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Die Betonwelle & ein Richtungswechsel

Der dritte Tag in Nelson bringt endlich alle meine Träume: bis zu 60 km/h Wind, side-onshore und sehr stabil. Die Wellen sind bis zu 1,5 m hoch und manchmal genauso nahe beieinander. Ich war noch nie bei solchen Bedingungen draußen. Etliche Male nehme ich Wellen im falschen Winkel zum falschen Zeitpunkt und werde ordentlich gewaschen. Der Rest ist Springen, Springen, Springen.

Nach über zwei Stunden auf dem Wasser wird der Wind noch stärker. Ich spüre meine Knie kaum mehr, hab aber immernoch Spass. Dann schätze ich eine große Welle falsch ein. Ich knalle in sie fast frontal und mit hoher Geschwindigkeit rein – genau als sie sich bricht. Das Gefühl ist, wie gegen eine Betonmauer zu fahren. Kurz darauf merke ich, dass bei der Aktion mein Trapez gerissen ist.

Am nächsten Tag finde ich einen Segelmacher, der das Trapez günstig flicken kann. Verpassen tu ich nix. Es regnet zwei Tage nonstop. Die Kinder im Hostel führen sich ziemlich übel auf und saufen wie die Deppen. Susi macht den Abel Tasman Trek mit einem Freund, Kerstin ruht sich aus und ich arbeite.

Ich brauch einen Richtungswechsel. Das Reisen mit den beiden Mädels war schön, aber auch zu entspannt. Keine Herausforderung bedeutet für mich immer vom rechten Weg abdriften und zu viel grundlos feiern. Ich brauch wieder Gründe, etwas zu feiern. Die werde ich mir in den nächsten 10 Tagen basteln.

Der Plan: ein drastischer Richtungswechsel von Bequemlichkeit auf lange Wanderschaft. Fast 140km Trekking durch die Nordwestecke der Südinsel Neuseelands. Herausforderungen suchen. Ich habe heute meine Ausrüstung komplettiert und Essen für 10 Tage gekauft.

40km weiter beginnt der Abel Tasman National Park, wohl eines der schönsten Naturschutzgebiete der Welt. Ich werde den 60 km langen Trek von Marahau an der Küste entlang nach Pohara in drei Tagen machen. Danach einen Tag Pause am Nordende und weiterziehen in die Golden Bay nach Collinwood, dem Ende der Südinsel.

Von dort aus kommt dann der happige Teil. Der Heaphy Trek geht über 82 km durch die absolute Pampa. Keine Häuser, keine Straßen und nur einige wenige Hütten ohne Gas und Strom. Über die nördlichen Ausläufer der Neuseeländischen Alpen geht es auf einem alten Maori-Jade-Pfad rüber an die Westküste. Die Hütten stehen zu dieser Zeit fast komplett leer, ich werde wenigen Wanderern begegnen.

Am 29.12. sollte ich an der Westküste ankommen. Danach werde ich über Silvester einige Tage Pause machen in Westport. Den Großteil meines Gepäcks lasse ich hier in Nelson zurück. Ich hoffe, dass ein netter Österreicher mein Gepäck einsammelt. Wenn nicht, muss ich nochmal 460km zurück.

Ich wünsch euch allen daheim schon mal ein frohes Fest! Feiert schön, habt Gründe, genießt den Schnee! Kommt gut rüber ins neue Jahr und ehret die guten Vorsätze.



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