Kitespots Sardinien

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2016
Sa
13:21
Tag
3235
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Porto Pollo ist nur der berühmteste aber bei weitem nicht der beste Kitespot Sardiniens. Aufgrund der Düse zwischen Korsika und Sardinien bläst der Wind hier bei Mistral meist mit 5 bis 10 Knoten mehr als an der nördlichen Westküste – ist aber auch deutlich bockiger, vor allem bei Mistral mit Südeinschlag. Porto Pollo funktioniert bei allen westlichen Winden, der Hauptwindrichtung auf Sardinien.

Der Strand ist breit, grober Sand ohne Steine und andere Hindernisse – zumindest in der Nebensaison. Es gibt überhaupt keinen Stehbereich. Die Wellen sind gerade bei starkem Wind über 25 Knoten recht kabbelig, große kommen aber nicht in die Bucht rein. An manchen Tagen kommen sie wie in einer Badewanne aus allen Richtungen – vor allem nahe der Isola dei Gabbiani.

Im Sommer kostet Parken 7 € und Kiter müssen 300 m ans noch bockigere Westende der Bucht laufen sowie Schwimmwesten tragen – oder 150 € zahlen. Jegliche Selbstschulung – auch für Fortgeschrittene – ist aufgrund der bis zu 30 Lehrer und 100 Kiter im Sommer untersagt. Auf der Landbrücke zwischen Windsurf- und Kitebereich gibt es einige Bars, von denen man beide Seiten gut beobachten kann. Einige Weltmeister waren in meinen 10 Tagen auch hier und haben nette Tricks im Flachwasser östlich der Landbrücke hingelegt. Dort heizen in der Vorsaison auch ein paar gute Kiter im hier meist voll offshore blasenden Wind – in der Saison ist der Bereich alleine für Windsurfer reserviert.

Cagliari Einige Kilometer südlich von Cagliari liegt der Strand von La Maddalena direkt an der SS195. Der Scirocco kommt hier aus Süd gut onshore an und wird anscheinend nochmal thermisch verstärkt. Am Strand gibt es aufgrund der romantischen Lage zwischen Salinien im Norden sowie Ölindustrie und Ölhafen und Westen und Osten sicher auch in der Hauptsaison genug Platz und ein paar kleine Snackbars. Stehbereich ist breiter als an den meisten anderen Spots auf Sardinien. Parken ist umsonst. Weiter südlich soll Chia noch sehr gute Wellen bieten.

La Ciaccia ist ein derber Wavespot an der Westküste zwischen Castelsardo und Valledoria. Vor einer steilen Düne mit netten Luvwirbeln startet man normalerweise von einem 20m² großen Grasfleck drei Meter über dem Strand, mit Lines über ein Geländer, und bevorzugt nicht in die direkt daneben stehende Straßenlaterne. Bei Ebbe reicht der Platz gerade noch für einen Start am Strand. Schon der Shorbreak ist recht heftig. Wir haben bei Mistral von 18 bis 25 Knoten im April nette eineinhalb bis zwei Meter Welle. Weiter draußen türmen sich teilweise auch oben leicht brechende bis zu drei Meter hohe Klabautermänner auf. La Ciacca war wirklich heftig. Einfach nur am Brett zu bleiben war schwer. Die Wellen brechen von Land aus gesehen nach rechts und relativ sauber. Die schönsten laufen weit links. Vorsicht, hier sind Felsen unter der Oberfläche! Notausstieg geht erst wieder ca. 200m nach Lee – oder direkt am kleinen Strand vor der steilen Düne. Mit 10 Kitern am Wasser ist der Spot schon recht voll.

Valledoria liegt nur einige Kilometer nödlich La Ciacca. Im Hochsommer, wenn der Mistral in Porto Pollo über 35 Knoten bockt kann hier ein guter Ausweichspot mit Flachwasser auf einer kleinen Lagune sein. Der Wind bläst hier deutlich laminarer und in der Regel 8 bis 10 Knoten weniger als in Porto Pollo.

Marina delle Rose / Narudu Nieddu liegt ca. 30 Minuten Fahrt von Porto Pollo an der Westküste entfernt. Wellen können hier recht mächtig ankommen, brechen dann aber oft unschön und mit viel weissem Wasser. An einem Starkwindtag können es durchaus mal vier Meter werden. Der Anmarsch zum Strand geht ca. 400 m durch einen Wald den Hang hinab nach rechts. Vor allem abseits der Hauptsaison sollte man nichts im Auto liegen lassen, hier wird öfter mal eines aufgebrochen!

Im Hochsommer muss man oben parken, in der Nebensaison fuhren einige Kiter auch bis zum Strand. Der Weg führt über einen Holzsteg, von dem man besser nicht abkommen sollte. Im Wasser gibt es ein paar Felsen, die man zwar recht gut sieht – trotzdem sollten hier nur geübte Kiter rausgehen. Der Strand ist feiner Sand mit wenigen Hindernissen und breit genug zum starten. In der Saison haben auch ein paar kleine Strandcafes 200 m südlich geöffnet. Im April waren sie alle dicht. Auch in Marina delle Rose bläst der Wind laminarer als in Porto Pollo und mit ca. 5 bis 8 Knoten weniger.

San Teodoro Wenn die Vorhersage Südwind (Scirocco) ankündigt lohnt sich die Fahrt ins eine gute Stunde entfernte San Teodoro an der Ostküste, ca. 35km südlich Olbia. San Teodoro bietet den mit Abstand schönsten und breitesten weissen Puderzucker-Strand Sardiniens. Ausserdem fällt er sehr flach ab, daher gibt es einen ca. 50m breiten Stehbereich. Der Spot funktioniert nur bei Südost-Wind, dann bilden sich wunderbar kleine Kicker für weite Flüge nach Lee.

Die Windfinder Vorhersage scheint öfter unter dem tatsächlichen Wert zu liegen. Wir hatten eine gigantisch guten Tag vor Kapstadt-Berg-Panorama in schön konstanten 15 bis 22 Knoten. In der Nebensaison kann man ohne weiteres im Badebereich direkt hinter dem Parkplatz bei der Lagune rausgehen. In der Hochsaison muss man ca. 300 m nach Norden laufen. Dort ist der Stehbereich kleiner. San Teodoro ist der einzige wirklich anfängertaugliche Kitespot Sardiniens – leider bläst der Scirocco nur an ca. 10% aller Tage.

Fazit Im April ist es auf Sardinien oft noch bitter kalt. Ohne langen Neo geht gar nichts, und selbst mit ist es oft weniger als nur frisch. Gerade wenn mal über 30 Knoten reinkommen ist der Windchill bei 14° Luft und 12° Wasser wirklich böse. An ein paar Tagen hatten wir auch mal Sonne und gute 20 Grad, dann gabs Panoramakiten vor den Bergen Korsikas in azurblauem Wasser.

Nach einer Woche Kultour über die ganze Insel hatte ich an 7 von 10 Tagen guten Wind zwischen 15 und 40 Knoten. Die Bedingungen für Kiter sind an fast allen Stränden bis auf San Teodoro ziemlich bis sehr herausfordernd. An der Westküste sind die Wellen oft hoch. Gerade Porto Pollo mit seinen im Sommer extrem starken und sehr bockigen Winden nebst brachialer Enge in der Bucht und vielen nötigen Regeln wäre für mich in der Hochsaison sicher gar nichts.

Perfekte Reisezeit zwecks Füllstand, Temperatur und Wind sollte Mai und September sein. Auch komplett ohne Wind hat Sardinien wahnsinnig viel Abwechslung aus Landschaft, Natur und Kultur und Essen zu bieten. Ich komme definitiv wieder, aber sicher etwas später im Jahr. Lieblingsinsel!

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