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Mit dem Beach-Buggy ums Eck

Bob boomt sauber aus der Box. Die Anlage übertönt den laut im Heck unseres Beach-Buggies röhrenden VW-Motor. Bei Flussduchquerungen spritzt das Wasser durch den Boden im Fussraum. Händels Wassermusik ertönt. Mit zwei dauerreisenden Australiern bin ich unterwegs ins gelobte Land. Die starken Passatwinde beginnen ziemlich genau am nordöstlichen Eck Brasiliens. Dieses umfahren wir zwei Tage lang und 170 km weit mit Beach-Buggy Captain Maol.

Maol ist 65 und fährt seit 30 Jahren Beach-Buggy. Als Enduro-Biker bin ich erst mal skeptisch. Ich erinnere mich noch gut, wie meine Oma fuhr. Doch die Sorge ist vollkommen unbegründet. Vor den ersten Sanddünen nördlich Natal reduziert er den Reifendruck. Dann gibt er ordentlich Gas.

Rauf die Düne, in die Steilkurve schleudern, 45° runter, über die nächste Kuppe und mit 30° Schräglage seitlich runter. Unser Gepäck samt Kiteausrüstung haben wir auf dem Überrollbügel festgezurrt. Schon nach dem dritten Neuverschnüren hält es zumindest fast bis zum Ende der ersten Tagesetappe.

Maol schaut aus wie ein Althippie – und fährt wie ein alkoholisierter Henker – aber gut. Den ganzen ersten Tag überholt uns kein einziger anderer Beach-Buggy. Ab und zu ein bisschen springen, dann runter an den Strand und mit 100km/h weiter nach Norden. So geht das den ganzen ersten Tag, 90 km weit.

Am Nachmittag kommen wir Sao Miguel do Gostoso an. Das verschlafene kleine Dorf hat einen breiten Strand und entwickelt sich gerade mit den ersten beiden Surfstationen zu einem kleinen Kiter-Hotspot. Abends gehen wir nach einem langen Tag mit viel „aktivem Sitzen“ deutlich zu lange und heftig aus. Eine Entschuldigung ist überflüssig. Ich reise mit Australiern.

Früh am nächsten morgen holt mich Maol breit grinsend ab. Beach-Buggy-Fahrer stehen bei den lokalen Weibchen hoch im Kurs. Sie haben eine Frau in jedem Dorf. Wir verzurren wieder das Gepäck am Buggy und fahren weiter nach Norden. Hunderte Windräder säumen auf dutzenden von Kilometern einsame Strände.

Das böse Geräusch, welches wir gestern noch für einen in der Bremsscheibe klemmenden Stein hielten wird plötzlich im tiefen Sand und gut 15 km vom nächsten Dorf entfernt besorgniserregend laut. Wenig später entpuppt es sich als kapitaler Getriebeschaden. Maol schleppt uns noch im zweiten Gang bis zum nächsten Dorf Caicara do norte. Dann ist Schluss.

Für die letzten 30 km wechseln wir in den bestellten Beach-Buggy eines Freundes und fahren weiter in das brasilianische Kite-Highlight Galinhos.

Video Kitesurfing Galinhos, unten ohne Sound. Besser: mit Sound via Videodoubler.



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