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Auf dem Weg ins gelobte Land

Eine Hauswand mitten im Nirgendwo der Brasilianischen Pampa verkündet: „Gott hat uns verlassen“. Das irritiert mich auf gleich zweierlei Arten. Erstens sind Brasilianer die Salafisten unter den Christen. Wer nicht wenigstens drei der fünf in jedem Dorf wöchentlich angebotenen Messen besucht, gilt offiziell als Heide. Zweitens: Wir sind auf dem Weg ins gelobte Land, und das geht nicht ohne einen Gott.

Unser Gott ist der Wind. Er bringt Brasilien durchaus einiges an Reichtum. Wenn hier ein Windpark gebaut wird, dann baut man gleich eine Fabrik, Strassen und manchmal gleich noch ein ganzes Dorf dazu. Wir fahren durch endlose Wälder von Windkraftanlagen. Ja, ohne wäre der Sonnenuntergang schöner. Aber wenn ich die Wahl zwischen Drehflügelwäldern und im dunkeln leuchtenden Sushi habe, dann ist meine Wahl eindeutig.

Die Kreuzritter klagten schon vor 800 Jahren über hohe Herbergspreise. Heute sind wir die Ritter, wir reiten die Wellen, unsere Lanzen lauten auf den Namen Drachen. Sobald irgendwo erst mal „Kite“ davor steht, steigen die Preise garantiert gleich um das Doppelte. Wir fragen schon länger generell an keiner „Kite-Pousada“ mehr nach Preisen. Und selbst bei denen ohne „Kite“ davor bleibt unser nächster Spot Icarai de Amontada ein teures Pflaster. Erst nach einiger Suche und dank Ians Verhandlungsgeschick finden wir ein Zimmer für 100 R$ die Nacht.

Der Kitespot Icarazihno liegt 50m vor der Pousada Marina Mar. Am westlichen Ende der Bucht von Icarai kommen dank Abdeckung durch eine Landzunge zumindest bei Ebbe sehr wenige Wellen an. Wenn’s auch auswärts etwas holpert: landeinwärts breitet sich eine mehrere hundert Meter lange Speedpiste aus. In extrem bockigen 5 bis 25 Knoten heizen wir den Nachmittag in Grund und Boden. Die Gischt spritzt so heftig, dass sich das Salz durch die Hornhaut der Augen zu fressen scheint.

Abends beten wir den stets gleichen Caipi-kranz: Nirgends ist wirklich was los. Icarai hat eine einzige Bar. An einem Freitag Abend sind wir froh, im Praiazinho nicht die einzigen Gäste zu sein. Ceviche und Caipiriha sind ein scharfes Doppel. Ich reise gerne still, und manchmal allein. Doch Brasilien ist mir einfach stets etwas zu leer.

Der nächste Tag bringt schon am frühen Morgen epische Winde. Bei 25 bis 30 Knoten müssen wir zum ersten mal wirklich die kleinen Kites aufbauen – und selbst unsere kleinen Kites sind mal wieder die grössten am Himmel. Mein 9er verliert Luft, beim Sprigen knicken die Tips ein. Zu gefährlich in diesen Bedingungen. Ich baue erstmals die Fronttube eines OnePump-Kites aus. Nach 4h habe ich zwar kein Loch gefunden aber wenigstens den Kite wiederhergestellt. Die Nachmittagss-Session bringt hohe Sprünge, fette Wellen und etwas weniger bockigen Wind als der Vortag. Wir sind bereit für’s gelobte Land.



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