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Punta Chame

John Wayne hatte hier ums Eck mal eine Insel. Sie ist jetzt Disneyworld. Punta Chame ist anders. Am Ende einer langen Halbinsel 100 km nördlich Panama City gelegen strotzen einsam leerstehende Ferienunterkünfte reicher Panamenos dem starken Wind. Der kiffende Belgische Koch unserer Französischen Fazienda schleppt uns mit auf eine Kiter-Party am Ende der Strasse.

Der Hochglanz-Appartment-Block mit Jaccuzi steht unter der Woche leer. Der Reggae erinnert an die Rooftop-Bar auf den Kap Verden, aber das Gras riecht viel besser. Schnell erachte ich Jack Nicholson als einen möglichen Nachbarn. Das Gefühl bekämpfe ich erfolgreich mit dem auf das Spanische Wort für „Opa“ lautenden Rum. Bis mir ein mit einem Schlachtermesser in Zitronen pulender Ansbacher Perma-Reisender erzählt, ich hätte gerade Haifisch verzehrt.

Ich erwarte keine Geschichten. Ich hoffe auf Augenblicke. Genau solche. Nach kurzer Internet-Recherche zwecks Reisetraum-Realisierung in Costa Rica bin ich dezent über den Haufen geworfen. Eines der erhofften Baumhäuser 30m hoch im Regenwald kosten laut Homepage im Februar nur 500 $ pro Nacht. Trotz includiertem Frühstück schaff ich’s irgendwie nicht, dieses Angebot als wertvoll zu erachten. Den Mietwagen zum fünfachen andalusischen Preis verspeise ich da noch gerne zum Nachtisch, auch wenn ein Costaricanisches Leben vermutlich nicht mit 100.000 US-Dollar Haftpflicht abgegolten werden kann. Die Reise wird wohl früher nach Nicaragua verlagert werden. Dazwischen liegen ab morgen früh einige hundert Kilometer Bus durch Panama und Costa Rica.

Einige weitere Stunden in der Hotline von COPA und Condor bringen bis zum sechsten Tag meiner Reise zwar wieder weder Kleidung und Gepäck, doch zumindest die Einsicht, dass meine neuen drei Boardshorts wohl wenigstens so lange halten werden müssen, bis ich als frustriertes kleines Rad in einer großen Maschine derselbigen 23kg x 40€ Schadensersatz abgerungen habe. Condor, bitte verzeih mir, dass ich gar so böse Emails in rot und XXL geschrieben habe. Meine Geduldsfaden reisst einfach, wenn ich zum 27. Mal höre, dass mein Rucksack in Panama angekommen ist, aber ihr zu dämlich seit, ihn 100 km nach Norden zu transportieren. Okay, schickt ihn mir nach Costa Rica, Mistfliegen! Bis dahin reichen wir uns den Wein zu Kettcar unter Moskitonetzen durch. Reiten den Wind. Leben das Leben.

Die Webdesign-Aufträge komme gerade passend zu einem heftigen Streit zwischen rotem Laiberl und knallroter Haut, wer denn nun den bessere Sozialisten mime. Ich arbeite eineinhalb Tage alles im Schatten ab, dann geht’s mit LSF ultra wieder aufs Wasser. Der Wind bläst schön sideon mit 15 bis 27 Knoten aus Nordwest. Das neue Splitboard ist prügelhart und beisst sich etwas mit den kabbeligen Wellen von Punta Chame. Die Windschwankungen sind recht gross, aber die Böen machbar. Ein Österreichischer Freak geht mit 65kg bei knapp 25kn mit 12m² raus und legen gigantische Sprünge vor der untergehenden Sonne hin. Hinter mir stehen in der Ferne unter dem aufgehenden Vollmond Ozeanriesen Schlange vor dem Panamakanal.



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