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Der Dubai-Dresscode

Zum Abendgebet wird der ganze Flughafen von Dubai mit Muezzin-Gesang aus Bang&Olufsen-Lautsprechern beschallt. Vollverschleierte Frauen und spärlich bekleideten Neuaraberinnen gehen zum Gebet. Während die ewig gestrigen daheim für jede noch so bescheidene Mosche einen nationalen Volksentscheid für nötig halten, ist man hier im Flughafen-Gebetsraum selbst als ungläubiger willkommen – zumindest im Männer-Bereich, aber da sogar barfuss.

Ich habe sieben Stunden Zeit. Nach einer Zigarette um 20 Uhr Abends bei immernoch gut 40°C bin ich schweisstechnisch perfekt vorbereitet auf ein nobles Dinner im Panoramarestaurant des Burj al Arab. Wenn es hier irgendein „nicht angemessen“ gibt, dann sollte ich es mit meinem Backpack und der bisher 18 Stunden alten Reisekluft perfekt erfüllen.

Die himmelblaue führerlose Metro ist ein vollautomatisierter Operationssaal. Ein beeindruckender Schilderwald weist mögliche Vergehen und zugehörige Strafen aus. Jeder hält sich dran. 14 Stationen später bin ich in der Nähe des Burj al Arab un wechsle auf ein Taxi. Pförtner: „Do you have reservation Sir?“ Ich: „No, but could i get one right now?“ Der Taxifahrer gibt mir sein Handy und ich klingel um 23:00 beim Concierge an: „The panorama Restaurant is already closed, Sir.“ Mist. „Okay, what about the panorama Bar?“ „Yes Sir, i can make a reservation for you right now. Minimum drinks is 80 €.“. Okay, wäre ich noch dabei. Und auch die wenigstens 110 € für einen Hauptgang hätte ich mir schon mal gegönnt.

„We have dresscode, Sir. No casual wear.“. „No Problem, i got beautiful suites made of the finest black and white ripstop-nylon, preferably .i’d consider wearing a wet suit. Would you accept these?“. Er pflichtet bei, der Pförtner winkt uns durch. Doch die traurige Wahrheit ist: ich kann heute wohl den Dubai Dresscode nicht erfüllen. Meine 30kg Kites sind im KItebag, und der ist am Flughafen. Alle Kleidung für zwei Monate Reisen habe ich in einem kleinen Daypack. Ein Anzug war noch nie dabei.

Vor der Mall of Emirates stehen Bentleys, Maseratis und Hummers auf 20 €- Parkplätzen. Die Scheichs kaufen lange und kräftig mit ihren vollverhüllten Frauen ein. Angestellte von Ski Dubai messen meinem grünen Superheldenausweis mir selbst noch unbekannte religiöse Kräfte zu – Sie lassen mich umsonst in die normalerweise wenigstens 35 € teure Skihalle. Vielleicht hatte auch der Flughafen-Muezzin angerufen.

Burj al Arab war nix, aber food court tut’s auch. Noch bevor ich im Self Service Bereich erspähe, wo ich mein Tablett entsorgen könnte, räumt es ein stiller Ober in strahlend blauer Weste weg und wischt den Tisch. Etwas verwirrt schaue auf den zweiten Salzrandstreifen auf meinem Tshirt hinunter, dann wieder an ihm hoch. Er lächelt mich breit an.

Um Mitternacht kühlt es auf angenehme 35°C ab. Die Polizisten liegen im Park auf der Wiese, die sechsspurigen Highways sind immernoch blinkende Weihnachtsbäume, erste Jogger trauen sich auf die Piste, und ich mich mit der Metro wieder zurück zum Flughafen. Über dem Schreiben des ersten Eintrags seit bald einem Jahr verpasse ich um drei Uhr Nachts fast meinen Anschlussflug ins Neuland Nummer 42.



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2 Kommentare zu “ Der Dubai-Dresscode ”

Dein Sarkasmus ist einfach herrlich!

Kommentar von Max am 4.9.2014

Sarkasmus? Wo?

Kommentar von ff-webdesigner am 22.10.2014

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