Redwood National Park

2907
2007
So
23:31
Tag
51
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Auf diesen Tag hab ich mich schon lange gefreut. Ich fahre den 101 wieder rauf nach Norden in den Redwood National Park. Tiefe Wolken ziehen vom Pazifik über die ersten Hügel. Ich verlasse den Highway bei erster Gelegenheit und ziehe über Schotterpisten direkt an den Küstenklippen entlang. Schilder warnen vor „Sneaker Waves“, unerwartet und unrhythmisch auftretenden Brechern am Strand, die jedes Jahr einen Menschen mit sich reißen und ertränken.

Die Redwoods kommen nur an vereinzelten Stellen im Park vor. Die größte Anhäufung war glaub ich gar nicht im National Park, sondern 50 Meilen nördlich bei Crescent City im State Park direkt am Highway 101. Die wirklichen 2000-jährigen Riesen verstecken sich hier. Man muss fragen und suchen. (mehr …)

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Crater Lake National Park

2807
2007
Sa
23:44
Tag
50
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Der Hangover am nächsten Morgen ist gewaltig. Ich hab nicht viel getrunken, aber zwecks der Reisegeschwindigkeit scheint’s dreifach zu wirken. Ich hangel mich über Berge und durch Täler und von Kaffee zu Kaffee bis zum ca 150 Meilen entfernten Crater Lake National Park.

Im Umkreis von 30 Meilen um den Crater Lake wachsen nur Kiefern, dazwischen vereinzelte Fichten. Alles ist staubtrocken, roter Lava-Sand, höchste Feuerwarnstufe in der Wüste. Schon die Auffahrt zum Crater Lake ist atemberaubend. Nach einer Viertel Stunde schau ich zum ersten Mal in den Krater und sehe das blauste Blau meines Lebens. (mehr …)

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On the road again

2707
2007
Fr
23:09
Tag
49
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Schon am frühesten Morgen hackt der Wind wieder. Zeit weiterzufahren. Rauf ins Hood River Valley, an Obstplantagen vorbei und rauf den Hood Mountain bis zu einem Sommerskigebiet. Nicht viel los, klar, Schnee ist totaler Matsch zu dieser Jahreszeit. Ich sehe woher die in Google Maps auf den Satellitenbildern nicht sichtbare Sandbank kommt. Riesige Gerölllawinen haben Tonnen von Sand und kleinen Steinen in den Columbia River gespült.

Weiter nach Süden durch die Hot Springs Indian Reservation und die Cascade Mountains nach Eugene, meinem nächsten Stay. Die Landschaft ändert sich rasend schnell von Wüste zu grüner Hölle. Wasserfälle tosen über 3000 Jahre alte Lavaströme. (mehr …)

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Along the River Gorge

2607
2007
Do
20:02
Tag
48
2512 views

Am Morgen hackt der Wind sogar schon direkt vor der Schule am Talrand. Ich werde nichts verpassen heute. Rüber nach Hood River, Busticket kaufen und ab nach Pasco, Washington. Mit einer halben Stunde Verspätung komme ich dort gegen 14:30 an. Weiter zum Flughafen. Mein neues Auto wartet. Wieder mal sieben Tage ohne Material-Schleppen und meilenweites Latschen. Ich fahr den Columbia River zurück nach Westen.

Auf der Fahrt wird’s klar, warum es so zieht. Hier im Osten ist Oregon eine echte Wüsten-Steppe. Es hat über 30 Grad heiß und sehr trocken. Keine Wolke weit und breit. Alle Hügel sind golden. Und wenn sie mal grün sind, dann nur in Kreisen. (mehr …)

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20 Minuten Glückseeligkite

2507
2007
Mi
19:42
Tag
47
2513 views

Glück|see|lig|kite [f] bedeutet: passender Wind am richtigen Ort mit dem richtigen Kite.

Erst nach einigen Stunden rumliegen im Schwachwindgedönse um die 25km/h zieht der Wind am frühen Nachmittag am Hood River endlich an. Ich bin sofort draußen und ziehe ein paar Bahnen. Eigenartig: Am Boden ist der Wind recht konstant, auf Kitehöhe ziemlich ruppig. Nach nur 20 Minuten hab ich das Gefühl, der Wind wird stärker, deutlich stärker. Kann voll depowert kaum noch Bodenkontakt halten. Das Gefühl trügt nicht. Ein Böe reißt mich aus dem Wasser und schleudert mich bis kurz vor eine kleine Kite-Schulgruppe. (mehr …)

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Grausamkite am Columbia River

2407
2007
Di
19:44
Tag
46
2864 views

Grau|sam|kite [f] Unter Grausamkite versteht man widrige Umstände, die vom Kiten abhalten. Die gesteigerte Form von Grausamkite zeigt sich meist an perfekten Kite-Locations in Form von unpassendem Material nach schleppender Durchquerung gesamter Kontinente. Eine spezielle Form der Grausamkite ist der schlagartige Wechsel von mehreren völlig windfreien Wochen auf unkitebaren Hackwind. Vom Glücksgefühl her ähnlich hoch anzusetzen sind: Wasabierbsen-Weitschießen aus der Nase sowie sich in den eigenen Hintern beißen. (mehr …)

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Wiiiiiiiind!

2307
2007
Mo
21:09
Tag
45
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Hab in der Nacht einige Sachen zum trocknen aufgehängt. Das war ein Fehler. Am Morgen sind sie noch nasser. Mit bestimmt 5kg Mehrgewicht reise ich per Bus erst zurück Nach Portland und dann weiter den Columbia River rauf. Basalte, schräg verwunden neben der Straße. Breiter Fluss, aber wenig Platz: auf beiden Seiten hohe Berge. Auf der Oregon-Seite beißen sich tiefe Wolken an den Bergen fest. Auf der Washington-Seite klart es zunehmend auf.

Eine Stunde flussaufwärts kommt endlich die Sonne raus. In Ihren Strahlen erblicke ich wunderbare Bäume: alle Äste zeigen flussaufwärts. Das is mal ne Ansage. Nach einer Flussbiegung fängt mit einem Mal der Bus zu schaukeln an. Weiße Schaumkronen in der Flussmitte. Endlich! (mehr …)

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Oregon Coast

2207
2007
So
16:30
Tag
44
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Gestern haute zum ersten mal Rideshare via craigslist.org hin. Ist sowas wie mifahrzentrale.de, nur kleiner und schlechter. Sprit is halt immernoch zu billig hier. Für 10$ fahr ich mit nach Portland, lustige Leute. Mein Bus an die Küste geht erst Abends, also 6 Stunden Aufenthalt. Ich besuche den angeblich größten und besten Bookstore Amerikas, www.powell.com. Hugendubel München ist mindestens genauso groß, aber schöner.

Ich surfe und Skype etwas in einem Cafe und fahr abends mit dem Bus weiter nach Seaside durch dampfende Wälder und Regen. Der letzte Ort vor Seaside heißt Cannon Beach. So schauts auch aus: Sturm 70km/h. Surfshop an Surfshop. Hohe Wellen, abgerissene Bauplanen, weggefegte Stühle, Bäume am Belastungsmaximum. Yes! Endlich Wind! (mehr …)

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Seattle in der Nacht

2007
2007
Fr
23:21
Tag
42
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Megan musste leider auf eine Geburtstagsfeier, deswegen wechsle ich nochmal meine Adresse in Seattle. Ein neues Angebot habe ich schon, Schlüssel liegt neben der Tür. Nur wo hat sie vergessen zu erwähnen. Erst nach einer Stunde War-Walking in der Stadt erhalte ich die neue Adresse per Mail. Ich mach mich bergab auf den Weg zum Bus, in ständiger Angst von meinem Trolly überrollt zu werden.

Leider ist in West Seattle grade niemand da. Ich versteck mein Zeug im Garten und ziehe zum nächsten Park ans Meer. Über die Berge vor Seattle ziehen wieder beeindruckende Wolken ins Landesinnere. Am Strand liegt eine tote Qualle mit einem Durchmesser von fast einem halben Meter. (mehr …)

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Wer hat eigentlich Bush gewählt?

1907
2007
Do
15:18
Tag
41
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Die Reaktionen auf meine Ankündigung „Ich gehe nach Amerika“ waren eindeutig: „Grade Du? Was sagst Du seit Jahren über Bush?“. Alle meine Freunde hatten recht. Ist schon schräg, wollte halt ein paar Vorurteile bestätigt bekommen. Aber bis heute hat das überhaupt nicht hingehauen.

Nachmittag. Ein Busstop in Seattle. Eine Frau fragt nach der Zeit und hört nach zwei Sätzen, dass ich aus Deutschland bin. Peinlich. Weiß schon, was als nächstes kommt. Sie fragt, was ich von Bush halte. Ich will antworten, aber da poltert sie schon mit einer herzerwärmenden Hasstirade los. Ich mag Amerika immer mehr. (mehr …)

Seattle

1807
2007
Mi
23:34
Tag
40
2471 views

Ich wusste, dass Seattle am Meer liegt, mit vielen Seen drumherum und unendlich langer zerklüfteter Küstenlinie. Ich wusste von der Space Needle, dem kühlen Wetter, der gemischten Bevölkerung, Grunge und vielem mehr. Doch das was ich nicht wusste ist das, was mich zutiefst beeindruckte.

Ja, Ich fahr noch nach San Francisco. Aber die Topographie dort wird’s schwer haben, mich zu beeindrucken. Megan wohnt so ziemlich auf einer Höhe mit der Spitze der Space Needle, auf dem höchsten Berg, grade mal 2 km vom Stadtzentrum weg. Die Straßen sind winzig, oft einspurig. Auf jeder Kreuzung steht ein Baum in der Mitte. Die Steigungen sind besorgniserregend. Auf dem Weg in die Stadt hab ich zwei Druckausgleiche benötigt. (mehr …)

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Cannonball Endspurt

1407
2007
Sa
23:44
Tag
36
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Heute ist der letzte Tag meines privaten Cannonball Race quer durch Amerika. Die sich im See spiegelnde Morgensonne kitzelt mich zusammen mit einem Kaffee wach. Ich breche rasch auf, denn der Endspurt ist über 500 Meilen lang – zumindest auf der Interstate. Will ich die wirklich nehmen? Nein! Heute nochmal richtig dreckig. Nur kleine Landstraßen, Pässe, Schluchten. Alles viel weiter. aber am Ende des Tages weiß ich: auch viel schöner.

Ich fahre zuerst durch Montana und komme dann nach Idaho. Rieche wieder Feuer, und diesmal sehe ich es auch direkt neben der Straße. Idaho brennt. Und nicht nur das. Auch Washington. Zwei Stunden später komme ich an wirklich großen Feuern vorbei. Die Sonne ist verdunkelt, und Flugzeuge kreisen. (mehr …)

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Ghost Town & Glacier National Park

1307
2007
Fr
23:30
Tag
35
2517 views

Ich wollte immer den Ort finden, an dem „In der Mitte entspringt ein Fluss“ gedreht wurde. Ich wusste: Montana. Fragte jeden: wo? So auch heute morgen David. Tja, den Fluss wusste er nicht. Aber das Postamt ist nur wenige hundert Meter entfernt. Wir fahren hin, und ich bin zufrieden. Ich breche auf. Mein nächstes Ziel ist der Glacier National Park.

Eigentlich wollte ich die langweilige Interstate 90 kurz nach Butte verlassen. Aber ich verpasse essender weise die Ausfahrt. Die nächste scheint auch zu gehen. Schaue auf die Karte…was steht da? Ghost Town? Aber hallo! Da muss ich hin! Ich suche den Weg. (mehr …)

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Yellowstone National Park

1307
2007
Fr
23:13
Tag
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Ich schlafe hervorragend im Auto. Am Morgen lern ich David und Albert kennen, einen weiteren Gast aus Deutschland. Also, kennen…naja…nach einer Stunde, einer Dusche und zwei spitzen Kaffee breche ich mit Albert, einem Theologie-Studenten aus der Nähe von Berlin schon wieder auf. Wir besorgen Proviant und fahren die gleiche Strecke zurück zum Yellowstone. Aha, so hätte das also ausgeschaut…

Albert will länger im Park bleiben, organisiert sich einen Campingplatz. Gegen 10 ziehen wir weiter ins Herz. Zuerst die Mammoth-Schwefelquelle ganz im Norden. Weiße Felsen wie in der Türkei…überall blubbert es, und das Wasser brodelt über orange und grüne Algen. (mehr …)

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Running on empty

1207
2007
Do
23:36
Tag
34
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Bisher gab’s ganz wunderbare Zeichen. Immer wieder sagte mir die Musik im Radio, dass ich genau zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort bin. Letztes Beispiel hierfür war gestern: Ich fahre mit Jeff an den höchsten Abgründen der Badlands entlang. Musik im Radio: Aerosmith, Living on the Edge. Heute kam zum ersten mal nicht die passende Musik.

Ich breche nach einem kurzen Abschied von Renee und Jeff auf. 50 Meilen hinter Rapid City denke ich mir: Hm, die Straße ist ganz schön holprig. Aber sieht gleichzeitig sehr eben aus. Nach einer Meile halte ich an: Der rechte Hinterreifen ist platt. Im Radio lief nicht Jackson Brown, Running on empty. Sonst hätte ich’s früher geschnallt. Ich wechsle zum Notrad. (mehr …)

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Badlands & Mount Rushmore

1107
2007
Mi
22:44
Tag
33
2537 views

Jeff nimmt sich extra den ganzen Tag frei. Will mit mir durch die Badlands und Black Hills touren. Ich fühle mich sehr geehrt. Nach einem echten amerikanischen Frühstück mit ca. 1,5 Tonnen Omelett brechen wir gegen acht Richtung Badlands auf. Jeff besteht darauf, mein Chauffeur zu sein. Ich nehme dankend an. Die Landschaft wird schnell immer unwirklicher.

Nach einer Stunde kommen wir in den Badlands an und drehen ab auf eine Schotterpiste. Direkt am Straßenrand grasen Büffel und geben Töne von sich wie brünstige Harleys. Tausende von kleinen Hügeln sind gekrönt von jeweils einem senkrecht stehenden Erdmännchen. (mehr …)

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From Lusk till dawn

1007
2007
Di
22:43
Tag
32
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Diese Nacht weckt mich niemand. War nötig, dringend. Am Morgen fahr ich einkaufen, packe meine Sachen. Koche Jordan was als Dankeschön. Ebenfalls dringend nötig. Studenten halt, wissen was gut ist, aber können nicht kochen. Er freut sich und verdrückt Unmengen an gefüllten Zucchinis. Um halb zwei brech ich verspätet auf.

Ich fahre an der Ostflanke der Rockies entlang nach Norden. Rechts die letzten Ausläufer der Great Plains mit ihren Sandhügeln. Ab Wyoming seh ich erstmals reinrassige Prärie mit golden scheinenden Gräsern und sanften Hügeln. Die Sonne beleuchtet immer wieder nur einzelne Flecken und verstärkt das Glühen noch. (mehr …)

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Denver & Rocky Mountains

0907
2007
Mo
23:51
Tag
31
2476 views

In der Nacht weckt mich ein volltrunkener Mitbewohner von Jordan, meinem Host in Denver, mehrfach auf. Am nächsten Morgen bin ich noch mehr hinüber als am Abend zuvor. Ohne Frühstück schwing ich mich ins Auto. Jordan sagte: Rocky Mountains dauert eine Stunde mit dem Auto. Bei mir werden’s allein bis zum Eingang des Rocky Mountain National Parks 2,5 h. Die Straße durch den Park geht auf 82 Meilen bis auf über 3600 Meter rauf.

Anscheinend enden alle Trails nach wenigen hundert Metern. Nirgends richtige Wanderrouten. Amis fahren wohl alles mit dem Auto. Ich reihe mich in die Schlange ein und fahre in 2 Stunden bis auf die höchsten Gipfel. (mehr …)

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Nebraska & das Ende der Welt

0807
2007
So
23:16
Tag
30
2778 views

Am nächsten Morgen brech ich wieder früh auf. Wieder ein Highway gen Süden. Wieder schnurgerade. Über 30 Grad. Die Landschaft ändert sich. Ab Nebraska gibt’s nur noch Mais und Rinder. Auch die Radiolandschaft ändert sich: nur noch Country-Gefiedel. Zur Rechten wird es flankiert von Jesus-News, zur Linken von neoapostolischem Gott-Rock. Viertelstündlich fein säuberlich strukturiert durch skurrilste Spots gegen Schwangerschaftsabbruch und Drogen. Die heilige Dreieinigkeit der Hirnpürierung, Halleluja!

Nebraska ist wirklich ein komisches Land. Super kostet deutlich weniger als Normal. Eine Meile zu schnell kostet 100$. Ich komme bei meinem neuen Host Kim in Kearney an. Am Abend gehen wir in ein richtig feines Steakhouse mit angeschlossener Hausbrauerei. (mehr …)

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South Dakota

0607
2007
Fr
23:38
Tag
28
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Am Morgen genieße ich noch etwas entspanntes Arbeiten im Designerstuhl. Gegen 10 mach ich mich auf den Weg nach South Dakota. Es ist heiß. Die Interstate geht über knapp 400 Meilen schnurgerade nach Süden. Nach nur einer Stunde werd ich müde. In Deutschland trink ich eine Tasse Kaffee und kann dann 8 Stunden lang nicht schlafen. Hier trink ich nen halben Liter Kaffee und bin nach einer halben Stunde schon wieder müde. Der Kaffee wirkt fast so heftig wie Quellwasser – fast. Woher zum Teufel kommt die Farbe?

Ich mach mehrfach Kaffeepause – keine wirkt. Ich spiele gelangweilt an den letzten unbekannten Knöpfen im Auto rum – und entdecke dabei die Cruise Control. Nein! Worst Case… Ab sofort ist auch noch mein rechter Fuß überflüssig. (mehr …)

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Quelle des Mississippi & Grand Forks

0507
2007
Do
21:09
Tag
27
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Die letzten Tage bin ich immer wieder über diesen komischen Fluss gefahren, ungeplant. Erst war er medium, dann immer kleiner. Ich studiere etwas und stelle fest: Bemidji ist gerade mal 30 Meilen von der Quelle des Mississippi entfernt. Ich mach mich früh auf den Weg und komme im Lake Itasca State Park noch vor den Touristenströmen an. Ich bade mitten im Mississippi, zwei Meter von beiden Ufern entfernt. Als Quelle erachtet man den Abfluss aus dem Itasca-See. Ständig schieben sich hässlichste, fette, verwahrloste Menschen vor meine Linse. Ich bin kurz davor mich lauthals über das krasse Gegenüber von reinster Schönheit und abgrundtiefer Hässlichkeit zu beklagen, als ich endlich nen ungestörten Schuss abfeuern kann. (mehr …)

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Land der tausend Seen

0407
2007
Mi
23:55
Tag
26
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Heute hab ich ganz Minnesota durchquert. Der Beiname stimmt. Nichts außer Seen und Wald. Man weiß oft nicht, wo der See anfängt und wo der Wald aufhört. Die ganze Landschaft erinnert mich sehr an Finnland. Nur viel weiter. Irgendwann war hier mal Eis. Und das Wasser ist einfach dageblieben. Die Straßen sind unendlich lang unendlich gerade.

Ich fahr wie gewohnt mit 70 Meilen durch die Gegend, als ich plötzlich etwas sehr bedrohliches am Horizont wahrnehme: Die Straße verschwindet nicht einfach im Himmel. Sie scheint seitlich zu verschwinden. Der ungewohnte Anblick fördert den Schweißfluss meiner gemütlich im Nacken verschränkten Hände. Was ist das? (mehr …)

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Stay alive on route 55

0307
2007
Di
23:46
Tag
25
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Am nächsten Morgen regnet’s in Strömen. Ich fahr nach Green Bay, es klart auf. Zuerst Highways. Am Straßenrand totes Tier, geplatzter Reifen, totes Tier, im regelmäßigen Abstand von einer Meile. Dann weiter auf Landstraßen. Dafür hab ich das Auto geliehen. Ständig muss ich bremsen für Biber, Füchse, Fasane, Rehe. Habichte kreisen in thermischen Aufwinden. Gelbe Schilder warnen vor fremdartigen Tieren (s.rechts) Es ist heiß und feucht kurz vor Kanada.

Ich fahre durch einige Indianerreservate. Kasinos, Tanken, Tabak-und Alco-Shops. Alles billiger als außerhalb der Reservate. Die Rache des roten Mannes, endlich. Auf allem steht der Stammesname: wir sind. (mehr …)

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Sitting on the dock of the bay

0207
2007
Mo
23:11
Tag
24
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Mittag fährt mich Carrie zum Flughafen, ich krieg endlich mein Auto. War noch nie so glücklich über ein Auto. Während Carrie sich nach Hause verfährt, find ich sogar ohne Karte hin. Das macht mich tollkühn. Ich mach noch ein Essen, verabschiede mich und bretzel los Richtung Madison. Nach nur 4 mal Fragen hab ich den Lake Minona gefunden. Hier stürzte im Dezember 1967 Otis Redding mit nem Flugzeug ab. Ich hör Sitting on the dock of the bay, flöt ein bisschen mit und ärgere Enten mit Kirschkernen. Und seh ein, dass ich mir nen Atlas kaufen muss.

Trotz Atlas verlier ich so oft den Weg Richtung Green Bay, dass ich schon überleg, einfach Road Trip zu machen: ohne Ziel, einfach fahren. Dann ärgert man sich wenigstens nicht darüber, ständig falsch zu sein. (mehr …)

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Einschlag in Milwaukee

0107
2007
So
23:55
Tag
23
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Am nächsten Morgen holt David gleich zwei weitere Gäste für sein Hospitalilty-Club-Hotel ab. Zwei Franzosen, die gerade ein Jahr in Toronto Politik und IT studiert hatten. Wir gehen noch schnell in den Lincoln Park Zoo. Am Nachmittag wieder heim. Ich pack mein Zeug und trage ein letztes mal 45kg durch die Gegend.

Einige Menschen rennen im Transfertunnel am Loop, um die nahende Blueline zu erwischen. Ich hätte gar nicht rennen können mit all dem Zeug. Also geh ich. Und komm auf den letzten Dücker in die Blueline. Hätte ich die verpasst, wär ich 12 Minuten später am Greyhound gewesen. Und damit 4 Minuten zu spät. So erwische ich den Bus grad noch. (mehr …)

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