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Ilha do Guajirú

Ilha do Guajirú ist der erste Ort in Brasilien, an dem wir etwas nach einer freien Unterkunft suchen müssen. „Etwas“ dauert fünf Minuten und bringt uns für wenig Geld eine Pousada direkt am Strand. Der rostige Kompressor rattert laut, das Essen dauert ewig. Wir fühlen uns sofort daheim in der Pousada Portal da Barra. Zehn Meter vom Zimmer zu Starkwind-Kiten auf Flachwasser bieten wenige Orte auf der Welt.

Der Wind bläst mächtig in Ilha do Guajirú. In den drei Tagen unseres Aufenthalts schläft er nur selten und kurz bei weniger als 20 Knoten. Tagsüber bläst er stets mit 20 bis 30 Knoten. Ilha do Guajirú ist ein Traum für Flachwasser-Kiter. Hinter einer langen Sandbank gelegen reduziert die Ebbe eine lange Flussmündung auf wenig spiegelglatten Raum. Bei Flut reiten bis zu 60 Kiter die sanften Windwellen der 300 mal 1000 Meter grossen Piste.

Kiter sind in Ilha do Guajirú unter sich. In eine der sechs kleinen Pousadas vor Ort verirren sich nur wenige andere Reisende. Es gibt eine einzige Bar, und die ist zu unserer Freude täglich gut gefüllt. Unsere Nächte in Ilha do Guajirú sind kurz, daher werden die Tage umso länger. Wir kiten bis zu vier Stunden täglich, bis zum Muskelkrampf am Abend, und schreien ab und zu kurz auf, wenn die Füsse mal wieder auf die Hände traten. Nach Osten erstrecken sich weite Mangrovenhaine im stets bockiger und schwächer werdenden Wind. Der Lohn für den Upwinder sind sehr gleichmässige schön steile kleine Windwellen und mehr Platz. Alles erinnert an Galinhos, nur der Platz ist insgesamt viel weniger.

Einige hundert Meter östlich schreit noch konstanter Wind nach grossen Sätzen. Wir geben Sie Ilha do Guajirú. Der Anblick der Kiter vor den Pousadas im Zentrum erinnert an Grzimeks Expeditionen ins Reich der Tiere: springende Gazellen in der Afrikanischen Steppe. Das Springen ist nicht immer ungefährlich. Auch in der Mitte der Flussmündung ist das Wasser teilweise und je nach Tidenstand nur wenige Zentimeter tief. Vor allem in der Nähe von Mangroven wird der Schlick am Grund oft von scharfen Muscheln garniert. Einige Kiter haben dicke Pflaster an ihren Füssen. Wir haben drei Tage lang kaum Bodenkontakt.

Der lokale Immobilienhai ist ein Holländer. Keiner mag ihn, die Pousadas hassen ihn. Laut seinem schon in Cumbuco verteilten Masterplan bietet Ilha do Guajirú unglaubliche Renditen und massig Platz für neue teure Hotels. Das einzige was er nicht berücksichtig? Schon vor den aktuell nur sechs Pousadas Ilha do Guajirús kann es eng werden. Nicht nur am von scharfem Bauschutt durchsetzten Strand ereignen sich Crashs. Nach 14 Jahren Kiten mit gerade mal einer Kollision (sorry, Dominik!) schaffe ich es im Gedränge Ilha do Guajirús an einem einzigen Tag gleich zwei Kites abzuschiessen. Den ersten trifft noch Teilschuld. Wenn ich meinen Kite gerade mal auf 12 Uhr für einen kleinen Sprung zurücksteuere und sofort Feindkontakt habe, dann fehlte Abstand.

Der zweite Kite-Kontakt beweist, dass Menschen, die täglich den Himmel küssen überhaupt keine Ahnung davon haben müssen, wie man Glückseeligkite schreibt. Ich gerate beim retten eines verlorenen Kiteboards in die Lines einer anderen deutschen Kiterin. Da nicht sofort klar ist, ob die Lines sauber sind, lösen wir die Safeties aus. Sie fängt sofort zu motzen an, was für ein „Vollidiot“ so einer „Fotze“ das Brett retten würde und dabei wagte ihren „noch nicht ganz abgezahlten Slingshot“ zu schänden. Mit dem motzen hört sie auch eine geschlagene halbe Stunde nicht mehr auf. Ich entschuldige mich. Ich hole ihre und meine Lines ein und sichere unsere Kites schwimmend bis ans 100m entfernte Ufer. Ich rette unsere weit abgetriebenen Boards. Nachdem ich „ihr Jump-Training komplett versaut habe“ präferiert sie, ihren Kite durch ihren Privatlehrer auf exakt die von mir vorgeschlagenen Weise zu relaunchen. Der Hintern mag eine Brasilianische Erfindung sein. Aber das Arschloch kommt garantiert aus Deutschland.



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1 Kommentar zu “ Ilha do Guajirú ”

Mann, kannst Du überhaupt noch laufen? Es kostet viel Kraft zu kiten, oder? Wie viele Mann kannst Du schon stemmen?

Kommentar von Carin am 15.11.2013

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