Go east, life is peaceful there

0612
2007
Do
13:12
Tag
181
2198 views

Das East Cape ist die einsamste und ruhigste Ecke der ganzen Nordinsel Neuseelands. Eine Broschüre weist auf alle touristischen Attraktionen hin. Unglaublich: An den Stränden hier kann man schwimmen, picknicken und fischen. Aha. Es gibt Flüsse, auf denen man Jetboat fahren kann. Wenn man eines hat. Ach ja, und Pferde reiten kann man. Das war’s dann auch schon.

Die Landschaft ist wild, direkt hinter der Küste steigt das Land steil an. Das Meer bricht hart auf Lavafelsen. Die einzige Tankstelle auf 100km ist fast unsichtbar, eine Zapfsäule in der Mitte vom Nirgendwo. Direkt danach: Pferde, Schafe, Kühe. Auf der Straße und daneben. Der Himmel hängt tief in den Küstenbergen. Das Geräusch eines nahenden Autos erschreckt mich.

Die letzten 20km zum östlichsten Punkt Neuseelands sind wieder Schotterpiste. Am East Cape steht der östlichste Leuchtturm der Welt. Wir steigen die 757 Stufen in einer steifen Brise nach oben und machen Mittag. Vollkommene Ruhe am östlichsten Punkt der westlichen Welt.

Danach folgen wieder 100km einsame Landstraßen. Wir kommen durch Dörfer, dessen Namen man weder sprechen noch sich merken kann, und es ist auch nicht wichtig, denn niemand kennt diese Namen. Wir waren einfach da. Das erste Hostel nach dem East Cape gefällt uns nicht, also fahren wir weiter bis zur nächsten Siedlung die keiner aussprechen oder sich merken kann.

Brians Place ist ein nettes kleines Hostel über einer wilden Bucht. Schlafkojen unter dem Dach. Der Regen plätschert, das Meer rauscht, Zigaretten qualmen, Bier raucht und mein Laptop surft am Modem. Im „Stadtzentrum“ gibt es ein verfallenes Bankgebäude von 1928. Morbis, verlassen und verfallen. Ich warte auf Bonnie und Clyde, aber die haben sich wohl auf dem Weg hierher verfahren.

In der Tolaga Bay liegt der längste Bootssteg der südlichen Halbkugel. Er erstreckt sich 660m ins Meer und endet im Nichts. Seit 80 Jahren verfällt er im Salzwasser und Regen. Der verrostete Armierungsstahl hat den Beton schon vor langem gesprengt.

Unser nächstes Tagesziel ist Gisborne, die erste Stadt nach 300km Einsamkeit an der Ostküste. Die Unterkunft ist ein altes Nonnenkloster. Für den Webdesigner ist das Kloster der Himmel: WLan, umsonst und 24 Stunden täglich. Es soll hier spuken, sagen viele Angestellte.

Die Umnutzung des Klosters könnte nicht witziger ausfallen. Nonnen: Zölibat, Enthaltsamkeit, Gebete, Erleuchtung. Hostel: Kondomautomat am Klo, hohe Promiskuitivitätsrate. England säuft wie immer während Argentinen ein nettes Eimerchen konsumiert.

Wir schauen uns auf dem Zimmer einen Film an. Ein Schwuler singt die amerikanische Nationalhymne in den Hintern des zweiten. Selbiger praktiziert in Nahaufnahme beeindruckende Techniken am Dödel des dritten. Oder etwas religiöser ausgedrückt: Jerichos Mauern fallen durch Posaunen-blasende Engel. Köstlich :-)

CIMG4626
CIMG4610
CIMG4621


Rate it!

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.