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Drachentöter / Banderl-Träger

Seit dem letzten Besuch in Ägypten hat sich einiges geändert. In meinem Lieblingshotel gibt’s jetzt Handschellen. Noch an der Rezeption werden unsere Hände mit einem roten Plastikband dekoriert. Bei knapp 30° ist dieses Depperlband unversteckbar. Weisse Haut alleine reicht nicht. Sollte das die Rache für die gelben Sterne unserer Großväter sein?

„Na und?“ denkt der eine. Für mich ist das eine Katastrophe. Ich bin jetzt als Reise-Gockel – nicht bio – gebrandmarkt. Und zwar aus dem Grand Resort. Wo man ohne Depperlband einstmals gute Aussichten beim Handeln hatte, verfügt jetzt jeder Taxifahrer über das ultimative K.O.-Argument: 5-Sterne-Gockel sind zum rupfen da. Egal wie günstig das Hotel gerade ist.

Sie rupfen uns ordentlich. Waren sie das letzte mal unverschämt, machen sie diesesmal die unter Mursi deutlich schlechteren Lebensbedingungen zu wahren Raubrittern. Beim einsteigen sagst du 20 Pfund, und wenn du beim aussteigen nicht das doppelte zahlst, pöbeln sie dich an oder versuchen uralte Falschgeldtricks. Das hinterlässt einen üblen Nachgeschmack. Den ersten Nichtbetrüger engagieren wir gleich fest für zwei Wochen.

Zurück zum Banderl: Ich bin kein Teil von irgendwas, stehe weder auf Boden- noch Käfighaltung, und selbst im Freiland taugt das Banderl bestenfalls als Windmesser! Der wilde Wechsel von Restaurants und Hotels je nach abendlicher Laune war beim vorherigen Besuch unser  letztes Stück geheiligter Anarchisten-Spass im wohlorganisierten All-Inclusivingen. Damit ist’s jetzt vorbei. Gestern verschwanden zwei Träger des roten Armbands beim Versuch des Mundraubs im Restaurant des benachbarten Grün-Banderl-Hotels. Heute gibt’s auffallend viel Fleisch zum Frühstück, aber das ist sicher Zufall.

Vor unserer Kite-Station liegt das Magawish Hotel. Die hatten auch schon das letzte mal Banderl für alle durchreisenden Kiter. Die gelben Banderl waren noch akzeptabel, wiesen sie uns doch irgendwie als modere Drachentöter, sprich: etwas potentiell ritterlichem aus. Das konnte man dann schon mal als Auszeichnung interpretieren. Im Mittelalter pöbelte schliesslich auch niemand „Oh, sehet dieses Ritters Lanze dort! Wie erbärmlich!“. Also bestellten wir unser Bier stets durch erheben der bekrönten rechten Hand und warteten dann, bis sich das Kreischen in unseren Köpfen wieder legte.

Ich lieg am Strand und hebe meine beiden Banderl in die Sonne. Niemand kreischt. Dank der Banderl hat mich die Sonne beim Kiten in ein Streifenhörnchen verwandelt. Heute Abend gibt’s noch ein Glitzer-Banderl in der Disco, morgen ein blaues zum Tauchen und übermorgen verpass ich mir ein schwarzes für den ersten dreifachen Rittberger in acht Meter Höhe. Ab Mittwoch lasse ich mir noch einen Schnauzer stehen, und wenn ich heimkomme nennen mich meine Freunde Wolfgang Petry.



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