Eine fast tödliche Kitesafari

0502
2012
So
12:31
Tag
1703
3400 views

Bipin kommt morgens vorbei. Er hat ein Bangka für eine Kitesafari auf die Inseln ganz im Südosten Mindoros organisiert. Die Überfahrt dauert fast eineinhalb Stunden und ist sehr rauh. Wir erwarten starken und beständigen weil über offenes Meer ankommenden Wind an verlassenen tropischen Traumspots, an denen noch nie jemand gekitet hat. Erster Stopp ist die äusserste Insel Masin.

Auf der Westseite liegt ein Fischerdorf an einem Korallenstrand, davor Seegrasplantagen. Die Menschen sind freundlich. Sie haben noch nie Langnasen gesehen. Der Nordost-Wind wird durch die Insel abgeblockt. Wir gehen auf die andere Seite. Der Wind hackt. Shorebreak gut ein Meter auf große spitze Felsen. Es gibt Kiter, die gehen an solchen Spots raus. Wir nicht.

Wir schwingen uns wieder in die Bangka und fahren um Masin herum auf die Nordseite der Insel. Die nur 200 m breite Meerespassage zwischen den Inseln Masin und Tambaron wirkt wie eine Düse und verstärkt den Wind. Links auf Tambaron liegt ein kleiner Sandstrand in der Leeabdeckung vor hohen Hügeln. Rechts auf Masin liegt eine Seegrasplantage vor einem steinigen Strand. Da der Wind dort besser ansteht legen wir hier an.

Wir checken den kleinen Spot. Schauen uns um und diskutieren über mögliche Gefahren. Weisen unsere zwei Begleiter sauber in Notfallregeln ein. Wir beschließen, dass mangels Platz Wasserstart am sichersten ist. Max geht nach einigen Leinenhängern in Steinen als erster raus. Sein Siebener-Kite geht beim Wasserstart zu weit in der Powerzone nach oben. Ich kann ihn kaum halten. Er schnappt sich das Brett und fährt durch die Seegrasplantagen in den Meeresarm raus.

Ich baue meinen Kite auf und verfolge einige Sprünge, und wie Max weiter nach Osten zwischen den Inseln aufkreuzt. Da sind zwei Striche am Himmel. Striche? Kabel! Wir haben sie trotz sauberem Spotcheck nicht gesehen, sie sind sehr dünn, und hänge sehr tief zwischen Tambaron und Masin. Ich gestikuliere Max wie wild auf’s Wasser, aber er braucht einige Zeit, bis er schnallt, was ich ihm zurufe: „Stromkabel knapp hinter dir!“. Bis dahin kreuzt er weiter auf. Erst wenige Meter vor den Kabeln dreht er um.

Was passiert, wenn Kiteleinen in ein 220V Kabel fliegen? Leinen Plastik, Bar schaumstoffummantelt, Trapezhaken plastikkaschiert. Aber alles nass. Ich bin froh, es nicht herausgefunden zu haben. Max versteht mich und will wieder anlanden. Da löst sich seine Safety ungewollt aus. Der Kite schmiert fast in die Käfige der Seegrasplantagen ab. Die Bar geht auf Tauschstation und verhängt sich in Korallen. Ich rette ihm beides.

Schon da hätten wir aufhören sollen. Ich erachte den Spot trotzdem als kitebar. Wasserstart mit Max als Halter. Mein Kite geht weiter am Windfensterrand hoch – so weit, dass er beinahe einen Plantagenkäfig knutscht. Wir haben den Platz deutlich überschätzt. Direkt danach reisst’s den Kite nach links, er invertiert und knallt auf den Strand. Ursache war ein verklemmter Schlauch an der letzten Quertube, wie wir später bemerken. Schande! So was muss man sofort bemerken.

Wir packen ein und fahren rüber ins Tambaron Resort. Wenigstens diesen Spot hatten wir nach telefonischer Abklärung korrekt eingeschätzt: voll in der Leeabdeckung hinter den Hügeln Tambarons. Ein sieben Kilo schwerer Monstergockel vertilgt die Überreste unsere Mittagessens. Ich rutsche zur Seite.

Auch ein Upwinder von Tambaron rüber auf die ca. vier Kilometer entfernte andere Seite der Bucht war im Gespräch. Doch die Leeabdeckung hinter Tambaron un der folgenden Halbinsel ist zu mächtig. Auch dieser Plan fällt flach. Letzte Chance: Unser Heimspot am Pier neben der Felipa 2 Lodge ist wirklich der beste Spot in der ganzen Bucht.

Ich checke den Neuner, Wind zu schwach. Geh raus mit 13. Waagleine verhängt sich beim Wasserstart. Kite looped einige male durch, voll angepowert. Philippinos retten ihn mir. Nochmal raus, diesesmal mit Starthelfer. Hab genug Wasserstarts gefährlich versemmelt heute. Der Wind bockt, mal fast ganz weg, dann voll depowert am Limit. Kein großer Spaß. Ein paar Sprünge, einen üblen einbeinigen High-Speed-Crash mit Backflip und ein siebtes Sonnenbrillenopfer später gehe ich wieder an Land. Einfach genug. Heute gelernt: auch nach 13 Jahren kiten mit nur einem kleinen Unfall kann man böse Fehler machen.

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