Lausigkite & Taupo Hot Tubs

2911
2007
Do
23:14
Tag
174
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Hab ein paar Tage frei gemacht für Arbeit. Die Mädels wollen den Tongariro-Crossing machen. Also ziehen wir nach Turangi am südlichen Ende vom Lake Taupo. Die Strasse geht mitten durchs Kernland der Nordinsel. Über lange Strecken Schotterpiste. Nennen tut sie sich „The Forgotten World Highway“. Könnte mir keinen passenderen Namen vorstellen.

Früh morgens bring ich die Mädels zum Start vom Tongariro-Crossing rauf in den Nationalpark. Binnen nur zwei Wochen ist ordentlich Schnee geschmolzen auf dem Vulkan, auch das Wetter ist deutlich besser. Schon vom Start aus sieht man Mount Taranaki 150km weiter an der Küste. Die Besuchermassen werden auch mehr. Heute sind bestimmt schon 200 Leute vor 8 Uhr am Start.

Am Vormittag muss ich einiges Webdesignen. Nach meinen ersten Arbeiten fragt mich der Besitzer des Hostels nach meinen Referenzen. Die gefallen ihm, und 30 Minuten später hab ich noch eine neue Homepage zu erstellen. Am Nachmittag ist der Entwurf fertig, ich hol die Mädels ab. Noch einen Tag entspannen.

Dann geht’s weiter nach Taupo. Der Wind am Lake Taupo hackt im 10 Sekunden-Takt wechselnd zwischen 0 und 60km/h. Lausigkite: Der lausigste Wind, den ich jemals gekitet hab. Trotzdem geht’s halbwegs. Der Vegas ist ein echter Böenkiller, ich verliere nie die Kontrolle. Mit meinem alten Nitro hätte es mich schlichtweg zerfetzt in diesem Wind. Am nächsten Tag ist der Wind ziemlich gleichmäßig aber leider onshore und zu schwach. Reicht nicht aus, um vom Ufer wegzukommen. Die kürzesten Downwinder aller Zeiten. Ich brauch endlich den richtigen Wind.

Abends fahr ich mit einem netten Stuttgarter zu den Taupo Hot Tubs. Es gibt immer und überall neues wunderbares zu entdecken, egal ob man schon da war, oder nicht. Die Hot Tubs werden gespeist aus natürlichen heißen Quellen. Ganz oben ist’s richtig heiß, jedes Becken nach unten ist etwas kühler. Ganz unten springt man in den kalten Fluss. Wir trinken Bier, rauchen eine Rette und schauen einer vereinzelten durch den Sonnenuntergang orange leuchtenden Wolke beim ziehen zu. Best things in life are for free.

Neuseeland ist deutscher als Deutschland. Wenn ich jetzt noch ein paar Türken finde, kann ich wieder heimgehen. In jedem zweiten Hostel ist die Deutsch-Quote über 50%, in manchen deutlich höher. Im Supermarkt gibt’s Schnitzel zu kaufen. Das Bier schmeckt wie in Bayern. Manche Sorte wird’s garantiert nie bis nach Deutschland schaffen – „Speights“ zum Beispiel.

Das Land sieht – mal von den Vulkanen und Palmen abgesehen – exakt aus wie die bayerische Voralpenlandschaft. Kiwis – wenn man sie mal trifft vor lauter Deutschen – sind fast genauso aufs Maul gefallen und teils rotzig wie Bayern. Aber wehe du überlebst das erste Bier mit ihnen – dann dauert’s lang.

So wie am nächsten Tag mal wieder. Die Mädels gehen nach Rotorua, ich such nochmal den Wind in Mount Maunganui. Wieder nix. Im Mount Backpackers Hostel steigt eine Höllenparty. Es wird gelärmt, getanzt, das halbe Hostel zerlegt. Um zehn sind erstmals die Nachbarn da. Ich halt mich aus allem raus, die Weltreisenden sind mir zur Zeit alle zu jung und zu besoffen.

Ich schaue einen Film mit viel Feuer an. Auf einmal kommt eine besoffene Hostelangestellte in den Dorm. Drückt mir eine Telefonkarte in die Hand und lallt: „Wenn Feuer is 111 wählen“. Ich kann nicht anders, muss mal wieder grinsen. Ach ja, für diesen Dienst gibt’s jetzt erst mal eine Nacht Internet umsonst :-). Auf in die Schlacht.

Neue Seite heute: www.einsteinstheorie.eu. Forum wider der Dummheit

Am Morgen um sechs sitz ich am Strand und schau den ersten Surfern in netten zweieinhalb-Meter-Wellen zu. Der Sonnenaufgang ist unbeschreiblich. Vor allem nach dieser Nacht. Ich hab gearbeitet, während das ganze Hostel im kollektiven Alkoholwahn versank. Um 22 Uhr kommt der erste Nachbar. Um 23 Uhr der nächste.

Bis drei juxt die lokale Jugend mit ihren Tuningkisten um den Block. Ihre Maschinen sind so mächtig, dass sie mit einem Gasstoß am richtigen Ort naheliegende Autoalarmanlagen auslösen können. Gut, dass selbige immer nur 3 Minuten laufen. Schlecht, dass die Jugend für eine Runde um den Block nur 5 Minuten braucht. Es werden viele Runden.

Um drei Uhr kommen die ersten Zombies heim. Die Musik geht wieder laut an. Ich bitte bis fünf ein paar Mal um Ruhe. Es wird jedesmal lauter. Einer pisst auf die Veranda, bevor er sich entschließt, hinter mir zu schnarchen. Ein besoffener Engländer liegt auf dem Boden vor der Tür und kann nicht mehr aufstehen. Ein deutscher Rotzlöffel fragt mich, den Entspannungszigarettenraucher „Ey, bro, was geht’n Alter?“. Schlecht, ganz schlecht. Ich rate ihm, ins Bett zugehen, wenn er morgen noch eines haben will.

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