reiche verdienten fünf mal mehr, 80% arme halb soviel. Wie meinte doch José, der Exildominikaner auf Urlaub? Er hatte noch nie so viele Hummer und Porsche gesehen. Die Luxusburgen wachsen überall in Cabarete, aber darin wohnen nur reiche Ausländer. Der Peso schwankt unrationell stark gemessen an der Wirtschaftskraft.

Der Bierpreis im Kitecamp hat sich binnen vier Jahren verdoppelt – jetzt liegt er deutlich über deutschem Niveau. Das finde ich gut, es mäßigt meinen Konsum. Ich frage mich aber, ob auch die Angestellten in der gleichen Zeit eine Gehaltsverdopplung bekommen haben. Vor der Tür steht ein blauer Porsche in der Sonne.

Die Dominikaner werden in der gleichen Zeit anscheinend immer ärmer. Zu spüren bekommt man das am ehesten noch wenn man bei Einheimischen Shoppen geht. Ich habe noch nie so wahnwitzige Preisvorstellungen zu hören bekommen wie bei diesem Besuch. 30 Euro für einen Wasserball oder eine kopierte Sonnenbrille. Es scheint, als vergrößere sich die Unverschämtheit mit der Not. Und diese ist eindeutig gewachsen.

Niemals gab es mehr verzweifelte Versuche an Geld zu kommen. Ein Kettenverkäufer sieht meine Abweisen des ersten. Es hindert die nächsten drei nicht daran, sich in die Präsentationsschlange einzureihen. Ich gehe Abends von einem Jazzclub am Strand heim. Ab dem dritten „Ola Chico“ sag ich nicht mal mehr „No gracias.“ Die Motoconcho-Fahrer ähneln jetzt rasende Raubritter. Schlägt man einen normalen Preis vor, läuft man manchmal schon Gefahr, geschlagen zu werden. Jeder nimmt, was er kann.

Ich klage nicht an. Ich weiß nur nicht, wie der Spalt zwischen Arm und Reich so schnell so drastisch größer werden konnte. Der Tourismus bringt sehr viel Geld in die Dominikanische Republik. Aber nur wenige profitieren davon. Ich fühle mich nicht mehr wohl hier. Ich wünsche mir ein gerechteres Land. Mit Wind bitte.

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4 Kommentare

  • Carin schreibt am Donnerstag, 30.10.2008 um 15:00 Uhr:

    Die Kluft zwischen arm und reich gibt es überall. Diese Kluft nimmt zu und wächst auch bei uns. Gewaltig!

  • Klaudia Mayer schreibt am Dienstag, 6.1.2009 um 23:45 Uhr:

    Hallo Carin,
    ich finde deine Einträge sehr hilfreich. Wir fliegen am 27.1. nach Cabarete und wir besuchen dort die Schule. Ich habe viele Geschenke dafür gekauft, aber das Übergepäck bei Condor ist sehr teuer.
    Würden Sie mir vielleicht einige Fragen beantworten? Zum einen, herrscht in Cabarete wirklich soviel Armut? Gibt es in Cabarete Spielsachen zu vernünftigen Preisen zu kaufen oder ist es günstiger viele Geschenke von Deutschland mitzunehmen und die Übergepäckgebühren dafür zu bezahlen?
    Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.
    Herzlichen Dank und liebe Grüße
    Klaudia

  • ff-webdesigner schreibt am Freitag, 9.1.2009 um 11:26 Uhr:

    Hoi Klaudia, kommt drauf an was man gewohnt ist. DR geht gerade schwer abwärts, alles ist immernoch schön, aber die einheimische Bevölkerung verarmt. Wer Handeln kann kriegt alles günstig in DR, wers nicht kann zahlt sich dumm und dämlich. Übergepäck: Golfbag besorgen, zwei Schläger rein. Gebraucht bei Ebay ab 50 Euro. Der ist bei den meisten Fluglinien mit bis zu 30 kg extra frei.

  • Aundre schreibt am Samstag, 1.10.2011 um 2:44 Uhr:

    Great article but it didn’t have everything. I didn’t find the kitchen sink!

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