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Ripping the Milford Sound

Hatte ich vorgestern irgendwas gesagt wie „ich hab am schönsten Ort der Welt gekitet“? Ich Thor! Aber wer hätte sich denn auch schon einen Tag wie den heutigen vorstellen können? Ich nicht. Aber von vorne:

Zwei schöne Tage in Te Anau. Eine kleine Tour über 40km Schotterpiste zu den Mavora Lakes. Eine nette Schweizerin begleitet mich. Ich halte an, um ein entflohenes Schaf zu jagen. Ich wollte unbedingt ein Schaf scheren in Neuseeland. Ein Kiwi hatte sich schon erkundigt: ist für Ausländer leider zwecks Seuchenkontrolle verboten. Dann eben heute, privat und ohne Rasierer: rupfen. Als das Schaf panisch in einen elektrischen Zaun rennt, hört für die eigentlich sehr lustige Schweizerin leider der Spaß auf. Ich muss den Plan erfolglos aufgeben.

Tags darauf machen wir beide unsere Sounds: Andrea im Süden Doubtful Sound per Kajak, ich fahre rauf in den Milford Sound im Norden. Hab noch das letzte freie Bett in der einzigen Lodge ergattert. Die Anfahrt ist ein wenig wie durch Nordslovenien. Einsame grüne Auen zwischen steilen Granitbergen und dunklen Wäldern. Viele Busse halten immer wieder alle an den gleichen Stellen an. Ich bin sehr froh, dass ich alleine an anderen Stellen anhalten kann.

Überhaupt: warum muss man unbedingt in den Milford Sound? Manche Reiseziele kommen mir so vor wie diese schräge Sparkassen-Werbung: mein Haus, mein Auto, mein Swimmingpool, mein Pferd. Auf Touristisch: Mein Hofbräuhaus, mein Eiffelturm, mein Grand Canyon, mein Milford Sound. Gibt’s so wenig wirklich schöne Orte auf der Welt? Sicher nicht. Meine Theorie: wenn der typische Tourist sich mit seinesgleichen nicht über die selben Orte auslassen kann, fühlt er sich so, als hätte er überhaupt nichts gesehen.

Milford Sound, ich komme! Also hässlich isser ned. Aber wie immer: keine Ahnung, warum jeder her muss. Andere Orte sind auch schön. Vor allem schön leer. Ich checke in der vollen Milford Sound Lodge ein. Das Zimmer ist noch belegt, also fahr ich noch 2 km weiter an den Sound. Aber der große Parkplatz ist auch vollkommen belegt. Wieder zurück und stoppen.

Ein Cafe. Grübeln. Mein Knie jodelt immer noch, und das in der Mitte der weltschönsten (und vollkommen ausgebuchten) Wanderwege. Was tun? Im alten Flussdelta gehe ich an den Milford Sound heran. Hier weht sogar Wind. Ähhh…Wind?

Grinsen: Der Nationalpark, Erbe der Menschheit, Heiligtum einer atheistischen Gesellschaft. Rechts ein Hafen mit im Minutentakt einlaufenden Schiffen, links ein Flughafen mit ähnlicher Frequentierung. Ach ja, im Wasser: viele mächtige angespülte tote Bäume. Gäb’s irgendeinen Ort, an dem Kitesurfen noch blöder wäre?

Während ich mich frage, ob man die Strafe für einen Kiteversuch hier auch ohne Red Bull als Sponsor zahlen könnte wird der Wind immer stärker und mein Grinsen breiter. Der Plan ist gefasst.

Rest des Nachmittags: Passenden Startplatz suchen und nach Gefahren abchecken. Authoritäten konsultieren: Lodge und Kajakverein sagen: mach doch. Ich kann’s kaum glauben. Geh in den Hafen. Hafenmeister gibt grünes Licht, solange ich aus der Fahrrinne bleibe. Im Flughafentower fragen sie nur wie hoch ich springe. Und meinen dann, ich solle einfach außerhalb der Startschneise bleiben. Damit bleiben mir 250m zwischen Hafen und Flughafen. Rip it!

Ich glaube bis jetzt nicht, dass der Rest des Tages legal war. Zumindest das Department of Conservation hätte mir ganz sicher was aufgebrummt. Aber die sind sooo weit weg :-)

Ich organisiere einen Starthelfer, schmeiß das Zeug ins Auto, ab an den Sound. Raus damit an den felsigen Strand. Alles doppelt checken. Der Wind steht jetzt mit sehr gemein böigen 20 bis 30 Knoten voll onshore an. Dann geht’s raus.

Viel zu sagen gibt’s nicht: Bis der Wind 30 Minuten später vollkommen verratzt hab ich den spektakulärsten Kitesurf-Ritt meines Lebens. Gar nicht schnell. Keine Sprünge. Keine Crashs. Ganz einfach nur ich und der Milford Sound. Hat ihn vor mir schon mal jemand geritten oder hätte ich Red Bull anrufen sollen?



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3 Kommentare zu “ Ripping the Milford Sound ”

Ein schöneres und spektakuläreres Erlebnis nach dem anderen. Kannst Du Dich hier wieder zurecht finden? Wundervolle Landschaften und tolle Fotos. Danke, Frank.

Kommentar von Carin am 10.1.2008

Hey war genau in der gleichen Situation. Sah sehr verlockend aus mit den Schaumkronen! War mir dann aber doch zu riskant mit Flugzeugen, Fähren, wenig Platz… Beneide dich trotzdem, muss einer der schönsten Plätze sein wo man kiten kann.

Kommentar von Uli am 31.3.2008

Hammer. Mir stehen 9 Wochen Kitesurf-Sabbatical in Neuseeland bevor. Danke für´s Potenzieren der Vorfreude auf viele Kitesurf- und Reise-Abenteuer :)
Rock on,
Britta

Kommentar von Britta am 27.12.2011

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