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Jijoca de Jericoacoara

Könnte sich irgendjemand den Namen merken, würde er garantiert an der Intonation scheitern. Jijoca de Jericoacoara ist schwer zu erreichen. Wie ein Keuschheitsgürtel legen sich 23 km Sanddünen um einen der zehn umsatzstärksten touristischen Hotspots Brasiliens. Das Forbes Magazine kürte Jijoca de Jericoacoara schon vor einem viertel Jahrhundert zu einem der schönsten Strände der Welt.

Keuschheitsgürtel erforderten schon im Mittelalter sexuelle Verrenkungen. Heute ist das nicht anders. Am späten Abend überwinden wir die Sanddünen unter einem blutrot hinter den Dünen aufsteigenden Mond auf dem Rücken eines Jeeps. Die wenigen, die es mit dem Mietwagen hierher schaffen bringen Papparazzis gutes Geld. Jedes an den Vermieter gemailte Kennzeichen-Foto bringt drei Brasilianische Monatseinkommen.

Jijoca de Jericoacoara verhält sich zu allen anderen Brasilianischen Orten wie Schlumpfhausen zur Sao Paolo. Brasilien ist an den meisten Orten unerwartet sicher. Doch Jijoca de Jericoacoara ist anders: 50% plus auf alle Preise. Bis auf den allgegenwärtigen wurmdurchsetzten und infektiösen Donkey-Dung sauber. Fast schon bezaubernd intakt und lebendig, es gibt deutlich mehr Touristen als Restaurants. Der Restaurants und Kneipen gibt es massig und in aller Couleur.

Der schüchterne Wikinger Johan organisiert uns für wenig Geld ein Penthouse mit Dachterrasse direkt vor den weltberühmten Dünen Jijoca de Jericoacoaras. Jeden Abend strömen die Massen vor unsere Aussicht zum Sonnenuntergang auf die Düne. Am Morgen krähen die Hähne, und in der Nacht dezimieren zahlreiche Esel das gehegte Grün vor der Pousada Sahara.

Jijoca de Jericoacoara ist zum Kiten so gut geeignet wie Schlumpfhausen für einen Gangbang. Daher gibt es massig Kiter. Ein großer Teil des Strandes ist den Windsurfern vorbehalten. Das stört wenig, denn der Wind bläst in Jijoca de Jericoacoara wegen der Abdeckung durch Dünen und einer Landspitze bockig bis gar nicht. Erst mit teuren Buggys oder Jeeps erreicht man die sicheren Gefilde einige Kilometer weit enternt zu beiden Seiten Jijoca de Jericoacoaras.

Wir fahren einmal sieben Kilometer upwind nach Prea, was eigentlich bekannt ist für kabbelige Wellen und starken Wind. Heute wehen gerade mal 18 Knoten und ich bin nach drei Wochen fast ausschliesslich am Neuner mit dem 13er zwar gut angeblasen aber auch von dessen Langsamkeit etwas gelangweilt.

Ich arbeite einige Tage. Das Internet bricht oft zusammen, und wenn es nicht bricht, dann tröpfelt es. Trotz gutem Wechselkurs ist Brasilien immernoch recht teuer und mein Konto nach zwei Monaten reisen fast ohne Arbeit ziemlich leer. Jijoca de Jericoacoara leert es erfolgreich weiter und schneller als alle anderen Plätze bisher. Geldtransporte können die Dünen nicht überwinden, daher muss man zum nächsten Geldautomaten 30 Minuten mit dem Jeep nach Jijoca fahren. Das Essen ist gut und abwechslungsreich, die Maracuja-Caipirinhas wandern in Masskrügen über den Tresen und unter 10 € Transportkosten ist an Kiten nicht zu denken.

Wir veranstalten einige Churascos mit bis zu einem halben Kilo bestem blutigem Steak für jeden. Ein Samba Konzert verwirrt mich etwas: die Musik endet schon um zwei Uhr und erreichte bestenfalls ein Viertel des Lautstärkepegels der in Brasilien überall gegenwärtigen Audio-Werbe-Trucks. Ian reist ab, Johan zieht nach Cumbuco. Nach einer Woche wird es Zeit, wieder alleine weiterzuziehen.



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