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Mount Taranaki

Irgendwie entwickle ich allmählich ein gewisses Faible für schwere körperliche Ertüchtigung nach kurzen heftigen Nächten. Diese Nacht war wieder sehr kurz, der Schädel recht trübe am Morgen. Wir checken aus dem Hostel aus und machen uns gegen 10 Uhr auf den Weg zum nahen Mount Taranaki / Mount Egmont. 2500m Vulkan steigen direkt aus dem Meer in den Himmel.

Schon die Anfahrt ist ehrfurchtgebietend. Nach einer halben Umrundung kommen wir gegen Mittag auf dem obersten Parkplatz auf knapp 1000m an. Wir sind leider etwas zu spät für einen Komplettaufstieg. Dazu braucht man ab 2000m hochalpine Ausrüstung, weil das Ding ganz oben immernoch vergletschert ist. Auf wackeligen Beinen machen wir uns auf den Weg.

Wir durchschreiten etliche Vegetationszonen. Erst Regenwald, Dschungel, Farne. Überall Moos, relativ kühl und feucht. Die Kiwis haben den gesamten Wanderpfad in einen einzigen Stairway to Heaven ausgebaut. Tausende von Stufen führen auf bis zu 1600m. Kerstin scheidet leider schon nach einer guten Stunde zwecks drohendem Sonnenstich aus. Sie brennt wirklich ordentlich. Ich bin schnell platschnass.

Nach der Buschvegetation folgt vulkanische Steppe ab ca. 1400m. Stufen und Steige helfen die 45 Grad Steigung zu bewältigen. Danach kommt der happigste Teil: ca. 300 Höhenmeter loses vulkanisches Geröll, 100% Steigung. Jeder Schritt nach oben ist ein halber nach unten. Von oben fallen immer wieder Steine herab, die Schritte der Vorgänger stauben mich im starken Wind ein.

Susi springt wie eine Bergziege nach oben. Allgäuer halt. Ich keuche schwindelnd bis auf die Sattelhöhe. Starke Sturmböen haben mich erstens sauber getrocknet. Zweitens meine Kappe vom Winde verweht. Und mich drittens einige Male beinahe wieder rückwärts das Geröllfeld hinuntergeblasen.

Die Sicht ist gewaltig auf 2000m. Ich springe noch schnell einen halben Kilometer über den Sattel und einige Schneefelder, dann sehe ich das Meer. Der Sturm steht hier mit über 80km/h an. Weiter geht’s nicht ohne Winterzeug. Ich bin glücklich. Wieder breites Grinsen. Auf dem Rückweg bemerke ich den fast 150km entfernten Mount Ruapehu, einer der zwei anderen mächtigen Vulkane auf der Nordinsel.

Der Rückweg über das Geröllfeld ist eine Mordsgaudi. Mord weil wenn fallen, dann tut’s richtig aua. Gaudi, weil so vermutlich BigFoot-Skifahren erfunden wurde. Das Geröll ist so locker, dass man darauf nach unten surfen kann, und das geht recht fix. Susi stürmt danach mit einem Affentempo die paar tausend Stufen den Berg hinab. Wir machen 1000 Höhenmeter in weniger als einer Stunde und fahren um fünf wieder zurück nach New Plymouth.

Russell hatte uns eingeladen, was wir gerne annehmen. Um diese Uhrzeit sollte ja schliesslich das Chaos beseitigt sein (sorry, Russ:-). Wir kochen ein massiven Nudelauflauf, quatschen noch etwas mit den Leuten in Russells WG. Ich arbeite, aber die Zeit reicht nicht. Werde eine Reisepause machen müssen. Wir unterzeichnen Russells Couch und fallen tot ins Bett. Langer Tag.



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