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Far North und Cape Reinga

Wir brechen früh auf, vier Menschen, zwei Autos. Unser erstes Ziel ist wohl der einzige Ort auf der Welt, an dem man ungestraft und intellektuell vollkommen einwandfrei auf Kunst scheißen kann. In Kawakawa verbrachte Hundertwasser seine letzten 16 Jahre, und hinterließ eine öffentliche Bedürnisanstalt.

Allgäu heizt gerne, drängelt noch obwohl ich schon gut schüre. Später sagt sie, sie möchte mal in einem Rennauto fahren. Ich muss grinsen. Durch das nördliche Northland geht’s Richtung Ende Neuseeland. Wir durchqueren auf achterbahnartigen Straßen die letzten Kauri-Urwälder. Cédric ist es da schon lange schlecht. Alle sind etwas angeschlagen von gestern, was einige Zwangsstops erfordert.

Nach zwei Stunden kommen wir am Ninety-Mile-Beach an. Der Wind steht onshore mit 10 Knoten an. Zu wenig zum kiten, aber genug um den Vegas zum ersten Mal anzutesten. Beim ersten Start reißt er die Pumpe mit nach oben. Aus 10m Höhe fällt sie runter und stirbt einen grausamen Tod. Ich mach mich mit dem Kite vertraut, lass mich etwas über den Strand ziehen, dann geht’s weiter.

Wir quartieren uns in einem kleine Farmstay-Hostel in Pukenui ein. An der Tür hängt ein Schild: „Welcome! Move your stuff in, all beds are free. I’ll be back in the evening.“ Machen wir, und fahren in einem Auto weiter nach Cape Reinga.

Kurz vor dem Ende der Nordinsel liegen die höchsten Sanddünen Neuseelands auf dem Weg. Eine Schotterpiste bringt uns zum Fuß der Sandalpen. In der späten Nachmittagssonne glühen sie zwischen alten grünen Wäldern und der blauen Tasmansee.

Wir leihen uns Bodyboards aus und rennen den Bergen entgegen. Die Steigung ist mächtig und lang, der feine Sand rutscht sofort nach. Oben angekommen sieht das Gefälle noch bedrohlicher aus als von unten. Cédric fliegt als erster. Mit dem Bodyboard kommt man leicht auf 30kmh. Nach mehreren Ritten gehen wir ausgepowert über weitere Dünen Richtung Meer. Alles ist leer, frei und wunderschön. Zuletzt erinnern wir uns an die Warnung, nicht im stehen zu rodeln. Müssen wir natürlich ausprobieren. Endet mit einigen spaßigen Stürzen.

Danach geht’s weiter ans letzte Ende von Neuseeland. In Cape Reinga steht ein alter Baum draußen auf der letzten Klippe, hinter der sich Tasman See und Pazifik vereinen. In der Maori-Legende ist das der Ort, an dem die Seelen der verstorbenen ins Meer eintauchen und auf die Reise zu den Ahnen gehen.

Wir sind fast alleine in Cape Reinga. Vögel, Grillen und der Sonnenuntergang. Schweigend sitzen wir auf der letzten Klippe und sehen den Meeren beim kämpfen zu. Frieden. Ich lasse zwei Seelen hier. Sollen woandershin weiterziehen. Besser so.



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1 Kommentar zu “ Far North und Cape Reinga ”

Endlich wieder kann ich in voller Ruhe und mit Genuss Deine außergewöhnlichen Berichte lesen. Verrätst Du mir wann der Sand anfängt zu fliegen? Vergiss es nicht.Überall auf der Welt kommt nach Regen Sonnenschein.

Kommentar von Carin am 21.11.2007

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