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Langebaan zum zweiten

Durch die Rush Hour von Kapstadt hole ich unseren neuen Mietwagen am mit dem Bus gut eineinhalb Stunden entfernten Flughafen ab. Wir siedeln über ins nahe Saltycrax Hostel. Die Besitzerin hat in den letzten Jahren ein Programm für Freiwilligenhelfer in den Townships aufgebaut. Derzeit sind in Hostel und nahen Häusern satte 70 Freiwillige untergebracht.

Unser Zimmer ist zum Glück überbucht. Das gibt uns die Möglichkeit, unsere Zeit in Blouberg deutlich zu verkürzen. Die Wellen sind mir zu herb, das Wasser mit ca. 13 Grad wirklich kalt und mehr als 25 Knoten Wind brauche ich auch nicht. Blouberg ist ein weisses Luxusghetto ohne Charme. Die Volunteers träumen vom Weltfrieden, die Kiter von den Wellen und der Rest von Sicherheit.

Der Cape Doctor kommt endlich mal richtig in Schwung und bläst zwei Tage lang mit 20 bis 30 Knoten am Blouberg Strand. Wir weichen für zwei Tagestrips nochmal aus ins gut 100 km entfernte Langebaan. Am ersten Tag reicht der Wind gerade mal für Bodydrag. Der zweite Tag wird wirklich schlimm. Schon auf der Anfahrt nach Shark Bay aus Richtung Langebaan sehen wir viele Kites.

Bei Flut ist der Strand in der Shark Bay gerade mal fünf Meter breit. Auf diesen fünf mal 200 Metern liegen heute in 17 bis 22 Knoten Wind stolze 80 Kites rum. Gegen Mittag zähle ich weitere 80 auf dem Wasser, davon fast alle auf einer Fläche von 100 mal 300 Metern. Das wäre noch zu ertragen.

Aber einige aus Kapstadt angereiste Rambos versauen heute vielen Kitern den Tag. Die Highlights beinhalten Photo-Sessions für Sprünge wenige Meter vor dem Strand – bei Wind 75° onshore. Einige Rambos fahren ständig wieder mit minimalem Abstand ins Lee von klar erkennbaren Schülern. Starten will jeder vom fünf Meter breiten Strand anstatt im Wasser – wenn ein vierjähriges Kind zwei Meter von den Lines entfernt im Sand spielt bekommt der Vater auf seine Bitte nach Vorsicht ein „I live here. I know what I do!“ hingerotzt.

Die Cracks landen recht aggresiv auf dem kleinen Strand. Mitten auf die anderen Kites und über alle Lines. Ein Anfänger durfte seine startbereiten Lines satte fünf Mal unter neue gelandeten Kites rausholen – kaum jemand wickelte seine Lines ein. Die Halbstarken wollen ihre Kites natürlich auch direkt am Strand landen. Wurden aber dann doch einige male die Dornenbüsche direkt dahinter.

Versteht mich nicht falsch: Langebaan Shark Bay ist ein spitzenmässiger Schulungsspot mit massig Stehbereich und in der Regel hervorragenden Bedingungen. Aber er kann auch mal wie heute schlichtweg Kacke sein, weil wenige Kiter sich einen feuchten um alle anderen scheren.

Wir fahren auf der breiten N2 nach Kapstadt zurück. Langsame Autos fahren auf dem Seitenstreifen. Machen sie deinen 120 km/h Platz, bedankt man sich durch Warnblinken. Der überholte sagt „Bitte“ durch kurzes Aufblenden. Verena freut sich wie ein Sojaschnitzel über jeden, der sich an den Südafrikanischen Knigge hält.



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