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155km/h am 90 Mile Beach

Auf einen tollen Tag muss ein schlechter folgen. Aber wer hält sich schon an Regeln hier? Wir brechen früh auf, mit einem Auto. Zuerst etwas nach Norden, und dann über herzlich gut versteckte und vergatterte Pfade nach Westen zum 90-Mile-Beach. Maoris weisen uns den Weg. Die letzten Meter gehen durch knöcheltiefen Sand und einen kleinen Fluss. Jeep? Pah, Toyota Starlet!

Der Ninety-Mile-Beach ist nicht so lang wie sein Name vermuten lässt. Aber unendlich breit, jetzt bei Ebbe. Der Sand ist fest und sehr eben. Irgendwann hatte ein Kiwi hier einige Jahre lang den Hochgeschwindigkeits-Weltrekord mit 264km/h inne. Ein paar Maoris gurken mit dicken Jeeps und hundert Angeln rum. Wir haben anderes vor.

In jedem Mietvertrag für Autos in Neuseeland steht rot gedruckt, dass nicht asphaltierte Straßen verboten sind. Nun muss man wissen, dass dies ca. 25% aller Straßen in Neuseeland betrifft. Ganz schön dreist, oder? Auf dreiste Regeln sollte man dreiste Fragen stellen. Solche wie z.B. “Ist ein Strand auch eine nichtasphaltierte Straße?”. Wir einigen uns auf ein einstimmiges “Nein.”.

Das Resultat ist pure Lebensfreude. Wo auf der Welt könnte man schon mit dem Auto 60km am Strand entlangheizen? Wo und wie könnte man “Neuseeland” auf die Erde schreiben, in einer Größe, dass es selbst die Astronauten auf der ISS ohne Brille lesen könnten? Macht auch Meerwasser Autos sauber, oder lässt es sie nur schneller rosten? Tritt Aquaplaning im Salzwasser früher auf, und wie hoch und weit kann Wasser spritzen? Wie schnell können Möwen starten und fliegen? Können Autos tanzen? Ab welcher Geschwindigkeit fängt Sand an zu fliegen?

Antworten darauf geb ich keine. Aber wir haben alles rausgefunden. Ich berichte nur vom Effekt auf alle unsere Gesichter: Grinsen von Ohrwaschel bis Ohrwaschel. Mit diesem Grinsen fahren wir weiter nach Süden in eine kleine Maorisiedlung Namens Ahipara. Fast alle Maoris sind fett. Beim Mittagessen finden wir raus, warum. Pures Fett hat weniger Kalorien als dieses Mahl, welches unsere Hirne binnen Sekunden verblödet. Direkter Folgeeffekt: Ich frage ein paar Locals, wo man Quads mieten kann. Sie stehen direkt vor dem Schild, das darauf hinweist.

Kerstin und Susi wollen Quad-heizen. Mehr Strandspaß. Wir teilen uns das Gerät für eine Stunde. Die Dünen leiden sehr unter unseren Spuren. Was ich nicht dachte: Quads kippen ganz schön schnell um, wenn man in engen Kreisen heizt. Gemeine Vierbeiner. Enduros sind da trotz nur zwei Rädern viel gutmütiger.

Wir fahren auf den letzten hohen Berg auf der Westseite der Nordinsel. Ganz oben entdecken wir Autowracks, tolle Aussichten und einen ausgetrockneten weißen Fluss. Was bedeutet eigentlich “Down Under”? Alles eigenartig hier, und magisch.

Wir fahren heim und kochen mal was gesundes. Cédric verknallt sich in die Frau von Bill Gates. Und unsere Farmerin kommt ziemlich besoffen als dritte des lokalen Golfturniers heim. Sie ist richtig krachig, ich hätte sie eher für eine Armdrückerin als für eine Golferin gehalten. Mindestens eine der vier anderen Frauen war schon Schwanger, als sie aufbrach, meint sie. Mich zerreissts fast vor Lachen. Hole in one auf Neuseeländisch.



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