Das Beste zum Schluss: Skyline-Kiting!

0403
2013
Mo
22:36
Tag
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In unseren drei Monaten in Neuseeland haben wir uns nichts geschenkt, sparsam gelebt und auf kaum was verzichtet. Die 50 % Teuerung seit 2008 konnten wir ganz gut durch mehr campen und weniger Restaurants ausgleichen. Gutes Leben, knapp 14.000 km Mietwagen und einige Adrenalinspässe kosten uns am Ende 1.800 € pro Person und Monat plus 1.000 € für den Flug.

Für einen der drei letzten Tage in Auckland gönnen wir uns puren Luxus. Das SkyCity Hotel liegt direkt am Fuss des Skytowers mitten im Zentrum von Auckland. Riesen Zimmer weit oben, noch größere Betten, neueste Kinofilme on demand. Ein Koreanisches Barbecue am Tisch mit 50 Feinheiten. Wir geniessen bis zum Gehirnversagen – und dann noch weiter.

Das Frühstück am nächsten Morgen ist das hochgradigste und umfangreichste internationale Spezialitäten-Gemetzel, das ich jemals überlebt habe. Zur Auswahl stehen mehr als 100 Köstlichkeiten: Grapefruit aus Spanien, Kiwis und Roastbeef aus Neuseeland, Eier in Memoriam Benedikt, Honig aus Waben, französischer Blauschimmelkäse, Passionsfrucht-Mango-Kompott, frischer Tomatensaft, Indischer Dahl, Chinesische Hoisin-Nudeln, Baguettes, Croissants, deutscher Apfelstrudel, French Toast und vieles mehr.

Nur vier Stunden später nehmen unsere Gehirne langsam wieder Ihre Funktion auf. Wie sind wir in diesen Park gekommen? Wir kommen auf ca. 35 Sachen, die jeder von uns probierte. Gehirnversagen, zum zweiten. Neben zwei Kilo Wandermuskeln werden auch einige weitere mit heimkommen. Erinnerungen an das Casino kommen hoch. Wir haben fünf Dollar mit der geächteten Methode aus der Facebook-Werbung beim Roulette gewonnen. Warum wurden wir trotzdem nicht des Hauses verwiesen?

Unsere letzten Geschenke kaufen wir verteilt auf ein gutes Dutzend Shops. Alle gehören Chinesen. Ich verstehe die Angst der Neuseeländer. China kauft ihr ganzes Land auf. Das shoppen war der einfache Teil der Reise. Der härtere waren unsere insgesamt 360 km Wanderungen. Ein Durchschnitt von vier Kilometern am Tag hört sich nicht nach viel an, fühlt sich aber genau gegenteilig an. Meine Knie sind ziemlich mitgenommen, aber zum Glück nicht vollkommen kaputt wie nach dem letzten Besuch.

Das Kiten kam anfangs deutlich zu kurz, nie gab es Wind. Aber ab dem Hochsommer gab es immer wieder mal gute unerwartete Spots. Egal wo, egal wann: ich ging immer raus, wenn der Wind gut und der Spot halbwegs sicher waren. Uli machte alles mit. Ohne sie hätte ich niemals die ca. 200 km und 15h auf dem Wasser geschafft. Auch das hört sich für drei Monate nach wenig an. Aber schaut euch Ulis Bilder an: es waren einige der schönsten Kitespots der Welt dabei. Da werden Sekunden zu Stunden.

Das Beste kommt zum Schluss. Windfinder gibt perfekten Wind für den letzten Tag in Auckland. Ich verbringe eine halbe Nacht mit der Suche nach den besten Kitespots Aucklands auf Google Maps. Es sind etliche, aber keiner schaut in großem Zoom wirklich gut aus, und viele liegen einfach total im Abseits. Ich will mehr.

So fahren wir am vorletzten Tag viele Kilometer durch Aucklands viktorianische Villen-Vororte. Ich bin auf der Suche nach meinem Traum-Kite-Spot, dem Spot, der einen wunderbaren dreimonatigen Roadtrip würdig beenden soll. Nach gut drei Stunden Fahrt werde ich am Ende der Charles Street im Vorort Hauraki fündig. Eine flache Bucht voller Mangroven, am Ende eine kleine Sandbank voller Muscheln. Die Ausrichtung ist perfekt für den angekündigten Südwestwind.

Nach einer Wanderung durch die Auckland Domain geht es am nächsten Mittag zurück zum Spot. In der südlichen Shoal Bay liegt der bekannte Startplatz. Einige Kiter sind draussen, aber ihnen fehlt etwas. Von der Charles Street aus liegt drei Kilometer im Luv die ganze Skyline von Auckland in voller Breite. Mehr Panorama geht nicht in der city of sails. Ich baue auf und gehe raus.

Der Wind ist schwächer als angekündigt, luscht anfangs mit 12 bis 15 Knoten rum. Aber er wird besser, je näher ich in Richtung Skyline und Hafen sowie Harbour Bridge aufkreuze. Nach knapp zwei Kilometern bin ich so weit dran, wie es geht. Die Wolkenkratzer ziehen schwere Leeverwirbelungen hinter sich her. Ich kite zwischen einigen in der Bucht ankernden Mega-Yachten durch, eine Navy Base liegt auch gleich ums Eck. Noch näher an die Skyline brächte sicher auch in Neuseeland Ärger.

Ein kurzer Downwinder durch die Bucht und 30 andere Kiter. Ein paar letzte kleine Sprünge. Durch knietiefen Mangrovensumpf ans Ufer waten. Kite landen, in die Sonne schauen und breit grinsen. Zwei Stunden und brennende Arme sind ein würdiges Ende dieser Reise.

Abends gehen wir essen im höchsten Restaurant der südlichen Erdhalbkugel. In 190 m Höhe dreht sich das Orbit Restaurant im Skytower zu den Lichtern der Großsstadt. Neuseeland kennt keine Sterne für Essen. Die vergeben wir für die drei Kunstwerke im hervorragenden Menue. Morgen geht’s heim. Wir sind traurig, dass die Reise durch Neuseeland zu Ende ist. Wir sind froh, alles geschafft und überlebt zu haben. Und wir freuen uns auf daheim: Familie, Freunde, Schweinebraten und das eigene Bett. Lebe wohl, Neuseeland!

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2 Kommentare

  • TommyKrebs schreibt am Dienstag, 5.3.2013 um 0:35 Uhr:

    1800…gar nicht mal so teuer… Ich habe 2008 mit Flug und Campervan (das machte es teuer) für einen Monat 4500€ ausgegeben. Ich meine der Van hat schon alleine, wenn ich mich recht erinnere, 2400€ gekostet. Naja, allein reisen ist halt immer teurer.

    Danke für den Blog und gute Heimreise. :-)

    p.s. schick mir mal ne Mail, wenn du wieder unterwegs bist…

  • ff-webdesigner schreibt am Dienstag, 5.3.2013 um 5:27 Uhr:

    mach ich. magst doch wieder kiten, ha :-?

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