Endlich! Kitesurfen in Essaouira

2105
2011
Sa
1:07
Tag
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Nach neun Tagen Warten kommt endlich der Wind in Essaouira an. Noch nie hab ich irgendwo solange auf Wind gewartet. Er kommt mächtig. Morgens noch gemütliche 12, Nachmittags mit 15 bis 24 Knoten, Böen gut drüber. Alles was ich gelesen hat simmt: Der Wind ist ordentlich bockig. Nicht so schlimm wie bayerische Seen, aber recht ungemütlich.

Die Dromedare stehen am Strand. Ab und zu knallt der Kite eines Schülers zwischen sie rein. Schulung sollte hier eigentlich verboten sein. Recht heftige Wellen, heute nur ein Meter, aber davon viele. Der Wind schwankt im fünf-Sekunden Takt leicht um 400%. Bei solchen Bedingungen sorgen Kiteschulen nur für bleibende Erlebnisse der dritten Art. Sobald der Bodydrag mehrheitlich in der Luft stattfindet gibt er wenig Sicherheit.

Die Locals stören die Böen nicht weiter. Der kleinste geht mit einer Micronesischen Wundertüte von fünf Quadratmeter raus. Auch die anderen machen alles platt was geht: Steile Wellen werden gebügelt. Die deutlich in der Überzahl anwesenden Windsurfer um einiges an Bewegungsfreiheit beschnitten. Etliche Boards gerettet und Kiter abgeschleppt. Die Szenerie ist nicht ganz so dramatisch wie El Yaque bei oberen 20 Knoten…aber auch nicht weit weg davon. Ständig knallt was aufs Wasser.

Ich bin den ganzen Tag mit 12m² Liquid Force Session draußen. Anfangs gemütlich. Alle Aussagen auf Oase stimmen. Sobald der Wind an den unteren 20 Knoten kratzt wird’s ungemütlich, weil sehr stark wechselnd. Irgendwann bin ich’s leid, jede Minute den Adjuster anzupassen. Böenplätten mit umgekehrten Liegestützen und Katzenbuckel. Viel zu lernen gibt’s heute nicht. Ist mal der Wind gut, spielen die Wellen nicht mit zum springen. Sind selbige mal weg, luscht der Wind.

Nach nur drei Stunden auf dem Wasser bin ich fix und alle. Da hilft auch der vom Fahren her hochgeschätzte Wachmacher nichts mehr. Auch nach über einem Liter frisch gepresstem Orangensaft bleib ich platt. Zurück ins Hostel. Massig Bilder sortieren. Bier, was essen gehen. Mist, schon wieder kurz vor Mitternacht. Schnell noch die Bilder….und eine bessere Galeriefunktion. Ende.

Zweiter Tag. Die Vorhersage ist gut, also Frühstück am Strand, im Windschutz des Mistral Kitesurf Clubs. Windschutz ist dringend nötig. Es hackt, schon um zehn Uhr mit satten 20-25 Knoten. So bleibt es den ganzen Tag. Böen gehen rauf bis 30 Knoten, Windlöcher selten unter 15. Die Böen gehören mit zum härtesten, was ich je geritten hab. Einzig der Brombachsee vor Gewitterfronten und Boa Vista sind noch heftiger.

Kitesurfen ist eine Religion. Aus Religionen soll man Kraft schöpfen. Aber heute kostet sie nur Kraft. Der Satz, den ich heute mit weitem Abstand am häufigsten höre ist „C’est pas jolie.“. Das ist nicht nett. Surfer unterhalten sich über den zwar noch stärkeren, aber auch viel gleichmäßigeren Wind in Tarifa. Dann knallt wieder eine Sandstrahl-Böe über den Zaun.

Gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Noch vor Mittag gehe ich raus mit einem 9er Crossbow. Der Kite steht gut im Saft, Böen verschütten selbigen ordentlich. Ich fahr fast permanent am letzten Trimmknoten mit komplett gezogener Depower. Zeitweise kommt’s mir so vor, als würde ich 60 Grad gegen den Wind fahren, so flach steht das Segel an. Ich habe Probleme, Höhe abzubauen. Downwind reisst’s mich ständig nach oben, Springen ist wegen dem ständigen auf und ab des Windes schwer. Die Wellen sind satte 1,5m und kommen oft in fiesen Zweiersets direkt aufeinander folgend. Du springst über die erste Welle und knallst senkrecht in die zweite rein. Das Wasser ist gelb vor aufgewühltem Sand und brennt gut in den Augen.

Bis zu den heftigsten Böen gegen drei Uhr finden permanent Schulungen statt. Das ist kriminell, den Schulen gehört sich die Lizenz entzogen. Wenigstens vier Kites sterben heute, einige weitere werden übel geschändet. Leute, ab 25 Knoten schult man nicht mehr! Auf Oase gibt’s tolle Geschichten von ausgekugelten Schultergelenken während Kite-Kursen. Wundert mich gar nicht, wenn man in so einem Wind Anfänger rauslässt. Alle, die ich zurückkommen sehe haben einen interessanten Gesichtsausdruck irgendwo zwischen Ehrfurcht, Angst und Wut.

Den ganzen Tag über gehen gerade mal ca. 20 Kiter raus. Alle schmeisst’s irgendwann, auch mich. Ungewollter Kiteloop bei 20+ Knoten. Toller Flug, harte Landung. Ich spiele Fangen mit den Wellen. Einige erwischen mich sauber. Die Freaks springen im 10 cm tiefen Wasser vor den noch heftigeren Wellen südlich sieben Meter und mehr. Ich kreuze Richtung Essaouira auf. In allen Foren ist zu lesen, der Nord-Wind wäre wegen der durch die Altstadt hervorgerufenen Verwirbelungen so böig. Glaube ich nicht. 300 Meter von den ersten Gebäuden Essaouiras entferrnt ist der Wind auch kaum bockiger als 1,5 km weiter im Süden. Nach zwei mal gut einer Stunde reicht’s mir…völlig platt.

Dritter Tag. Der Wind flaut ab. Die Fahnen am Strand knattern nicht mehr lauter als die Quads daneben. Mit gemütlichen 14 bis 18 Knoten geh ich nochmal knappe zwei Stunden auf’s Wasser. Wenig Wellen, gut zum heizen. Am spätzen Nachmittag habe ich genug. Kite einpacken, ab nach hause.

Wichtiger Tipp für alle Kiter: Lasst in Essaouira niemals eure Lines offen liegen! Die Dromedar-Pfoten sind noch recht weich. Die Pferdehufe schon etwas härter. Ganz schlimm sind aber die Quads, vor allem die mit blinden Touris drauf. Heizen voll drüber. Einmal wickeln sich Lines um die Reifen, ein zweiter Quad-Biker bretzelt mit 30km/h in Leinen unter Spannung. Lustiges Geräusch, aber nicht schön anzusehen. Passt auf vereinzelte Glasscherben am Strand auf!

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