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Mekkern über Mekkas: Cumbuco

Wir Kiter haben viele Gründe, über Mekkas zu meckern. Wir sind der Wirtschaftsmotor Nummer eins in vielen windigen armen Regionen der Erde. Ich lebte an vielen Orten, an denen Kiter-Freunde sehr wohl wussten, wieviel Leben wert ist – sich aber gleichzeitig lautstark darüber beschwerten, dass die bösen Eingeborenen mehr denn den Wert eines Lebens berechnen würden.

Die Sonne brennt – und das bringt Sonnenbrand. Wenn dir das nicht passt, nimm LSF100, wickel dich in eine Burka, geh nach Spitzbergen im Winter! Oder halt einfach die Fresse! Es sind nicht unsere Mekkas, die sagen: „Geh im Kreis um einen Meteoriten und jodel ‚Allah u akbar'“ – es sind Menschen wie Du und ich, die das einfach tun. Die einen wollen zuviel geben, und die anderen nehmen es dankbar an.

Mekka-Meckern? Bitteschön! Die Lagune zwischen Fortalezza und Cumbuco toppt alle Kitepots um einige Längen und Untiefen, die ich in 14 Jahren gesurft habe. Auf 150 x 150 m tummeln sich gut 30 Kiter. Der Geruch der ausgangslosen Flussmündung ist deutlich beschissener als der des Meeres hinter Boracay nach einer der häufigen Kläranlagenüberschwemmung. Die Hälfte aller Kiter hier geniessen die wellenfreie Kacke-Kloake als ersten Spot ihrer Karriere – und werden wohl alleine ob des Steigerungspotentials ihrer Umgebung dauerhaft dem Heldentum verfallen.

Hätten sie von Vorfahrtsregeln irgendeine Ahnung, so mangelt es garantiert an deren praktischer Umsetzung. Mein Kiter-Buddy wird abgeschossen – und schaut dem Schuldigen zwei Stunden beim Entwirren der Leinen zu, nachdem ich mir bei der Kiterettung mitten in der Kloschüssel den Fuss an einem Stück Müll aufgerissen habe. Das landseitige Ufer katapultiert mich direkt ins Mittelalter. Ich mutiere zum begeisterte Zuschauer eines hochkarätig besetzen Ritter-Turniers. Unsere Lanzen mögen länger und weicher sein – aber unsere Trefferquote ist zumindesz hier deutlich höher. Im fünf-Minuten-Takt lernen Drachen verkettet in ihren nächsten das Schwimmen. Die Kites der Besitzer, welche versehentlich die zweite denn die erste Safety auslösten fange ich Space Defender-artig am leesetigen Ufer über toten Fischen ein.

Genug gemeckert. Cumbuco ist für Mekka wirklich sehr gemütlich, klein und nicht zu überlaufen. Wenn mal vor der einzigen Beachbar 50 Kiter unterwegs sind, dann ist das schon viel – und tragbar in den Weiten des Meeres. Kabbelig ist das Wasser nur auf den ersten 100m, danach kommen die Wellen gleichmässig und in relativ grossen Abständen, was immerwieder schönes Flachwasser dahinter bringt. Ungefähr 200m vor dem Ufer bilden sich manchmal bei Flut recht unvermittelt wahre Kawenzmänner von gut 2m Höhe. Hat man das Glück, einen zu finden und mit genug Speed kurz vor dem Brechen angefahren zu sein, segelt man endlos nach Lee. Der Wind ist deutlich stärker als in Canoa Quebrada oder auch der nur 40km enfernten Millionen-Metropole Fortalezza. Ich bin die meiste Zeit mit dem 9er unterwegs.

Die Tage kommen und gehen. Menschen ziehen vorüber. Das erste Wochenende überlebe ich mit einem mir Sicherheit gebenden 2kg schweren Vorrat an Limetten. Dann entwickle eine fast schon fatale Affinität zu Maracuja-Caipirinha und geniesse die absolut beilagenfreien massiven Barbecues im Rolling Stone Hostel. Ein schwules Weissbüscheläffchen hupft manchmal von einem Baum im Garten auf meinen Oberarm und rammelt ihn ab. Sonst passiert nicht wirklich viel.



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