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Km 2.256: Balla balla @ Bahia Salinas

Ich öffne die Autotür einen Spalt. Der Wind reisst sie mir sofort aus der Hand. Wenn hier ein alter knochiger Baum in der Trockensteppe stirbt, dann bricht er einfach im starken Wind in sich zusammen. Unser Beach House liegt 300m vom Spot und bietet Platz für acht Leute. Als die einzigen Gäste gönnen wir uns nach drei Wochen gemeinsam reisen dekadenterweise getrennte Schlafzimmer.

Der Wind in Bahia Salinas ist das heftigste, was ich binnen 16 Jahren Kitesurfen erlebt habe. Er weht eigentlich nie mit weniger als 20 Knoten – mit Böen von oft über +50%. Bei Flut ist der Strand komplett weg, dann gibts nur einen kleinen staubigen Spot zum starten.

Bei Ebbe kommen recht spitze Kiesel und Muscheln raus. Im Schlamm dahinter spielen einige Kiter SM mit Stachelrochen.

Den ersten Tag verbringen wir auf weniger Wind wartend. Unsere kleinsten Kites sind zu gross. Erst am späten Nachmittag flaut der Wind auf 28 Knoten ab. Die Böen gehen auf bis zu 37 rauf. Ich fliege dem Neuner ziemlich am Limit. Jede noch so kleine Welle und ach so kleiner Zug an der Bar schleudert dich in den zweiten Stock. Ein lokaler Aggro springt prinzipiell nichts unter sieben Metern – an einem ebenso grossen Kite. In der einen Sekunde küsst dein Hintern in einem Windloch das Wasser. Die nächste Böe lehrt dich direkt darauf den Superman.

Abends veranstaltet die Crew vom KiteHouse eine Grillparty im Panoramarestaurant auf dem Hügel über der Bucht. Mit endlich mehr als drei Hosen bin ich sauber in Feierlaune. Zur Sperrstunde verlagern wir die Party mit guten Kitern aus aller Welt in unser Strandhaus. Die Nacht wird kurz. Am nächsten Morgen schnallen wir beim Losfahren beide nicht, dass die hintere Wagentür offensteht. Ich fahre rückwärts durchs Tor und reisse dabei unserem Wagen beinahe die Tür aus. Mit Hangover sollte man generell nur vorwärts fahren.

Der Wind ballert noch stärker als am ersten Tag. Wir fahren die 20 km Schotterpiste zurück zum letzten Dorf und kaufen bescheiden Futter für die nächsten Tage. „Bescheiden“ heisst auf Costaricanisch „nur 100 $ für fast nichts“.  In Deutschland hätte „fast nichts“ höchstens die Hälfte gekostet. Costa Rica keeps on killing me.

Am Nachmittag schleudert der Wind immernoch die Türen unseres Strandhauses auf und zu. Die knochigen blattlosen Bäume biegen sich knarzend. Melli kauft sich einen Fünfer Liquid Force Envy, dann fahren wir an den Strand. Ich bin normalerweise recht gut im Windstärke-schätzen. Heute versage ich. Bitte rechne mir das mal einer aus: Ich wiege 95kg. Mein Board ist 135 cm. Ich war mit dem Fünfer am untersten Knoten voll depowert sauber in Fahrt und hoch im Flug. Wieviel Knoten sind das?

Der Wind flaut kurz minimal ab. Ich halte Melli beim Start. Nach einer voll überdampften Line verliert sie 300 m vor der Küste ihr Board. Der ausgelöste Kite reisst sie trotzdem Richtung Strand, bis ich ihn fange. Nach einiger Zeit am Fünfer finde ich ihr Board, weit vom Winde verweht. Bahia Salinas ist einfach nur absoluter Wahnsinn.

Am dritten Tag bringt für dies Jahreszeit äusserst seltener Regen eine kleine Beruhigung. Der Wind geht runter auf 18 bis 30 Knoten und stirbt am Abend komplett. Dazwischen schläft er immerwieder für Minuten fast vollständig ein. Ein Ami nennt ihn „holey“. Das hat nichts mit Religion zu tun. Am nächsten Morgen ballert er wieder fast wie gewohnt mit 20 bis 30 Knoten, Nachmittags bis zu 35 mit Böen deutlich drüber. Die Bucht von Bahia Salinas leuchtet gold und rot im Sonnenuntergang. Das Panorama ist genauso schön wie die Windverhältnisse herausfordernd.

Erst am letzten Tag brezelt der Wind endlich mal halbwegs konstant mit 18 bis 28 Knoten – Sweetspot für Neuner. Die Sprünge nähern sich meinem nie übertroffenen sieben-Meter-Limit an. Die Einschläge werden heftig. Wir spüren davon recht wenig, haben einen heftigen Hangover von der langen und blutigen vortägigen Geburtstagsparty eine Kanadiers. Den ganzen Vormittag machen wir unseren Frieden mit Bahia Salinas. Es ist Zeit, weiterzuziehen.



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1 Kommentar zu “ Km 2.256: Balla balla @ Bahia Salinas ”

Wahnsinn, diese Sprünge…. diese Geschichten……

Kommentar von carin am 3.3.2015

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