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Kaiserkiten zum Zweiten

Der besoffene Portugiesische Vorarbeiter von 5000 Mann auf einer Baustelle in Hongkong bringt uns am letzten Abend in Charlhs Bar Freidrinks ein. Anscheinend will der Keeper ihn nicht mehr – wie zwei Abende zuvor – das Mikrofon des Sängers klauen lassen. Wir erfahren nicht mehr, ob sein Plan aufgeht. Drei Wochen auf Boracay waren einfach genug. Wir landen halbwegs zeitig im Bett.

Früh am Morgen brechen wir nach Tablas auf. Sogar zum Verlassen Boracays wird eine satte Ökosteuer erhoben. Kacke im Meer verrotten lassen ist einfach oberöko. Wir fahren ein letztes Mal vorbei am Bulabog. Von draussen schaut er noch voller aus. Ich bin unendlich froh, endlich wegzukommen. Sitze in zwei Meter Dünung am Sonnendeck auf meinem Kitebag und halte Ausschau.

Nach drei Stunden kommen wir in Looc auf Tablas an, springen auf die hintere Stossstange eines Jeepneys und fahren einige Kilometer zum Aglicay Beach. Auf dem Weg befördere ich noch zwei weitere Pärchen dorthin. Vor drei Wochen war der Wind hier Hack, aber der Himmel sehr bewölkt. Heute bekommen ich die Bilder, die ich suche. Der Wind ist schwach, aber die Farben einfach nur Wahnsinn.

Schon bei der Ankunft singen einige Philippinos übelst und sehr laut Videoke im Restaurant des Aglicay Beach Resort. Was übelst ist, das kann niemand auch nur ansatzweise begreifen, der noch nicht auf den Philippinen war. Die übelsten Zusammenschnitte jeglicher Castingshow sind dagegen durch die Bank respektable Number One Hits. Wir sitzen im Strand und jaulen. Sie verstehen den Zaunpfahl nicht. Wir jaulen lauter, aber Verständnis ist wohl keine Frage der Lautstärke.

Also gehen wir davon aus, dass die „Sänger“ einfach rotzedicht sind. Sie sind aber noch stocknüchtern. Est am Abend singen sie rotzedicht. Ich bin gemein, denn ich lästere laut und oft. Wahrung des Gesichts ist überall in Asien sehr wichtig. Ich hätte besser handeln sollen. Rübergehen, und ihnen einfach ganz logisch und nüchtern erklären, warum sie gerade jetzt, in diesem Augenblick und mit jeder einzelnen komplett falschen Note ihr Gesicht in rotzgrünen Brei verwandeln.

Zurück zum Thema. Ich kite an einem traumhaften Spot! Max winkt einige Zeit vom Strand aus, ich höre Boracay und hab schon Angst, ich hätte mein Board dort vergessen. Ist aber seine Harness. Alleine einen Transport mit der Bangka hierher zu organisieren dauert ewig. Aber dann gibt’s nur noch zwei Sachen. Ich und das Wasser. Und dann Max und das Wasser, mit meiner Harness.

Ich hasse diese ganzen Trickgewichse-Kite-Bilder, bei denen man nur Kiter, Wasser und Himmel sieht. Das ist komplette Entwurzelung all dessen, worum es beim Kiten geht: Eins sein mit dem Wind, dem Meer, dem Ufer und der ganzen Welt. Wenn ich von all dem auf den Bildern nichts sehe, sind sie wertlos. Die Bilder heute sind Gold, und zwar in Türkis, Blau, Grün und Gelb.



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