Das andere Königreich

0601
2012
Fr
14:41
Tag
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Ich überlebe acht Tage auf Boracay. David dagegen erkrankt heftig an Montezuma in Stereo. Wir fahren ohne ihn ab, auf der Suche nach wahren Königreichen. Unsere private Bangka fährt direkt am White Beach ab und ist fast pünktlich. Jules aus Cardiff kommt eine Stunde zu spät. Er musste seinen Philippinischen Schosshund auszahlen. Das Geld-Nachtanken am ATM dauerte länger.

Dicke Regenwolken hängen über Panay. Bei 25 Knoten Wind ist es völlig egal, ob es regnet. Sobald wir mit der kleinen fünf-Meter-Bangka aus dem Windschatten Boracays raus sind, wird Reisen wieder Abenteuer. Wellen von über 1,5 m fliegen über’s Deck. Das Gepäck bleibt dank Davids Mülltüten trocken. Nach über einer Stunde bei gedrosseltem Motor erreichen wir platschnass das andere Königreich.

Die Insel Carabao liegt nur 5Kilometer nördlich von Boracay. Ich spring an den Strand. Das Weltall. Unendliche Weiten. Carabao ist eine andere Galaxie, und Ivy’s Vine Resort ist eine der wenigen Unterkünfte im kleinen Dorf Lanas. Ich bin irritiert. Der neue Mecklenburgische Besitzer hat zwei Beine und begrüßt uns in meiner Sprache. Da es kein Internet gibt, wusste er nichts von unserer Buchung. Der Strand ist vollkommen leer, wir sind die einzigen Gäste. Alle Preise fallen augenblicklich um den Faktor zwei bis vier – Tauchen und Wucherbikewursties mal ausgenommen.

Sogar die Katzen hier sind kaum zu vergleichen mit ihren Artgenossen auf Boracay. Dort sieht in der Regel jede Katze spätestens am 10. Lebenstag aus wie nach drei knapp überlebten Bunrouts unter einer Harley – gegen den Strich. Und auch das nur, wenn sie Glück hatte. Ohne selbiges gleicht sie hingegen akkustisch und visuell frappierend den süssen Hundchen aus Resident Evil.

Libellen fliegen in der Metal-Band-befreiten Zone. Das Wasser ist klar und sauber. Wind rauscht in den Palmen. Der Besitzer hat Geschichten, und teilt sie gerne. Von gestohlenen Laptops und dem allgegenwärtigen Wissen, wer im Dorf sie hat. „Regelt sich immer nach ’ner Zeit“, meint er. Geschichten von verfeindeten Königreichen. Boote aus Carabao dürfen nur an Boracays Backside andocken – White Beach ist tabu. Seit langem hoffen die Carabaoer auf einen Flughafen. Doch der Manilische Investor sprang schon vor Jahren auf Druck einflussreicher Boracayer ab.

Jetzt liegt Carabao im Dornröschenschlaf. Der König ist ein Bürgermeister auf der anderen Seite in San Jose. Im gehört alles, auch ein paar Seeadler in einer großen Volière. Er sieht ihnen ähnlich. Für das Kiten am Strand vor seinem Schloss kassiert er 50 Pesos – mit Rechnung. Trotzdem: Der Strand in San Jose ist mein lange und verzweifelt gesuchtes verlorenes Kite-Paradies.

Strand: 20 m breit und schöner Sicherheitsabstand zu den Palmen, bis auf zahlreich herbeieilende Kinder vollkommen leer. Wind 14-18 Knoten side-onshore, ein paar scharfe Korallen im Sand, ein paar Felsen im Wasser. Sonst ist alles perfekt. Wasser: kristallklar und deutlich geruchsneutraler als Boracay. Wellen: trotz fehlendem Saumriff wunderbar weich einlaufend. In Boracay kabbelt es fast ständig in kurzen Intervallen. Hier: smoooooooooth. Gut zum heizen, ankanten und perfekt für ein paar ordentliche Sprünge.

Nach einer Stunde flaut der Wind ab. Ich will mir das Paradies nicht mit Höhekurbeln versauen und gehe raus. Kinder campieren unter dem Kite. Regen setzt ein. Ich packe ein und nehme zwei Bikes zurück auf die sechs Kilometer entfernte andere Inselseite. Zwei Bikes, weil dem ersten die Last meiner Glückseeligkeit den Hinterreifen zerreisst.

Abendessen. König Jürgen platziert uns auf die Strandblick-Empore über der Küche. Drei Stühle vor drei Tischen in einer Reihe. Darauf drei Teller, drei Gläser und drei Aschenbecher. Das Licht unter dem Palmendach geht an. Wir sind die alten Emporen-Säcke aus der Muppetshow in 3.1. Es gibt nur einfach restlos nichts zu motzen, also spielt Jules einfach verdammt gut Gitarre und wir schweigen zum Rauschen der Wellen.

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2 Kommentare

  • mom schreibt am Freitag, 6.1.2012 um 17:42 Uhr:

    na, endlich hast du dein paradies gefunden. wo ist david? viel spaß. mom

  • Peter schreibt am Sonntag, 8.1.2012 um 16:51 Uhr:

    Hi, Frank, bin erst jetzt dazu gekommen, Deine Erlebnisse zu studieren. Hoffe, du hast jetzt dein Paradies gefunden. Weiterhin viel Glück, Peter

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