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Kite-Wanderung zum Barro de Cunhau

Im Minivan nach Cibauma mockiert sich ein schwules deutsch-uruguaiisches Pärchen auf Flitterwochen köstlich über die Irrwege der liberalen Bürokratie. Einer der beiden wäre jetzt laut Trauschein „Senora“ und müsse sich somit einer Geschlechtsumwandlung unterziehen, was beide diskriminierend und voll abtörnend finden.

Am Ende eines Feldweges schmeisst mich der Busfahrer raus. Ich bin auf dem Weg zu einem legendären Kitespot, dem Barro de Cunhau. Von Pipa müsste man für die 7 km Luftlinie ca. 50 km Umweg mit dem Taxi fahren. Warum wird mir nach einer kurzen Wanderung klar. Bei Flut kommt man über diesen Fluss nur mit dem Floss. Jetzt bei Ebbe versinke ich nur hüfthoch im Wasser.

Der Barrho de Cunhau liegt recht ab vom Schuss. Ab Cibauma sind es nochmal einige Kilometer, Busse gibt es keine. Auf dem Hinweg habe ich noch das Glück, dass mich und meine komplette Kiteausrüstung ein Motorbiker mitnimmt. Der Rückweg zu Fuss dauert am Abend deutlich länger.

Der Barro de Cunhau ist eine sich zum Meer weit öffnende Flussmündung mit schön breiten Sandbänken auf beiden Seiten. Die Flussmündung und Teile des Strandes sind durch ein vorgelagertes Riff vor Wellen geschützt, ordentlich Swell gibt’s nur dahinter am offenen Meer. Innerhalb des Barro de Cunhau erstreckkt sich eine wunderbare Flachwasser-Piste. Ich bin schon gegen 10 Uhr da und sofort draussen.

Leider luscht der Wind. Nicht mal 13m² ersparen mir nach dem langen Anmarsch das Höhelaufen am Strand. Dafür ist mehr als genug Platz, es sind heute gerade mal 10 Kiter da, und die vier aktiven verteilen sich auf 200 mal 800 Meter. Im direkt an der Mündung gelegenen Blue Dream Resort gibts kleine Snacks und Drinks unter Palmen, Kite-Kurse bietet www.brazil-kiteboarding.com an.

Erst am späten Nachmittag frischt der Wind endlich soweit auf, dass ich einige Bahnen ohne Abtreiben ziehen kann. Die untergehende Sonne taucht alles in goldenes Licht. Die Anreise war heftig, aber hat sich gelohnt. Der Barro de Cunhau ist ein Spot zum Panoramakiten. Nach einigen Tagen Luschen-Wind am Surferstrand von Pipa, dem Praia de Madeiro machen diese halbe Stunde noch wertvoller. Manchmal lohnt es sich einfach, einen ganzen Tag zu laufen für eine halbe Stunde Kiten. Dem stimmt selbst der liebeskranke Kiter-Clown vom Cirque du Soleil zu, als er melancholisch Richtung Sonnenuntergang blickt.



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