Hängenbleiben

0511
2007
Mo
20:33
Tag
150
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Pete, der Anti-Ami schließt sich uns an. Durch den Regen ziehen wir nach Central Auckland um ein Auto zu mieten. Soll ein Zeichen sein: heute kein Auto. Keine Bewegung. Seit Tagen das gleiche. Feiern bis zum Umfallen. Ich bin dessen sehr müde. Bleib nicht draußen, aber auch nicht richtig drin. Ich bin nicht auf Weltreise, um mich langsam aufzulösen. Ich suche Kristallisationspunkte.

Ich verliere Geld bei Roulette im Casino und gewinne jedes Pokermatch, solange es um Bier geht. Neuseeland feiert unterdessen den dritten Tag ein altes Attentat auf das Englische Parlamament. Mit Feuerwerk. Lisa und Marc hängen über der dritten Tequila-Flasche. Ich versuche zu bremsen wo’s geht. Aber irgendwann geb ich auf. Sie müssen selber den Boden finden.

Einstweilen versuche ich das Beste aus meiner großen Reise zu machen und ziehe nach fünf Monaten eine Zwischenbilanz. Ich habe wunderschöne Orte gesehen. Ich fange an, auf der Erde zu leben, nicht irgendwo in Deutschland. Überall. Das Gefühl ist gut. Zu sehen, wie wenig man wirklich braucht. Anfangs erdrückte mich das Gewicht meines Gepäcks. Jetzt ist die Hälfte weg, und selbst davon könnte ich nochmal die Hälfte hergeben. Zu sehen: Heimat ist, was man in sich trägt. Trägt man das richtige, ist sie überall.

Menschen kommen und gehen. Manche kommen nur um zu gehen, andere gehen um wiederzukommen. Der Unterschied beider Gruppen ist unendlich groß und manchmal schön, manchmal grässlich.

Manche tragen ihren Gott ganz tief in sich drinnen, während andere alles tun, um ihn auszukotzen. Am Morgen stellen sie dann manchmal fest, dass er nie drinnen war. Was trotzdem kein Grund sein muss, nochmal auf die gleiche Art zu probieren, selbigen zu visualisieren. Vielleicht ist es sogar trotzdem nicht vergeblich.

Ich bin mir chronisch unsicher, wer zu welcher Gruppe gehört. Aber ich werde es rausfinden. Vermutlich irgendwo ganz weit weg. Andere Menschen braucht’s dazu nicht.

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One Comment

Peter

Hallo, Frank, Deine Lebensphilosophie beeindruckt mich. Seit Deiner Reise erlebe ich immer neue Gesichter an Dir. Obwohl ich nicht Dein leiblicher Vater bin, bin ich stolz auf Dich, Peter

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