Embalse de Ebro

0908
2018
Do
19:54
Tag
4080
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Im nordspanischen Kantabrien springen die Berge direkt aus dem Atlantik auf über 1.000 m. Auf den nahen bis zu 2.400 m hohen Picos de Europa liegt selbst im Hochsommer noch Schnee. Das unglaublich grüne Land leuchtet im eigenartigem Sonnenlicht auf der Netzhaut wie Ahoi Brause auf der Zunge britzelt. Endloser blauer Himmel und das Meer legen eine Prise Tiegerbalm drunter und drüber.

Der Embalse de Ebro liegt gerade mal 50 km von der Küste entfernt auf 800 m in einem ganz anderen verlassenen Land. Die uralten Häuser sind aus Stein gebaut. Darin hängen Bilder von zwei Metern Schnee auf der einzigen Dorfstraße. Selbst jetzt im Hochsommer kratzt das Thermometer nach 42°C in Bilbao an nur angenehme 17°C – von unten.

Auf den umgebenden Bergen malen dutzende Windräder das magische Bild eines thermisch schwer aktiven Kitespots. Der Wind kommt meist aus Nord über die von tief hängenden Wolken überspülten Berge. Am thermisch aktivsten Ostende des Ebrosees liegen beide Kitespots. In Corconte gibt’s eine kleine Kitestation www.ebrokite.com mit sehr hilfreichen Leuten. Der Spot hier liegt im Lee der Berge und eignet sich wegen heftigen offshore-Böen eher für Windsurfer.

Ein paar Kilometer weiter im Südosten des Ebro Sees liegt der verlassene Weiler Cabañas. Von Norden kommend fährt man direkt nach der einzigen Bar rechts rein und dann den ersten Feldweg rechts. Das Schild „privado“ darf man laut Barkeeper ignorieren. Das Gatter unbedingt wieder schließen, wir Kiten hier unter Pferden!

Der Kitespot ist das reinste Pornorama. Unendlicher Himmel, Berge mit letzten Schneefeldern, Wildblumen und eine langsam in den See übergehende Weide. Einzige Gefahren: eine Stromleitung im Osten, bitte 200 m Abstand halten! Ein paar Stacheldinger hinter der Weide, und Pferdeäpfel drauf. Sonst nichts. Der Stehbereich im onshore blasenden Nordwind ist wenigstens 100 m breit, der Untergrund weich.

Selbst wenn die Schule mal volle Klasse hat sind maximal 20 Leute draußen. Auch wenns kalt ist kommt die Thermik gut in Gang: bei maximal 17°C blies der Wind mit bis zu 24 Knoten Mitte. Allerdings ist er laut durch die Bank super netten Locals recht schwankend und auch hier etwas bockig wenn es kalt ist. Kann ich bestätigen. Ich hatte hier binnen fünf Stunden alles zwischen 8 und 27 Knoten. Über 20 Grad soll er deutlich konstanter blasen. Vorhersage von Windy und Windfinder stimmt recht genau, man kann aber vier Knoten draufschlagen.

Im Stehbereich ist das Wasser spiegelglatt. Über eine kleine Sandbank brechen gut nutzbare kleine Kicker. Weiter draußen bastelt der Wind nette bis zu 50 cm hohe Ramps. Selbst eine kleine spiegelglatte Pfütze für Cumbuco-Hardcore Trickser gibt es direkt hinter dem Strand, nur vollkommen rüpelfrei.

Die Pferde schauen uns Kitern hinterher. Der Wind pfeifft still in den Ohren. Die Wildblumen strahlen in der Sonne. Mein Paradies.

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